© UFA/Marcus Höhn
UFA-Chef mit Gastbeitrag in "GQ"

Hofmann kritisiert Kulturchauvinismus gegenüber USA

 

Europa fühlt sich Amerika intellektuell oft überlegen. Beim intelligenten Witz in der Late Night, der aktuellen Satire und dem bedeutsamen Talk hingegen haben die US-Amerikaner die Nase vorn. UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann sieht Nachholbedarf in Deutschland.

von Timo Niemeier
16.11.2017 - 19:00 Uhr

UFA-Chef Nico Hofmann hat in einem Gastbeitrag für die "GQ" ein Loblied auf die Debattenkultur in den USA gesungen und gleichzeitig die dortige Late-Night-Szene rund um Jimmy Kimmel geadelt. In Deutschland sieht er in diesem Bereich aber noch viel Nachholbedarf. "Eine Neuauflage der ‘Harald-Schmidt-Show mit anderen Mitteln täte uns gut. Wir brauchen eine Figur, die irgendwo zwischen Harald Schmidt und Stefan Raab liegt, mit dem Geist von Giovanni di Lorenzo", schreibt Hofmann.

Tatsächlich sucht man hierzulande einen Polit-Talk mit Entertainment-Faktor nach dem Vorbild der US-Formate vergeblich. Ganz explizit lobende Worte findet Hofmann für Louis Klamroth und dessen Talk-Format bei n-tv sowie für Jan Böhmermann. Dieser müsste aber erst einmal auf einen anderen Sendeplatz. Derzeit sende Böhmermann in der Nische und mache eben für ein Nischenpublikum Programm. Hofmann schlägt vor, Böhmermann eine Sendung direkt im Anschluss an das "heute-journal" zu geben.

Auch andere bekannte Deutsche könnten durch einen unterhaltenden Talk führen, glaubt der UFA-Chef. "Barbara Schöneberger käme dafür infrage. Sie ist gebildet, witzig und auch engagiert. Man braucht für so ein Konzept ein schon bekanntes Gesicht. Olli Dittrich könnte das ebenfalls, er hat journalistisches Gespür." Zu einer solchen Sendung gehöre aber auch immer Mut.

Diesen Mut vermisst Hofmann in Deutschland und zieht erneut das Beispiel USA heran. "Hier herrscht viel größere Angst vor Debatten. Jeder hat Angst, falsch verstanden zu werden." Das sei besonders vor dem Hintergrund interessant, dass die Deutschen oft einen gewissen Kulturchauvinismus über Amerikanern hegen, sagt Hofmann. "Sie führen sich als Dichter und Denker auf und stellen die Amerikaner als weniger intellektuell dar." In den USA würden neben den Late-Night-Talkern aber auch Medien wie die "New York Times" und der "New Yorker" immer wieder Debatten anschieben, die dann überall weitergeführt werden. Dort geschehe das auch viel angstfreier, weil sich Amerikaner gerne klar positionieren. "Man muss sich auch immer die Frage nach dem Podium stellen, auf dem eine Debatte geführt wird. Ein Kommentar im Feuilleton der ‘FAZ’ entwickelt nun mal nicht die Sprengkraft einer Brandrede Jimmy Kimmels."

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