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CEO Carsten Schmidt gibt Ausblick auf 2018

Die Zeiten ändern sich: Sky will mit Vielfalt punkten

 

Einige Sportfans toben: Die Formel 1 ist das jüngste Opfer neuer Prioritäten im Rechte-Einkauf von Sky. Dabei ist die Entscheidung pragmatisch und passt zum erklärten Kurs von Sky Deutschland-CEO Carsten Schmidt: In Vielfalt investieren, auch aber nicht nur im Sport. In München gab es einen Ausblick auf das Jahr 2018 bei Sky.

von Thomas Lückerath , München
26.01.2018 - 00:16 Uhr

Zielgruppen erweitern, Nutzbarkeit verbessern und Service optimieren. So lassen sich die Ziele von Sky Deutschland in diesem Jahr zusammenfassen. In München stellte CEO Carsten Schmidt am Donnerstag die Schwerpunkte vor. Verpackt in diese Präsentation waren die wenige Stunden zuvor kommunizierten Geschäftszahlen, die Sky mit einem Abonnentenwachstum auf aktuell 5,2 Millionen Kunden grundsätzlich auf gutem Weg sehen, wenn auch die Kündigungsrate schon mal niedriger war. Einen Umstand, den man im Jahr 2018 gleich adressieren will: Ein neues Kundenbindungsprogramm soll Treue belohnen. Details dazu gab es am Donnerstag noch nicht. Die Kollegen von Sky Italia können da aber bestimmt beraten. Dort gibt es ein solches Programm schon.



Auch bei der Neuauflage der Castingshow „X Factor“ will man mit den italienischen Kollegen zusammenarbeiten. Dort ist „X Factor“ schon länger im Pay-TV zu Hause. Es ist dennoch eine überraschende und sehr riskante Entscheidung, die Show auch in Deutschland im Pay-TV zu probieren. Mag sich ein „Masterchef“ noch gut im Bezahlfernsehen suchen lassen, wäre es für einen kommenden Musikstar nicht schlecht, wenn am Ende auch jemand seine Songs kaufen würde. Ob also die Notwendigkeit einer Castingshow, möglichst viele Menschen zu erreichen, mit dem Pay-TV zu vereinbaren sein wird, bleibt eine der spannenden Fragen wenn die Show im Herbst auf Sendung gehen wird. Einen Aufmerksamkeitsschub dürfte es dem Entertainment-Sender aber definitiv bringen.

Und Sky will weiter kräftig in Sky 1 investieren. Mit dem „Quatsch Comedy Club“ und „Farid“ sei man sehr glücklich und „Masterchef“ geht in eine dritte Staffel. Der Sender helfe, weiblichere und jüngere Zielgruppen anzusprechen - ein erklärtes Ziel des Pay-TV-Anbieters, der in seiner Geschichte lange vorrangig mit Sport und Hollywood verbunden wurde. Die vermeintliche Sport-Fixierung relativiert Carsten Schmidt bei der Präsentation in München erneut. Nur 25 Prozent der Sky-Nutzung entfalle inzwischen auf Sport-Inhalte. Längst ist das Angebot von Sky, auch dank des großen Interesses an Serien, runder geworden. All das soll die eine negative Botschaft des Tages schön verpacken: Sky zeigt keine Formel 1 mehr. Man habe sich auch mit dem Blick auf die Vertragsverlängerung von RTL gegen ein „Weiter so“ entscheiden. Die Formel 1 hätte bei Sky schon länger auf der Kippe gestanden.

Nach dem vom Bundeskartellamt gewollten Verlust einiger Bundesliga-Spiele, der künftig mit DAZN geteilten Ausstrahlung der Champions League sowie der ebenso an DAZN verlorenen Premier League sorgt diese Ankündigung bei manchen Sport-Abonnenten von Sky für Unmut. Dem hält Carsten Schmidt entgegen: Mit der ATP Tour sowie der Handball Bundesliga habe sich Sky im vergangenen Jahr mit anderen attraktiven Sportrechten verstärkt, die auf Jahre unzählige Live-Stunden Programm sichern und in Österreich hat man sich bekanntlich die dortige Bundesliga gesichert. Man bleibe eindeutiger Marktführer im Sportsegment, bekräftigt Schmidt. Klar ist aber auch einfach: Die Zeit, in der Premiere als einziger Anbieter im Markt alles aus einer Hand lieferte, ist aufgrund veränderter Marktgegebenheiten vorbei.

An Sky Sport News HD hält man fest; hat mit Jörg Wontorra den Vertrag für seinen sonntäglichen Talk verlängert. Schmidt räumt im Gespräch mit DWDL.de allerdings ein: Den Sender im Free-TV zu etablieren, ist anstrengender als gedacht. Man werde nicht aufgeben. Aber das freiempfangbare Angebot sei jetzt auch nicht oberste Priorität. Wichtiger ist beispielsweise ein Update von Sky Go und Sky Ticket. Das soll in den kommenden sechs Monaten erfolgen und die Benutzerfreundlichkeit verbessern. Auch der Kundenservice selbst soll ausgebaut werden. Helfen soll dabei auch ein neues Call Center in Berlin. Im zweiten Quartal des Jahres will Sky dann auch in Deutschland den neuen Receiver Sky Q einführen, der in Großbritannien schon im Einsatz ist. Und auch die auf der Insel schon eingeführte Sky Soundbox, ein hochwertiger Surround-Lautsprecher fürs Heimkino im Wohnzimmer, kommt in diesem Jahr nach Deutschland.

Doch es waren nicht die Technik-Themen, die von diesem Termin hängen bleiben. Es ist viel mehr die in diesem Jahr schon deutlich erhöhte Schlagzahl fiktionaler Angebote. Dazu gehört auch die Ankündigung verlängerter Output-Deals mit MGM und Warner Bros, aber hauptsächlich geht es um „Serien, die sich sonst keiner traut“, wie man es bei Sky gerne formuliert. Gemeint sind die Eigenproduktionen. Neben europäischen Sky-Werken wie „Britannia“ wird es auch mehr deutsche Geschichten geben. „Wir investieren so viel wie nie zuvor“, erklärt CEO Carsten Schmidt. Nach Jahren der Ankündigungen von fiktionalen Eigenproduktionen, ist Sky Deutschland im vergangenen Herbst bekanntlich mit „Babylon Berlin“ der große Aufschlag gelungen.

Die Aufmerksamkeit der Branche und Presse war da - vielleicht sogar mehr als es sich der Partner ARD heimlich wünscht - und auf die Nominierungen z.B. für Deutschen Fernsehpreis und Grimme-Preis ist man mächtig stolz bei Sky. „Babylon Berlin“ habe die Erwartungen mehr als erfüllt. Man sei bereit für eine dritte Staffel, kündigt Schmidt am Donnerstag an. Das wird sich jedoch wohl kaum vor dem Herbst entschieden, wenn die ARD erst einmal weiß, wie viele Lorbeeren sie für dieses Koproduktionsmodell mit der Free-TV-Ausstrahlung noch einfahren kann - und über ihre finale Zusage urteilt.

Drei große eigene Serienprojekte werden dieses Jahr bei Sky Deutschland starten: Schon rund um Ostern kommt „Der Grenzgänger“ in der Tradition des Scandi-Noir-Genres, eine Koproduktion. Die Hauptrolle spielt Deutsch-Norweger Tobias Santelmann ("Kon-Tiki", "Hercules", „Homeland“). Dann folgt „Acht Tage“, eine Endzeit-Dystopie über die letzten Tage vor einem Asteroiden-Einschlag in Europa. Produziert von der Neue Super, die gerade auch mit „Hindafing“ für einen Deutschen Fernsehpreis nominiert sind. Und im Herbst/Winter kommt dann „unser neues Babylon Berlin“, wie Carsten Schmidt es sagt: „Das Boot“. Die Fortsetzung sei sein Herzensprojekt: „Daraus habe ich nie einen Hehl gemacht." Mit dem Cast und den bisherigen Dreharbeiten zeigt er sich sehr zufrieden.

Für 2019 ist darüber hinaus mit „Der Pass“ eine Adaption des Serienformats „The Bridge“ in Produktion - „und die nächsten Entwicklungsprojekte laufen auch schon“. Noch nie hat man bei Sky so viel über eigene Produktionen gesprochen. Die hiesige Produktionslandschaft freut es schon mal. Wie die Kunden auf das breitere Programmangebot anspringen, werden die Abonnentenzahlen der kommenden Quartale zeigen.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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