Ampya © ProSiebenSat.1
Die "Zukunft des Musikfernsehens" ist vorbei

Aus: ProSiebenSat.1 zieht bei Ampya den Stecker

 

Die Plattform Ampya sollte nach eigener Definition eigentlich die "Zukunft des Musikfernsehens" sein. Bei ProSiebenSat.1 beurteilt man diese Zukunft jedoch recht düster - und stellt das Angebot bereits nächsten Dienstag ein. Die Marke aber soll bleiben.

von Timo Niemeier
22.02.2017 - 14:35 Uhr

Die Musikvideo-Plattform Ampya wird eingestellt, das hat die ProSiebenSat.1-Gruppe auf DWDL.de-Nachfrage bestätigt. Auf der Webseite werden die Nutzer bereits über das nahende Aus informiert. Dort heißt es, Ampya baue um und verabschiede sich vom bisherigen Konzept. Nur noch bis Ende des Monats soll das Angebot aufrecht erhalten bleiben, zum 1. März wird Ampya dann komplett eingestellt und die Nutzer können sich über die Plattform keine Videos mehr ansehen.

Die Marke Ampya verschwindet aber nicht komplett. Sie soll auch weiterhin für Musik und Künstler stehen, heißt es von der ProSiebenSat.1-Gruppe. Künftig erhält Ampya eigene Channels bei Youtube, damit schaffe man die Voraussetzungen für "eine weitere Skalierung des Geschäfts", so das Unternehmen gegenüber DWDL.de. Darüber hinaus soll Ampya enger an das hausinterne Multichannel-Netzwerk Studio71 angebunden werden, das betreibt schon heute reichweitenstarke Social-Media-Kanäle von Künstlern wie zum Beispiel von Tokio Hotel. Weitere sollen folgen. Noch im März soll ein neuer Auftritt auf Ampya.com online gehen.

Trotz des Aus' für das ursprüngliche Konzept soll Ampya künftig ein "breiteres, crossmedialeres Musikerlebnis" bieten. Neben der Webseite und den Youtube-Channels werden dazu auch Schwesterportale wie etwa songtexte.de gehören. Im Zuge der Neuausrichtung soll auch das musiknahe Branded Entertainment und Concept-Sales-Geschäft der Mediengruppe weiter ausgebaut werden. Ampya soll den Werbekunden ein "emotionales Markenumfeld rund um Musik" zur Verfügung stellen.

Vor diesem Hintergrund erübrige sich der weitere Betrieb der Musikvideo-Plattform Ampya, heißt es aus dem Medienkonzern. Ein Grund zur Einstellung des Portals ist aber auch die Einigung zwischen Youtube und der Gema - das gibt man bei ProSiebenSat.1 offen zu. Durch diesen sind inzwischen ja fast alle Musikvideos in Deutschland zu sehen, die in der Vergangenheit oft gesperrt waren (DWDL.de berichtete). 

Es ist übrigens nicht das erste Videoportal, das ProSiebenSat.1 begräbt. Auch der ehemalige Youtube-Konkurrent MyVideo wurde im vergangenen Jahr eingestampft. Heute ist die Plattform eine Art Online-Videothek und bietet zudem Tipps zu aktuellen Kinostarts, neuen Games und Serien sowie Filmen. Auf Ampya konnten sich die Nutzer zuletzt viele Musikvideos ansehen und Playlisten individuell zusammenstellen. Dabei sollte Ampya den Geschmack jedes einzelnen Nutzers erkennen und so noch bessere Ergebnisse liefern. Mehr als 130.000 Titel konnten via Smart TV, Smartphone, Tablet oder über die klassische Webseite abgerufen werden.

Im Mai 2015 übernahm ProSiebenSat.1 das Online-Musikfernsehen Putpat.tv und führte es kurze Zeit später mit Ampya zusammen - seitdem gibt es nur noch die Marke Ampya. Diese kündigte man damals vollmundig als "Zukunft des Musikfernsehens" an, dessen Vermarktung SevenOne Media übernahm. Nach nicht einmal zwei Jahren ist damit nun aber Schluss. Dass es Musikvideo-Plattformen nicht leicht haben, ist allerspätestens seit November des vergangenen Jahres bekannt. Damals schlitterte tape.tv in die Insolvenz (DWDL.de berichtete).

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