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Am Abend des Putschversuches

Warum N24 erst spät berichtete und n-tv off-air ging

 

Der Nachrichtensender n-tv beendete seine Türkei-Berichterstattung in der Nacht plötzlich, Phoenix machte früh Feierabend und N24 ging erst in der tiefen Nacht on-air. Warum eigentlich? DWDL.de hat nachgefragt. Am Abend gibt es wieder einen "Brennpunkt".

von Marcel Pohlig
16.07.2016 - 12:55 Uhr

Es ist ein während und nach großen Nachrichtenereignissen mittlerweile gewohntes Bild, das sich durch die einfache Möglichkeit der Äußerung per sozialer Netzwerke noch verstärkt hat: Die deutschen Fernsehsender und insbesondere die Nachrichtensender werden für ihr teils zögerliches Handeln kritisiert. So war es auch am Freitagabend und in der Nacht auf Samstag wieder, als Teile des türkischen Militärs einen Putschversuch unternahmen.

Während Das Erste und das ZDF bereits in den regulären Sendungen, den "Tagesthemen" und dem "heute-journal", entsprechend der noch unsicheren Nachrichtenlage informierten und die Zeit bis zum Start von Sondersendungen zur Sortierung und Sicherung der Informatonen nutzten, war es vor allem der Kölner Nachrichtensender n-tv, der im Laufe des Abends zunächst in kurzen Newsblöcken und ab 23:00 Uhr in einer Sondersendung laufend über die Ereignisse aus Istanbul und Ankara berichtete. Die Zuschauer honorierten dies am Abend mit hohen Zuschauerzahlen.

n-tv gelang es also, das nur einen Tag nach der Amokfahrt von Nizza erneut gestiegene Bedürfnis nach Informationen zu befriedigen – und doch entschied man sich in Köln dazu, die aktuelle Berichterstattung um 01:00 Uhr, als die Lage in der Türkei immer unübersichtlicher wurde und die Putschisten allmählich zurückgedrängt wurden, zu beenden. Aus Köln wird am Morgen nach den Ereignissen in der Türkei darauf verwiesen, dass man zuvor bereits rund 24 Stunden über die Amokfahrt von Nizza berichtet habe. "n-tv hat, wie auch bereits in der Nacht zuvor beim Attentat in Nizza, als erster Nachrichtensender bis in die Nacht hinein mit Breaking News über die aktuellen Ereignisse berichtet", erklärt eine Sprecherin des Senders auf Nachfrage des Medienmagazins DWDL.de und verweist darauf, dass durchgehend über das Laufband und im Internet informiert worden sei. Seit 06:00 Uhr sendet man außerdem wieder im Breaking-News-Modus und werde die Zuschauer je nach aktueller Lage informieren.

Ähnlich handelt am Samstagmorgen auch die Berliner Konkurrenz von N24, wo ebenfalls seit 06:00 Uhr wieder live gesendet wird. Geplant ist nach Angaben des Senders derzeit eine Live-Strecke bis 13:00 Uhr, danach soll es die üblichen stündlichen Nachrichten geben. Ob auch nach 13:00 Uhr weiter live gesendet werde, entscheide man kurz vorher abhängig von der aktuellen Nachrichtenlage, erklärt Sendersprecherin Kristina Faßler am Samstag auf Nachfragen.

Am Abend des Putschversuches dauerte es auffallend lange, bis N24 live über die Nachrichten vom Bosporus informierte. Kampfjets gab es zwar auch bei N24 zu sehen, allerdings als Teil der abendlichen Dokustrecke. Während selbst die Springer-Kollegen der "Bild" einen Livestream auf die Beine stellten, informierte N24 lediglich im Laufband und über die digitalen Auftritte. "Zuallererst ist es unsere Aufgabe, die Zuschauer und User über das aktuelle Geschehen umfassend, sauber recherchiert und verständlich zu informieren. Diese Berichterstattung ist von TV-Journalisten gemacht, von einer Mannschaft, die zu diesen Zeiten mit ihrem Einsatz weit über das Selbstverständliche hinausgeht. Das tut sie professionell und mit Leidenschaft", meint Faßler gegenüber DWDL.de.

"Gleichzeitig müssen wir in solch einer wirklich außergewöhnlichen Nachrichtenlage auch abwägen, wie wir mit den Ressourcen umgehen", erklärt Faßler, weshalb N24 erst um 01:30 Uhr eine anderthalbstündige Sondersendung mit Carsten Hädler ins Programm nahm. Gerade in der Nacht, wo die Zuschauerzahlen eher gering sind, wäge man genauer ab und habe auch die Mannschaft im Blick, die ab 06:00 Uhr wieder live auf Sendung gehe. Laut Faßler müsse man zusätzlich auf die Wirtschaftlichkeit einer Breaking-News-Situation, die sehr umfassende Ressourcen benötige, im Blick behalten.

Kritik und Spott musste in Folge eines Tweets auch der öffentlich-rechtliche Ereigniskanal Phoenix von ARD und ZDF einstecken, nachdem sich die Crew eine Viertelstunde vor Mitternacht in den Feierabend verabschiedete und darauf verwies, dass man um 09:00 Uhr in der Früh wieder über den Militärputsch in der Türkei berichten werde. Offenbar erwarteten viele auch von Phoenix, das sich ohnehin nicht als Nachrichtensender versteht, eine laufende Berichterstattung, während ARD und ZDF allerdings in den Hauptprogrammen statt über Phoenix abseits der regulären Nachrichtensendungen auch in Sondersendungen informierten.

Phoenix verweist am Samstag auf DWDL.de-Nachfrage darauf, dass in der Sendung "Der Tag" mit Michael Krons auch am Abend noch über den türkischen Putschversuch berichtet wurde, auch wenn der Fokus auf der Amokfahrt von Nizza lag. Wie bereits am Abend versprochen sendet Phoenix tatsächlich seit 09:00 Uhr monothematisch über den gescheiterten Putschversuch und hat dazu unter anderem die ORF-Dokumentation "Erdogan – Machtmensch am Bosporus" ins Programm genommen. Ab dem frühen Nachmittag wird man zusätzlich auch wieder über Nizza berichten.

Das Erste hat unterdessen bereits angekündigt, am Abend wieder einen "Brennpunkt" ins Programm zu nehmen und im Anschluss an die "Tagesschau" über den Putschversuch zu berichten. Bereits am Morgen gab es außerdem ausführliche Extra-Ausgaben der "Tagesschau", auch für 14:00 Uhr und 15:40 Uhr ist bereits jeweils eine "Tagesschau Extra" vorgesehen. Auch das ZDF hat im Morgenprogramm bereits in Sondersendungen informiert und plant für 13:00 Uhr ein weiteres "heute spezial" ein. Einen guten Job machte unterdessen auch der paneuropäische Nachrichtensender euronews und berichtete am Abend bis in die Nacht hinein live und besonnen aus der Türkei.

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