Wolf Bauer, Nico Hofmann © UFA/Anastasia Korablev, CC BY-SA 3.0
TV wichtiger als Kino?

UFA-Bosse fordern bessere Förderung von Serien

 

In einem Interview mit dem "Handelsblatt" haben die UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann und Wolf Bauer eine verbesserte Förderung von qualitativ hochwertigen TV-Drama-Serien gefordert. Sie werfen der Politik zudem vor, das Kino zu überschätzen.

von Timo Niemeier
26.01.2017 - 13:49 Uhr

In diesem Jahr wird die UFA 100 Jahre alt, in einigen Monaten gibt es zudem Veränderungen an der Unternehmensspitze. Geschäftsführer Wolf Bauer zieht sich zurück und wird ab September vorrangig als Produzent arbeiten, Nico Hofmann tritt den umgekehrten Weg an und leitet dann die Geschäfte der Produktionsfirma. Nun haben Bauer und Hofmann gemeinsam dem "Handelsblatt" ein Interview gegeben und darin eine neue Art der Filmförderung gefordert. Geht es nach den Produzenten, sollen in Zukunft vor allem TV-Drama-Serien verstärkt gefördert werden.

"Aber was wir zukünftig wirklich brauchen, wäre die Schaffung global wettbewerbsfähiger Rahmenbedingungen für den Produktionsstandort Deutschland. Insbesondere die Förderung großer TV-Drama-Serien wie sie es in Großbritannien, Italien, Frankreich oder Tschechien bereits gibt", sagt Bauer. Diese soll vergleichbar mit der Filmförderung DFFF sein. Es gelte zu bedenken, dass die TV-Branche deutlich größer sei als das Kinogeschäft. Zudem wachse das Fernsehen. "Für die Bewegtbild-Branche brauchen wir eine wirksame Industriepolitik. Wir haben hierzulande genügend Toptalente und können kreativ und unternehmerisch im globalen Markt mitspielen - wir brauchen aber vernünftige Rahmenbedingungen", so Bauer weiter.

Hofmann beklagt sich, dass die Politik die Wachstumschancen überhaupt nicht sehe. Er verweist auf die nach wie vor hohe Sehdauer und die gestiegene Onlinenutzung. "Tatsächlich wird TV im Augenblick immer stärker und gewinnt an Kreativität und Kraft. Alle großen Regisseure wenden sich weltweit Fernsehproduktionen zu. Das ist eine echte Revolution, die in den USA schon vor einigen Jahren ihren Anfang nahm." Um international mithalten zu können, fehle es den deutschen Produzenten aber an Geld und politischer Unterstützung - "vor allem im qualitativ hochwertigen Bereich".

Als Beispiel nennt Hofmann die ARD-Serie "Charité", die mit einem Volumen von mehr als acht Millionen Euro komplett in Tschechien entstanden ist. "Da schaut die Berliner Politik immer noch mit verklärtem Blick ausschließlich aufs Kino, statt zu begreifen, welch ein Wirtschaftsfaktor deutsches Fernsehen in diesem Land und für die ganze Welt sein kann: ein Milliardenmarkt." Hofmann und Bauer sind sich sicher, dass "made in Germany" in Zukunft immer wichtiger wird, weil solche Produktionen die Lebenswelt der Zuschauer besser widerspiegeln. "Seit fünf Jahren kommen aus den USA keine TV-Produktionen mehr, die das breite Publikum erreichen", so Bauer.

Bereits im Dezember erklärte Wolf Bauer gegenüber DWDL.de, dass deutsche Produktionen inzwischen weltweit einen höheren Stellenwert genießen als noch vor einigen Jahren. Das sei nicht zuletzt auch "Deutschland 83" zu verdanken, so Bauer damals. Das erzeuge nun aber auch hohe Erwartungen an das, was als Nächstes kommt. Im "Handelsblatt" sagt Nico Hofmann nun, dass es im vergangenen Jahr alleine in den USA 15 Anbieter "Deutschland 83" fortsetzen wollten. Inzwischen ist klar, dass die UFA das zusammen mit Amazon und RTL macht (DWDL.de berichtete). Schon im Dezember kündigte Wolf Bauer zudem an, dass die UFA 2017 massiv in den High-End-Drama-Bereich investieren wolle.

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