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Carsten Schmidt © Sky/Andreas Hoffmann
Sky-Chef im "GQ"-Interview

Carsten Schmidt: "Sky für jedermann ist im Entstehen"

 

Für viele Menschen ist Sky ein Angebot, das überwiegend Sport-Fans anspricht. Chef Carsten Schmidt will das ändern, unter anderem mit Serien wie "Babylon Berlin". Gleichzeitig kritisiert er jetzt in einem "GQ"-Interview die Bundesliga-Vereine, die den Sender nach wie vor nicht in die Kabinen lassen.

von Timo Niemeier
07.12.2017 - 06:00 Uhr

Sky-Chef Carsten Schmidt hat dem Männermagazin "GQ" ein bemerkenswertes Interview gegeben und darin einen Einblick in die Unternehmensphilosophie und die künftigen Pläne gegeben. Sky will sich bekanntlich unabhängiger vom Sportgeschäft machen, Schmidt will das Pay-TV-Unternehmen breiter aufstellen. Funktionieren soll das vor allem über hochklassige Serien, in diesem Jahr hat Sky mit "Babylon Berlin" schon den vielleicht meist beachteten Serienstart in Deutschland hingelegt. Mit "Das Boot", "Acht Tage" oder "Der Pass" will man in Zukunft an diesen Erfolg anknüpfen.

"Wir müssen den Blick der Menschen in Deutschland und die Vorstellung dessen, was Sky ist, verändern, erweitern", so Schmidt gegenüber "GQ"-Chefredakteur Tom Junkersdorf im Interview. Mit werbeunterbrechungsfreien Filmen, Hollywood-Blockbustern und Sport sei man auf heute 5,1 Millionen Abonnenten gekommen - "aber die nächsten fünf Millionen oder mehr werden wir mit dieser Positionierung alleine nicht gewinnen". Deshalb müsse man Menschen, die sich bislang noch nicht mit Sky beschäftigt hätten, ansprechen. Laut Unternehmensangaben ist nur "Game of Thrones" besser als "Babylon Berlin" gelaufen - das macht Schmidt entsprechend selbstbewusst. "Ich bin bestätigt in der Vision, die wir entwickelt haben: Sky zu einer begehrten, erfolgreichen und relevanten Entertainment- und Serienmarke für alle Generationen auszubauen."

Das Standing, welches sich Sky in den vergangenen Jahren im Sport-Bereich aufgebaut hat, will sich Schmidt künftig auch im Bereich der Serien verschaffen. Im Interview mit der "GQ" sagt er: "Ich möchte Sky zu Deutschlands Nr. 1 im Serienproduktionsbereich machen." Vor allem Frauen, jüngere Zuschauer oder Menschen aus urbanen Lebensräumen würden oftmals sagen, sie hätten kein Sky, weil sie sich nicht für Fußball interessieren. Dazu sagt Schmidt: "Damit will ich ein für alle Mal aufräumen, dafür habe ich drei Jahre Zeit. Sky für jedermann ist im Entstehen."

Schon heute kommen weniger als 25 Prozent der Sky-Sendeminuten aus dem Fußball-Bereich - dennoch wird Sky noch immer vor allem als Fußball-Sender wahrgenommen. Nun will Schmidt das starke Serien- und Film-Portfolio auch in den Köpfen der Menschen verankern. Selbstverständlich wolle man gleichzeitig die Nummer eins im deutschen Klubfußball bleiben, betont der Sky-Chef. Derzeit zahlt Sky rund 876 Millionen Euro jährlich für die Übertragungsrechte der Bundesliga. Die vielen schwindelerregenden Summen, die seit einiger Zeit die Fußballwelt bestimmen, würden als solches aber nichts bedeuten, sagt Schmidt. "Die Summen muten einfach groß und ungewohnt an. Wichtig ist aber der Plan, der beschreibt, wie man das Geld im Sinne des Unternehmens einsetzt und Werte schafft." Man sei es gewohnt, auch mit "wuchtigen Investitionen" erfolgreich zu wachsen.

Endlos in die Höhe schrauben werden sich die Summen, die für die TV-Rechte inzwischen aufgerufen werden, aber wohl nicht, sagt Schmidt - zumindest nicht, wenn man an "ernsthaften Partnerschaften" interessiert sei. "Möglicherweise gibt es aber Unternehmen, die mit dem Fußball im eigentlichen Sinne nicht das Geschäft machen möchten, dann entsteht eine Sondersituation. Aber vielleicht will der Fußball ein solches Hyperwachstum auch gar nicht mehr. [...] Gerade in Deutschland sind vertrauensvolle Partnerschaften immer noch sehr gefragt. Ich erwarte, dass der deutsche Fußball hier weiter sehr verantwortungsbewusst vorgehen wird und nicht dem schnellen Geld zu jeder Kondition den Vorrang einräumt."

Trotz der Tatsache, dass ein Fußball-Fan kaum auf ein Sky-Abo verzichten kann, wenn er bewegte Bilder seiner Lieblingsmannschaft sehen will, ist Carsten Schmidt nicht rundum glücklich mit den Vereinen. Es ist und bleibe falsch und kontraproduktiv, dass man nicht in die Kabinen der Spieler dürfe. Inzwischen starten immer mehr Vereine eigene Medienangebote, um die Fans direkt anzusprechen. "Da ist für mich eine Grenze überschritten, weil uns als wirtschaftlich ins Risiko gehenden Partner diese Zeit dann eben nicht mehr zur Verfügung steht und unsere Berichterstattung dadurch mehr und mehr eingeschränkt wird, indem wir weniger Zugang haben zu der journalistischen Betrachtung, die der Zuschauer unabhängig, nicht geprägt durch eine Vereinsbrille, erwartet und für die er zahlt. Dieser Trend gefällt mir nicht und er muss korrigiert werden", so Schmidt in der "GQ".

"Dieser Trend gefällt mir nicht und er muss korrigiert werden."

Carsten Schmidt über die immer größer werdenden Medienangebote der Bundesligisten.

Derzeit kommt Sky laut Schmidt täglich netto auf rund 1.000 neue Abonnenten. Dieses Wachstum will er in den kommenden Monaten und Jahren noch beschleunigen. Der überwiegende Teil der 39 Millionen TV-Haushalte in Deutschland habe noch kein Pay-Abo - dort wolle man hineinwachsen - "und zwar sehr, sehr schnell". Dass Sky heute vergleichsweise gut dasteht und zuletzt die magische Grenze von fünf Millionen Kunden überschritt, war nicht immer selbstverständlich. Vor allem in den 00er Jahren hatte der Konzern große Probleme, sogar die Bundesliga ging verloren. Schmidt nennt die Zeit zwischen 1999 und 2008 ein "verlorenes Jahrzehnt". In dieser Zeit habe es kein nachhaltiges Wachstum gegeben. Erst mit dem Einstieg der News Corporation 2008 und der Einführung der Marke Sky ein Jahr später sei der wahre Startschuss gefallen. "Erst dann konnte man sehen, was erreichbar ist, wenn man nachhaltig auf Content, Innovation und Service setzt und auf der anderen Seite auch Kontinuität im Management, bei Eigentümern und Spielräume für langfristige Finanzierung hat."

Auch zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk wurde Schmidt von "GQ"-Chefredakteur Tom Junkersdorf befragt. Dieser sei "reformierungsbedürftig, weil Angebot und Finanzierung so nicht in die Realität und in die Zukunft passen", so der Sky-Chef. Kritik an der ARD wegen deren "Babylon Berlin"-Investment, die Serie wird dort erst Ende 2018 zu sehen sein, kann Schmidt dagegen nicht verstehen. "Ganz deutlich: Ohne die Zusammenarbeit zwischen ARD und Sky hätte ‘Babylon Berlin’ wahrscheinlich nie das Licht der Welt erblickt." Man sollte lieber stolz und dankbar sein, dass die Zusammenarbeit, übrigens die erste dieser Art, "zu einem solch tollen Ergebnis für die deutschen TV-Zuschauer geführt hat."

Das komplette Interview mit Sky-Chef Carsten Schmidt lesen Sie in der Januar-Ausgabe von "GQ" (ET: 7. Dezember).

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