Tagesschau © NDR
Wieder weniger "Brisant"

Heimliche "Tagesschau"-Kürzung wird umgekehrt

 

Klammheimlich hat Das Erste es dem ZDF in den vergangenen Wochen gleich gemacht und die Nachrichten zugunsten seines Boulevardmagazins "Brisant" gekürzt. Das kam bei den Intendanten nicht gut an – und hat in der kommenden Woche auch ein Ende.

von Marcel Pohlig
14.04.2017 - 12:02 Uhr

Fünfeinhalb Jahre ist es her, dass das ZDF eine Kürzung der "heute"-Ausgaben im Tagesprogramm beschlossen hat. Damit wollte man einerseits die zusätzlich eingeschobenen Nachrichten im Vormittagsprogramm finanzieren, andererseits gab man aber auch offen zu, damit den Programmablauf optimieren zu wollen (DWDL.de berichtete). Im Gegenzug wurden die Boulevardmagazine "drehscheibe" und "hallo deutschland" nämlich um fünf Minuten verlängert und laufen bis heute mit dieser zusätzlichen Sendezeit.

An diese Mini-Programmreform fühlte man sich in diesem Jahr offensichtlich auch bei der ARD erinnert. Während es dort am Vorabend mittlerweile dank vieler Quizshows wieder rund läuft, hat Das Erste am Nachmittag schon seit längerer Zeit mit Problemen zu kämpfen. Die in die Jahre gekommenen Tierdokus taugen um 16:10 Uhr schon lange nicht mehr viel, doch auch Alternativen wollten bisher nicht zünden. Um zumindest im Anschluss wieder etwas an Fahrt zu gewinnen, wurde die "Tagesschau" um 17:00 Uhr in den vergangenen Wochen schlicht gekürzt. Das Ergebnis verlief ähnlich wie im ZDF Anfang 2012: Das Boulevardmagazin "Brisant" darf seither fünf Minuten früher antreten und startet bereits um 17:10 Uhr.

Gemerkt haben das allerdings nur treue Zuschauer und genaue Medienbeobachter: "Brisant" wurde nämlich nach wie vor für 17:15 Uhr ausgewiesen und das offensichtlich aus gutem Grunde. Beliebt waren die Pläne für den Nachmittag innerhalb der ARD einem Bericht der "Übermedien"-Kollegen zufolge nämlich nicht. Die Intendanten sollen sich mehrheitlich gegen die "Tagesschau"-Kürzung im Nachmittagsprogramm ausgesprochen haben, auch weil man 2017 gerade ja erst zum "Jahr der Information" ausgerufen habe. Da kommt eine auch in den Programmspalten sichtbare Kürzung der "Tagesschau" nicht gut.

Dennoch wurde die "Tagesschau" allen Widerstands zum Trotz am 20. März tatsächlich verkürzt und "Brisant" im Gegenzug verlängert. Schaut man auf die Quoten der vergangenen Wochen, wirkte sich die Verlängerung für das Boulevardmagazin allerdings kaum auf die Marktanteile aus. Während für aktuelle Information weniger Raum im Programm war, bewegte sich "Brisant" auf dem normalen Niveau und konnte keine Quotensteigerung am späten Nachmittag erzielen. Auch die "Tagesschau" bewegte sich kaum.

Langzeittrend: Brisant
Brisant

Mit dem Osterwochenende trägt Das Erste die kleine Änderung im Tagesprogramm wohl auch daher nun wieder zu Grabe. Wie die Pressestelle gegenüber "Übermedien" wortkarg bestätigte, sei die "vierwöchige Testphase" abgeschlossen, womit ab der kommenden Woche wieder das alte Programmschema Gültigkeit erlangt. Eine Abkehr von Experimenten ist dies aber freilich nicht. Ab Juni wird dann allerdings wieder recht klassisch experimentiert und ein altes durch ein neues Format ersetzt: Michael Antwerpes soll um 16:10 Uhr mit dem Quiz "So war's!" für bessere Werte sorgen.

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