Charlotte Roche © ZDF/Wolfgang Lehmann
Freigestellter WDR-Fernsehfilm-Chef bestreitet alles

Charlotte Roche wirft Gebhard Henke sexuelle Belästigung vor

 

Bislang jetzt war unklar, welches konkrete Fehlverhalten dem freigestellten WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke vorgeworfen wird. Nun berichtet der "Spiegel" von sechs Frauen, die ihm Belästigung vorwerfen, darunter auch Charlotte Roche. Henkes Anwalt weist auch die neuen Anschuldigungen zurück.

von Timo Niemeier
04.05.2018 - 13:47 Uhr

Die Vorwürfe gegen den seit Sonntag freigestellten WDR-Fernsehfilmchef Gebhard Henke konkretisieren sich. Der "Spiegel" berichtet in einer Vorabmeldung von sechs Frauen, die Henke sexuelle Belästigung vorwerfen. Unter ihnen ist demnach auch die Moderatorin und Schauspielerin Charlotte Roche. Sie berichtet von einem Treffen mit Henke im Jahr 2013: "Er gab mir die rechte Hand und legte mir die linke gleichzeitig fest mitten auf den Po", sagt sie gegenüber dem Nachrichtenmagazin. Sie habe versucht, sich wegzubewegen, doch er habe sich mitbewegt. "Das war schlimm und dauerte gefühlt ewig."

Roche sagt außerdem gegenüber dem "Spiegel", dass sie sich bis heute Vorwürfe mache, damals nichts gesagt zu haben. Bei dem Treffen sei es aber um die Verfilmung eines ihrer Bücher gegangen, deshalb habe sie an dem Abend unter Druck gestanden. Das bezeichnet sie inzwischen als falsch und deshalb spreche sie jetzt. "Vielleicht hilft das ja, dass andere sich auch trauen, etwas zu sagen", so Roche. Gebhard Henke hat bislang alle Anschuldigungen bestritten, über die genauen Vorwürfe, die zu seiner Freistellung geführt haben, wurde er nach eigenen Angaben nicht informiert.

Henkes Anwalt Peter Raue weist in einer Stellungnahme, die DWDL.de vorliegt, die Beschuldigungen von Charlotte Roche zurück. "Unser Mandant hat Frau Roche nur einmal in seinem Leben getroffen. Er kann ausschließen, ihr bei dieser Gelegenheit eine Hand auf den Po gelegt zu haben." Darüber hinaus sagt der Anwalt, dass Roche gar nicht unter Druck gestanden haben könnte, weil die Verfilmung ihres Buches damals längst festgestanden habe. "Der Vorwurf von Frau Roche ist deshalb - wie alle anderen Vorwürfe auch - falsch und an den Haaren herbeigezogen". Darüber hinaus wirft der Anwalt dem "Spiegel" vor, Henke keine Gelegenheit gegeben zu haben, um sich zu äußern. Man habe erst durch eine Anfrage der "Süddeutschen Zeitung" von dem Bericht erfahren. Der "Spiegel"-Bericht sei daher "grob rechtswidrig", Henke will sich rechtlich dagegen wehren.

Neben Roche gibt es noch fünf weitere Frauen, über die der "Spiegel" in seiner neuesten Ausgabe berichtet. Sie beschreiben, wie der WDR-Fernsehfilmchef sie "betatscht und begrapscht" haben soll, so schreibt es der "Spiegel". Die Frauen berichten von Berührungen an Bauch und Po, außerdem soll Henke angedeutet haben, sie zu fördern, wenn er dafür körperliche Zuwendungen erhalte. Die Vorwürfe, über die das Nachrichtenmagazin berichtet, reichen von 1990 bis 2015.

Erst am Donnerstag hatten sich 15 Frauen aus der Medienbranche in einem offenen Brief für Henke stark gemacht. Die Frauen schrieben darin, dass sie in der Vergangenheit persönlich mit Henke zusammengearbeitet hätten. "Durchaus nicht ohne Konflikte und Machtkämpfe. Auch nicht frei von unterschiedlichen Auffassungen über Männer- und Frauenbilder. Immer jedoch frei von Übergriffen jedweder Art und Schwere." Gleichzeitig wiesen sie daraufhin, dass es anderen Frauen anders ergangen sein könnte (DWDL.de berichtete).

WDR-Fernsehdirektor Jörg Schönenborn zeigt sich gegenüber dem "Spiegel" "überrascht" von den Anschuldigungen gegen Henke. Er habe "sehr eng und vertrauensvoll" mit ihm zusammengearbeitet. Gegenüber dem Nachrichtenmagazin will er nicht ausschließen, dass Henke doch noch entlastet wird, die Schilderungen der Frauen hält er aber für "gravierend und glaubwürdig". Neben Henke war vor einigen Wochen schon ein WDR-Korrespondent vom Sender freigestellt worden, auch er soll Kolleginnen sexuell belästigt haben.

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