Magine TV hat den Markt des TV-Livestreamings in den vergangenen Monaten ordentlich aufgemischt. So war das Unternehmen im Oktober 2017 der erste Anbieter, der die HD-Sender der ProSiebenSat.1-Gruppe in sein Portfolio aufgenommen hat. Inzwischen ist unter anderem Zattoo nachgezogen. Auch über die Playstation kann man via Magine TV das TV-Programm streamen. Und seit Februar strahlt Magine TV auch die Sender der Mediengruppe RTL Deutschland in HD aus - als bislang einziger Anbieter. Nun wagt das Unternehmen den nächsten Schritt und koppelt sich ein Stück weit von der Konzernmutter in Schweden ab.


Ambuj Goyal, CEO der Magine Holding AB, will das Deutschlandgeschäft auf eigenständige Füße stellen, dazu entsteht ein neues Unternehmen, das sich derzeit in Gründung befindet. Das Ziel: ein unabhängiges Unternehmen für den deutschen Markt. Magine TV selbst spricht von einem Start-Up. Dieses Unternehmen soll auch Investoren zugänglich sein. Die schwedische Magine Holding AB behält vorerst die Mehrheit, ist aber offen für die Verteilung der Anteile, um das Wachstum von Magine TV zu befeuern. Wer bei Magine TV Deutschland einsteigt, soll in den kommenden Monaten bekanntgegeben werden.

"Durch die Neuaufstellung wird Magine TV Deutschland in allen Bereichen viel flexibler", sagt Ambuj Goyal im Gespräch mit DWDL.de. Den Prozess der Unternehmensgründung habe man Anfang des Jahres angeschoben - und schon jetzt sehe man erste Ergebnisse, sagt Goyal. "Wir sehen bereits die ersten Vorteile, im ersten Quartal dieses Jahres ist unser Umsatz um 40 Prozent gewachsen." Wie hoch Umsatz und Gewinn konkret sind oder wie viele (zahlende) Abonnenten Magine TV derzeit hat, kann Goyal nicht sagen, er verweist auf den Geschäftsbericht, der im kommenden Juli erscheint.

Auch personell kommt es zu einigen Veränderungen. Christoph Urban, bislang Country Manager von Magine TV Deutschland, ist Ende März aus dem Unternehmen ausgeschieden und will sich neuen beruflichen Herausforderungen stellen. Derzeit wird nach einem neuen Führungsteam gesucht, dass Magine TV Deutschland in Zukunft eigenständig leiten soll. Geplant ist ein komplettes Führungsboard.

Wachsen will man in Zukunft durch neue Partner - nicht nur aus dem TV-Bereich. "Als unabhängiger Anbieter für Web-TV-Streaming wird es Magine TV in Deutschland noch mal einfacher, strategische Kooperationen mit lokalen Partnern und Investoren einzugehen, gerade aus neuen Content Bereichen, aber auch weiterhin mit TV-Sendern und Partnern aus der Entertainmentbranche." Verfügbar machen sollen die Partner ihre Programme wenn möglich überwiegend in HD. "Mit den HD-Sendern können wir wesentlich schneller wachsen. Unsere Nutzer in Deutschland zahlen für HD-Inhalte eher als für SD-Content", sagt Goyal. Darüber hinaus ist es die Vision des CEO, künftig noch stärker zu kuratieren. Magine TV würde am liebsten auch VoD-Inhalte der Sender zeigen, man stehe hier allen Partnern offen, betont Goyal. "Wir wollen gemeinsam mit unseren Distributionspartnern etwas großes erschaffen, ohne die Telekommunikationsunternehmen oder Kabelnetzbetreiber", sagt der CEO.

"Wir wollen gemeinsam mit unseren Distributionspartnern etwas großes erschaffen, ohne die Telekommunikationsunternehmen oder Kabelnetzbetreiber."

Ambuj Goyal, CEO der Magine Holding AB

Man habe in den vergangenen Jahren eine gute Basis in Deutschland geschaffen, sagt Goyal. Nun müsse sich das Unternehmen hierzulande eigenständig entwickeln, der Markt sei nicht zu vergleichen mit dem eigentlichen Heimatmarkt von Magine TV in Schweden, von dem sich das Unternehmen im vergangenen Jahr zurückgezogen hatte, weil man dort keine Distributions-Vereinbarungen mit den Sendern TV4 und MTG schließen konnte. Die Magine Holding AB agiert aber nach wie vor aus Stockholm.

Ambuj Goyal ist überzeugt davon, dass Magine TV unter einer neuen Führung in Deutschland noch stärker wachsen kann. Die 40 Prozent Wachstum im ersten Quartal 2018 sollen nicht das Ende der Fahnenstange sein. Er verweist auf die zahlreichen Distributionspartner, die ein eigenständigeres Magine TV Deutschland begrüßen. "Ich glaube wir haben jetzt die richtige Formel, um im deutschen Markt noch erfolgreicher zu sein als bislang", sagt der CEO.