Dirc Seemann © Sport1/Rupp
Sport1-Chefredakteur im Gespräch

"Nicht jeder Fußball-Talk wird sich durchsetzen"

 

Die neue Fußball-Saison beginnt und das nutzt man bei Sport1 dazu, um am "Doppelpass" zu schrauben, das Flaggschiff des Senders muss sich gegen neue Konkurrenz behaupten. Im Verlauf der Saison wird sich die Sendung deutlich ändern. Chefredakteur Dirc Seemann über die Veränderungen und die neue Talk-Konkurrenz.

von Timo Niemeier
12.08.2017 - 23:54 Uhr

In rund einer Woche startet die neue Bundesliga-Saison, doch schon an diesem Wochenende kehrt bei Sport1 der "Doppelpass" zurück. Das erste DFB-Pokalwochenende bietet sich für die Rückkehr des Fußball-Talk-Klassikers an, außerdem will man Sky und Jörg Wontorra nicht gleich zum Auftakt kampflos das Feld überlassen. Und weil es eben in dieser Saison nicht nur bei den TV-Rechten und innerhalb der Bundesliga zu einigen Änderungen kommt, wird sich auch der "Doppelpass" verändern.

Bereits auf den Screenforce Days im Sommer hatte der Sender einen kleinen Ausblick gegeben, auf das was da kommen wird. So gab Sport1 damals bekannt, dass der "Doppelpass" in einem neuen Look erscheinen wird. In das Studio im Hilton am Münchner Flughafen werden kleine Tribünen für die Zuschauer installiert. Die von vielen liebgewonnenen, roten Zuschauersessel gehören schon bald der Vergangenheit an. Und auch sonst will der "Doppelpass" künftig mehr Fußballatmosphäre verströmen.

Zum Beginn der neuen Staffel wird von den Änderungen aber zunächst noch nichts zu sehen sein. Das bestätigt Dirc Seemann, Chefredakteur und Director Content von Sport1, im Gespräch mit DWDL.de. "Wir arbeiten mit einem Tribünenansatz und das ist etwas aufwendiger, als wir anfangs gedacht haben. Deswegen werden wir die Änderungen schrittweise vollziehen", sagt er. Anfangs werden vor allem kleine technische Dinge umgestellt, von denen der Zuschauer nichts mitbekommen wird. Ab Herbst soll dann das neue Studio fertig sein. Das geschehe auch, so Seemann, um den neuen Hauptsponsor Check24 bestmöglich in die Sendung zu integrieren. Dafür wird gleich zu Beginn der neuen Saison die Sendezeit erhöht - und das um gleich 30 Minuten. Der "Doppelpass" läuft künftig also zwischen 11 und 13:30 Uhr.

Check24 löst Volkswagen nach fünf Jahren ab, der Talk hört künftig also folgerichtig auf den Namen "Check24 Doppelpass". Die vereinzelten "Doppelpass"-Ausgaben aus Wolfsburg entfallen damit. Volkswagen bleibt weiterhin als Partner mit an Bord und sponsert unter anderem die DFB-Pokal-Rubrik innerhalb der Sendung. Im Kern wird sich der "Doppelpass", bis auf die optischen Veränderungen, nicht verändern. Thomas Helmer wird weiterhin mit seinen Gästen über die aktuellsten Ereignisse aus der Bundesliga sprechen. Als Co-Moderatorin fungiert auch künftig Ruth Hofmann. "An diesem Konzept werden wir auch nichts ändern, es ist ja erfolgreich", sagt Seemann. Dennoch wird es für die Redaktion künftig wohl etwas schwieriger, Experten in die Sendung zu bekommen. Sky hat einige bekannte Sportjournalisten, die auch schon öfters beim "Doppelpass" zu sehen waren, exklusiv an sich und "Wontorra" gebunden (DWDL.de berichtete). 

Mehr Platz im Studio, Schiri-Experte für Videobeweis

Der "Doppelpass" ist längst eines der wichtigsten Formate für den Sender, zudem ist die Marke in der gesamten Branche bekannt. Regelmäßig kommt die Sendung am Sonntagvormittag auf rund eine Million Zuschauer. Durch die Zuschauertribünen finden im Studio künftig auch mehr Menschen Platz. "Wir erhöhen die Zuschauerkapazität um ein Viertel bis ein Drittel. Die Nachfragen sind wirklich enorm, der 'Doppelpass' ist immer ausverkauft", sagt Seemann. Neu im Team ist ab der kommenden Saison Schiedsrichter-Experte Bernd Heynemann. Der ehemalige Schiedsrichter wird vor allem zu Beginn der Saison im Einsatz sein, wenn es um Entscheidungen gehen wird, die durch den neuen Videobeweis getroffen werden. Hier erwartet Sport1 mehr Gesprächspotenzial.

Durch die Veränderungen rüstet sich Sport1 auch gegen die neue Konkurrenz. Jörg Wontorra feiert bekanntlich bei Sky sein Comeback und wird künftig mit seinem neuen Sport-Talk "Wontorra" ins direkte Duell mit dem "Doppelpass" gehen. Wie zuschauerfreundlich diese Entscheidung ist, sei einmal dahingestellt. Sie zeigt aber auch, wie ernst Sky den "Doppelpass" nimmt und wie gerne man dem Fußball-Talk-Flaggschiff das Wasser abgraben möchte. Dass das nicht einfach wird, versteht sich von selbst. Der "Doppelpass" ist nicht nur eine vertraute Marke auf einem gelernten Sendeplatz, Sport1 hat einen weiteren Trumpf im Ärmel: Die entsprechenden Senderechte. Sport1 darf auch künftig alle wichtigen Spielszenen im Rahmen des "Doppelpass" zeigen - darauf müssen die Zuschauer bei "Wontorra", das bekanntlich ebenfalls im Free-TV bei Sky Sport News HD läuft, verzichten. "Das macht uns auf diesem Sendeplatz einzigartig. Es ist wichtig für ein Talk-Format, dass die Zuschauer die Szenen auch sehen können, über die gesprochen wird", sagt Dirc Seemann. 

Da werden wir auch mit einem weiteren Konkurrenzprogramm zurechtkommen.

Sport1-Chefredakteur Dirc Seemann

Dennoch weiß man auch bei Sport1 ganz genau, dass mit Sky und Jörg Wontorra ein ernstzunehmender Gegenspieler aufs Feld zieht. Sky-Sport-News-Senderchef Dirk Grosse arbeitete sechs Jahre lang als "Doppelpass"-Redaktionsleiter, kennt sich beim Thema Sport-Talk bestens aus und hat gute Kontakte. "Wir beobachten wie jedes Jahr die Konkurrenz. Wobei die Konkurrenz in diesem Jahr schon sehr besonders ist, das wissen wir auch", sagt Seemann, der betont, dass man das sportlich sehe und sich nun auf die eigenen Stärken fokussieren wolle. Zuletzt habe man aber auch verstärkten Wettbewerb durch Wintersport oder die Formel 1 gehabt, sagt Seemann. "Da werden wir auch mit einem weiteren Konkurrenzprogramm zurechtkommen."

Die Konkurrenz durch Jörg Wontorra ist aber eine ganz Spezielle. Der langjährige "Doppelpass"-Moderator hatte sich vor wenigen Jahren eigentlich von den Bildschirmen verabschiedet, um in den Ruhestand zu gehen. Sein Talk-Comeback bei Sky kam einigermaßen überraschend. Bei Sport1 ist man seinem ehemaligen Aushängeschild dennoch nicht böse: "Ich habe gute private Beziehungen zu Jörg Wontorra, die dadurch auch nicht getrübt worden sind", sagt Dirc Seemann. "Bei uns hat er das exzellent gemacht und jetzt muss man sehen, ob das neue Format genauso funktioniert."

Die Zuschauer ziehen etablierte Marken und das gelernte Sehen vor. Da müssen sich die Neuen erst einmal am Markt beweisen.

Sport1-Chefredakteur Dirc Seemann

Neben dem "Doppelpass" und "Wontorra" gibt es ab dieser Saison ja noch einige andere Fußball-Talks. Nitro hat gerade mit "100% Bundesliga" ein dem "Doppelpass" sehr ähnliches Format gestartet und kann hier ebenfalls mit Bildern des Spieltags aufwarten. Hinzu kommt Eurosport mit einem Talk nach dem Freitagsspiel. Und nicht zu vergessen natürlich das "Aktuelle Sportstudio" des ZDF, das auch über weite Strecken mit Talk arbeitet. Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die einzelnen Formate schlagen und im Verlaufe der Zeit auch wandeln werden. "Ich glaube, dass sich nicht jeder Fußball-Talk durchsetzen wird. Die Zuschauer ziehen etablierte Marken und das gelernte Sehen vor. Da müssen sich die Neuen erst einmal am Markt beweisen", sagt Sport1-Chefredakteur Dirc Seemann gegenüber DWDL.de.

Durch die vielen Talks ergeben sich aber auch ganz praktische Fragen: Wird es der überschaubaren Anzahl an Trainern und Managern irgendwann zu blöd, in alle Sendungen zu gehen? Welche Formate werden sie bevorzugen? Und wird es nicht auch viel schwieriger für die Redaktionen, an gute Gäste zu kommen? "Das steht zu befürchten", sagt Seemann. "Wenn sich nun fünf große Fernsehanstalten und Rechteinhaber um attraktive Gäste bemühen, dann wird es natürlich etwas schwieriger. Es ist nicht so, dass es eine unendliche Anzahl an unterhaltsamen Verantwortlichen im Fußball gibt." Dennoch zeigt er sich optimistisch, was die eigene Sendung angeht: "Beim 'Doppelpass' können sie vor einem Millionenpublikum sprechen, das ist für viele interessant."

Man werde auch weiterhin attraktive Gäste bekommen, zeigt sich der Sport1-Chefredakteur überzeugt. Im Duell um die besten Gäste geht die erste Runde auf dem Papier jedoch an Sky: Während Thomas Helmer beim "Doppelpass" am Sonntag Fredi Bobic, Sportvorstand bei Eintracht Frankfurt, und St.-Pauli-Geschäftsleiter Andreas Rettig begrüßt, führt Jörg Wontorra ein Einzelgespräch mit Uli Hoeneß. Doch eine wöchentliche Talk-Sendung ist kein Sprint sondern ein Marathon, anhand der Gäste in den ersten Sendungen lässt sich kaum ablesen, in welche Richtung eine solche Sendung steuert. Und dass sie bei Sport1 in Sachen "Doppelpass" Marathon können, haben sie in den vergangenen 22 Jahren unter Beweis gestellt.

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