Schimanski: Loverboy © WDR/Uwe Stratmann
"Scheiße."

Mach's gut, Schimmi: Götz George ist gestorben

 

Keiner sagte im Fernsehen so schön "Scheiße" wie Horst Schimanski: Nun ist Schauspieler Götz George im Alter von 77 Jahren gestorben. Mit ihm verliert der deutsche Film einen seiner größten Stars, der beliebt und streitbar zugleich war.

von Alexander Krei
26.06.2016 - 23:16 Uhr

Trauer um Götz George: Der Schauspieler ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Nach Informationen der "Bild"-Zeitung verstarb George bereits am 19. Juni und wurde im engsten Familienkreis beigesetzt - so wie es sein Wunsch war. Ein leiser Abschied für einen, der auch laut werden konnte, wenn er es denn wollte. Mit Götz George verliert Deutschland einen seiner größten, wenn nicht sogar seinen größten Schauspieler, der nicht zuletzt mit seiner Paraderolle des Horst Schimanski in Erinnerung bleiben wird. Ab 1981 verkörperte er in 29 Folgen den Duisburger Kriminalhauptkommissar im "Tatort", der stark abwich von den gradlinigen Ermittlern, die seinerzeit im deutschen Fernsehen zu sehen waren.

Mit beige-grauer Feldjacke, reichlich Alkohol, Frauengeschichten und der Verwendung von Fäkalsprache markierte der schnauzbärtige Macho "Schimanski" eine echte Wende - er war es auch, der das Wort "Scheiße" im Fernsehen salonfähig machte. Georges "Schimanski" war schnell bei den Zuschauern so populär, dass der Schauspieler nach einer kurzen Pause wieder in seine unvergleichliche Paraderolle schlüpfte und fortan in einer eigenständigen Krimireihe zu sehen war. Erst im Alter von 75 Jahren hing Götz George die Feldjacke endgültig an den Nagel.

Doch George war weit mehr als "Schimanski". So sorgte seine Darstellung des homosexuellen Massenmörders Fritz Haarmann in "Der Totmacher" Mitte der 90er Jahre nicht nur hierzulande für Aufsehen. George brillierte in ernsten Rolle wie der des KZ-Arztes Josef Mengele in "Nichts als die Wahrheit" oder des unter Alzheimer leidenden Busfahrers in "Mein Vater" ebenso wie in komödiantischen Stoffen. Der Schauspieler wirkte nämlich auch in den Film-Klassikern "Schtonk!" und "Rossini" mit. Eine Herzensangelegenheit war ihm zudem der von vielen Kritikern verrissenen Fernsehfilm "George", in dem er die Beziehung zu seinem Vater Heinrich thematisierte. Dieser hatte einst eine aktive Rolle in der NS-Film- und Radiopropaganda übernommen.

Bekannt wurde Götz George bereits Anfang der 60er Jahre, als er in Filmen der Karl-May-Reihe mitwirkte, so wie 1962 in "Der Schatz im Silbersee". Ein letztes Mal stand der Schauspieler vor einem Jahr für das ARD-Krimidrama "Böse Wetter" vor der Kamera, das bislang noch nicht ausgestrahlt wurde. Im Laufe seiner Karriere erhielt Götz George für seine schauspielerische Leistung zahlreiche Preise - so wurde er unter anderem mit den Ehrenpreisen des Deutschen Fernsehpreises und des Schauspielerpreises geehrt. 2014 bekam George zudem das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

Zeitlebens galt er aber auch als streitbarer Kopf. Unvergessen sein Auftritt bei "Wetten, dass..?" aus dem Jahr 1998, als er sich vor einem Millionenpublikum einen offenen Streit mit Thomas Gottschalk lieferte und dem Moderator vorwarf, sich mit ihm nicht niveauvoll unterhalten zu können. Damit stieß George auf Ungnade beim Publikum und erhielt Buhrufe. Einige Jahre später bewies der Schauspieler hingegen umso mehr Humor, als er bei einem erneuten Auftritt in der Show wieder mit Gottschalk aneinandergeriet - diesmal jedoch im Spaß. Auf die Frage, ob er im Alter nicht großzügiger über Ärger hinwegsehe und zufriedener geworden sei, antwortete George dem Mediendienst "teleschau" einmal: "In keinster Weise. Ruhiger und abgeklärter schon. Zufriedener nicht."

Als vor knapp drei Jahren der letzte "Schimanski"-Fall ausgestrahlt wurde, fiel der Abschied ungewöhnlich still aus. "Dieser Typ tritt so leise ab, wie er laut angefangen hat", sagte der Schauspieler damals in einem Interview. Es scheint, als sollte dieser Satz auch für ihn ganz persönlich gelten.

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