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Über den Bollywood-Sender Zee One

"Nach der Fußball-EM holen wir uns die Frauen"

 

Im Juli startet die indische Essel Group, ein milliardenschweres Familienunternehmen, mit Zee.One einen frei empfangbaren Bollywood-Sender. Die deutsche Senderchefin Friederike Behrends betont: "Wir wollen keine Nische besetzen. Wir sind Mainstream."

von Thomas Lückerath
11.04.2016 - 01:00 Uhr

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Während die meisten neuen Sender in der deutschen Fernsehlandschaft als Ableger größerer Sendergruppen letztlich nur bekannte Ware wiederholen, will Zee One ab Juli mit Bollywood-Filmen punkten. „Wir launchen einen frei empfangbaren Sender der mit Bollywood echte Abwechslung für den Zuschauer bietet. Wir bringen eine neue Farbe und auch Stimmung ins deutsche Fernsehen. Unser Claim ist ‚We feel bolly.good‘“, sagt Geschäftsführerin Friederike Behrends, die zuvor bei Magine und der WDR Mediagroup wirkte. Sie meint: „Das ist gerade der spannendste Job im deutschen TV-Geschäft.“ In Cannes hat Behrends zusammen mit Neeraj Dhingra (Foto oben), CEO des europäischen Geschäfts von Zee Entertainment, und Amit Goenka, CEO International Broadcast Business bei Zee Entertainment, zum Pressgespräch geladen.

Zee One wirft schließlich einige Fragen auf. Dass ein Bollywood-Sender starten will, ist hier und da schon durchgedrungen. Selbst Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland und Co-CEO der RTL Group, erwähnte es in ihrem „Welt am Sonntag“-Interview. Doch wer steckt hinter diesem Kanal und wie ernst meinen die es? So viel lässt sich sagen: Sehr ernst. „Wir gehen bei unseren internationalen Investments sehr bedächtig vor“, beteuert Amit Goenka, der im Rahmen der TV-Messe MIPTV zusammen mit seinem Bruder die Ehrenmedaille für die Verdienste ums TV-Geschäft verliehen bekam. „Über Jahre haben wir Bollywood-Content nach Deutschland verkauft und Erfahrungen gesammelt“, sagt Goenka (Foto unten) im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de.

„Und mit dem Wissen, dass der Content in Deutschland funktioniert, investieren wir jetzt. Und das Investment in Deutschland ist ziemlich groß. Das ist in diesem Jahr unser größter Launch.“ Konkrete Zahlen nennen will er wenig überraschend nicht. Zee Entertainment ist die TV-Tochter der indischen Essel Group, die von Amit Goenkas Vater Subhash Chandra gegründet und geführt wird. Sie beschäftigt mehr als 10.000 Mitarbeiter in 169 Ländern. Zum Portfolio der Essel Group gehören zahlreiche Aktivitäten, darunter auch Freizeitparks, Vorschulen und Industrie-Produktion. Ein Drittel der weltweiten Zahnpasta-Tuben komme von Essel, so die Eigendarstellung. 1992 startete dann das TV-Geschäft von Essel Group unter der Marke Zee.

Amit Goenka
© MIPTV

Amit Goenka wurde bei der MIPTV 2016 mit der Médaille d'Honneur ausgezeichnet

Neben einer Vielzahl von Fernsehsendern aller Genres in Indien selbst sowie international betreibt die Essel Group im Heimatmarkt mit Dish TV auch den größten Satellitenanbieter Indiens, Kabelnetze, OTT-Dienste sowie Produktionsfirmen. Seit 2011 hält 21st Century Fox über eine andere Beteiligung Anteile an Zee Entertaiment. Ein Drittel des Umsatzes der Essel Group kommt inzwischen vom TV-Geschäft. Anfang 2016 kündigte Zee Entertainment auch den Start eines globalen, englischsprachigen Nachrichtensenders an. WION (World is One News) soll mit CNN, BBC und Co auf internationaler Ebene konkurrieren. Doch in Cannes ging es um Zee One, der im Juli frei empfangbar startet.

Zu den Distributionspartnern zum Sendestart kann man noch nichts sagen. Noch sei die Tinte nicht trocken. Aber man rechnet sehr optimistisch mit einer technischen Verbreitung von mindestens 80 Prozent aller TV-Haushalte von Tag 1 an. Zu sehen gibt es bei Zee One in erster Linie Bollywood-Filme, aber auch Musikvideos, Serien (darunter eine über das Leben von Buddha) und Dokumentationen. Man habe einen Programmschatz von 3.500 Bollywood-Filmen und damit die größte Library. Jeden Tag gebe es drei Filme in Erstausstrahlung. „Wir sind weltweit Botschafter für Bollywood“, sagt Neeraj Dhingra, CEO des europäischen Geschäfts von Zee Entertainment. Dementsprechend sorgsam werde man mit den Filmen umgehen. Aber er kündigt interessanterweise an: „Wir werden die Filme für den deutschen Markt anpassen.“

"In Indien werden Emotionen gerne sehr lange gezeigt (...) Das können wir für das deutsche Publikum etwas straffen."

Neeraj Dhingra, CEO des europäischen Geschäfts von Zee Entertainment


Und er erklärt, was damit gemeint ist: „Bollywood-Filme tendieren zu einer gewissen Länge, die ungewohnt ist für Zuschauer außerhalb des indischen Marktes. In Indien werden Emotionen gerne sehr lange gezeigt. In Tränen ausbrechen kann schon mal Minuten dauern. Das können wir für das deutsche Publikum etwas straffen. Und bekanntlich gibt es viele Songs und Tänze. Einige davon sind Teil der Geschichte, andere dienen nur dem Übergang von Szenen. Wir haben unsere Bollywood-Library genau analysiert und werden für Zee One spezielle Fassungen aufbereiten, die den TV-Gewohnheiten der Deutschen entgegenkommen. Für diese Aufgabe haben wir ein Team.“

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