Bei den Screenforce Days in Köln feierte Vermarkter El Cartel Media im Juni RTL II als den Reality-Sender Nr.1 in Deutschland. Der Programmfokus ist damit den Werbekunden gegenüber klar definiert. Es ist eine Strategie, die auch ein Stück weit aus der Not heraus geboren wurde. Unter Holger Andersen sowie aktuell auch Andreas Bartl hat RTL II stets lustvoll experimentiert mit Programmfarben, die über die vertrauten Kerngenres hinaus gehen. Vieles davon war nicht von Erfolg gekrönt.

Im vergangenen Jahr präsentierte RTL II seinem Publikum mit „Gottlos“ und „Neandertaler“ beispielsweise gleich zwei eigenproduzierte Mini-Serien. Beide Projekte waren auf unterschiedliche Art durchaus ambitioniert, doch die Zielgruppe des Senders sprang in beiden Fällen nicht darauf an. So wurde es - abgesehen von den Vorabend-Serien aus dem Hause Filmpool - zunächst still um die Ambitionen des Münchener Senders im Bereich der fiktionalen Eigenproduktion.



Doch inzwischen gibt es nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de wieder Bewegung - und bereits ein neues Serienprojekt. Mit der UFA produziert diesmal eines der größten deutschen Produktionshäuser. Verantwortlich ist UFA Serial Drama. Das Buch der Serie stammt aus den Federn von John-Hendrik Karsten sowie Manuel Meimberg, der zuletzt für „Familie Braun“ Preise und Anerkennung gewann. Titel des Projekts: „Call the boys“. Die Serie erzählt von einer Gruppe Callboys. Ein Trendthema, so scheint es - produziert Vox doch ebenso eine Serie in dem Milieu.

Auf Anfrage des Medienmagazins DWDL.de bestätigt der Sender, dass nach amerikanischen Vorbild zunächst erst einmal eine Pilotfolge der Serie gedreht wird. Eine finale Entscheidung über eine Staffelproduktion des Projekts sei damit noch nicht gefallen. Klar ist jedoch: Egal, ob aus dieser Produktion der UFA etwas wird oder nicht. RTL II will weiter an der Produktion eigener fiktionaler Primetime-Serien festhalten. Mit Blick auf die Erfahrungen des vergangenen Jahres stellt sich die Frage: Warum?

Die Antwort liefert eine dem Medienmagazin DWDL.de vorliegende, Sender-interne Analyse. Demnach seien die beiden fiktionalen Serienprojekte „Gottlos“ und „Neandertaler“ gescheitert, weil sie zu weit von den Themen und Interessen des jungen RTL II-Publikums entfernt waren. Der Fokus lag zu sehr auf dem angestrengten Wunsch, Prestige-Projekte zu erschaffen. Bei „Call the boys“ und weiteren Serienprojekten will der Sender nun näher an der Lebenswirklichkeit seiner Zielgruppe sein. Man könnte sagen: Weniger Ambition, mehr Pragmatismus.