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"Familien im Brennpunkt" in Chile

Filmpool exportiert Scripted Entertainment nach Amerika

 

Die Expertise für Scripted Entertainment hat der Kölner Produktionsfirma Filmpool Entertaimment über den deutschen Markt hinaus bereits Aufträge in diversen europäischen Ländern beschert. Jetzt ist der erste Deal in Amerika eingetütet. Über einen heimlichen Exportschlager.

von Thomas Lückerath
11.01.2018 - 12:23 Uhr

Sie sind das McDonalds unter den deutschen Fernsehproduzenten: Niemand will die Sendungen gesehen haben und doch stimmen die Einschaltquoten - und jeder kennt sie. Mit Produktionen wie „Berlin - Tag & Nacht“, „Köln 50667“, „Verdachtsfälle“, „Auf Streife“, „Familien im Brennpunkt“ oder „Klinik am Südring“ hat die Kölner Produktionsfirma Filmpool Entertainment - seit 2007 Teil der internationalen All3Media-Gruppe - in den vergangenen Jahren aus den zuvor erfolgreichen Gerichtsshows das Genre der Scripted Reality bzw. Scripted Entertainment entwickelt. „Wir erzählen Geschichten , wie es sonst keiner tut“, sagt das Unternehmen über sich selbst.



Anfangs waren es vornehmlich abgeschlossene Geschichten für den Nachmittag. Später folgte mit den Vorabendserien für RTL II die serielle Weiterentwicklung. Vittorio Valente, seit 2001 im Haus und seit 2012 Geschäftsführer, hat das Unternehmen zum Marktführer im Scripted Entertainment gemacht, dessen Anspruch und Ausbreitung bekanntlich immer wieder in der Kritik steht. Im Tages- oder Vorabendprogramm tun sich jedoch viele Sender weiterhin schwer, alternative Formate mit vergleichbarem Erfolg zu etablieren. Die vermeintlich von niemandem geguckten Scripted Entertainment-Formate - sie haben dann doch eine loyale Fangemeinde bei gleich mehreren Sendern.

Der anhaltende Erfolg des Genres im deutschen Fernsehen führte schon vor Jahren zum Export dieser deutschen TV-Idee in andere europäische Länder, vornehmlich Osteuropa, aber auch z.B. Frankreich und die Niederlande. Besonders „Day & Night“ ist als Format erfolgreich gereist und z.B. in Serbien, Ungarn, Bulgarien und Ukraine auf Sendung. Die hohe Schlagzahl der oft täglich ausgestrahlten Formate macht Filmpool Entertainment sogar nach Sendeminuten zu einem der Top-TV-Exporteure Deutschlands. Es ist ein wirtschaftlicher Erfolg der bei Fernsehmessen wie der MIPTV und MIPCOM oftmals unter dem Radar fliegt, weil High End Fiction als Kulturexport mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Jetzt hat Filmpool Entertainment sein Genre auf einen neuen Kontinent exportiert. Schon 2015 hatte Filmpool zusammen mit einem lokalen Partner in Chile eine Pilotepisode von „Familien im Brennpunkt“ produziert. Ende Dezember kam jetzt der Auftrag für eine erste Staffel mit gleich 60 Folgen. „Familien im Brennpunkt“ kommt ins chilenische Fernsehen. Felix Wesseler, Director of Operations bei Filmpool Entertainment, hofft damit einen Fuß in der Tür zum südamerikanischen Markt zu haben, dessen Vorliebe für Dailysoaps und Telenovelas auch guter Nährboden für die seriellen Formate des Hauses wäre.

Neben Südamerika hat Filmpool allerdings auch Nordamerika im Blick. Mit Lion TV aus New York hat man eine Firma aus dem All3Media-Kosmos gefunden, die aus dem Factual-Bereich kommt, sich aber mit ihrem Geschäftsführer Tony Tackaberry laut Wesseler für die Möglichkeiten, die die Produktionsweise Scripted Entertainment bietet, interessiert. Filmpool Entertainment habe daher mit Lion TV eine strategische Allianz geschlossen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung bzw. Adaption und Produktion von Scripted Entertainment-Formaten für den nordamerikanischen Markt.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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