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Netflix  Ted Sarandos © Netflix
Netflix-Programmchef

Ted Sarandos: "Deutschland ist ein verschlossener Markt"

 

Netflix-Pro­gramm­chef Ted Sarandos hat sich in einem Interview mit der "FAZ" ausführlich über den deutschen Markt geäußert. Er sagt, es wundere ihn, dass so wenige deutsche Shows international bekannt seien. Erst "Babylon Berlin" habe das geändert.

von Timo Niemeier
14.05.2018 - 21:42 Uhr

Ted Sarandos ist Programmchef von Netflix und damit einer der wichtigsten Köpfe neben CEO Reed Hastings. Auf sein Konto gehen zahlreiche Hit-Serien der vergangenen Jahre, über die heute auf Schulhöfen und in Büros gesprochen wird. Hierzulande hat man im vergangenen Jahr mit "Dark" auch eine erste deutsche Serie gestartet, eine zweite Staffel ist längst in Arbeit. Mit "Dogs of Berlin" und "Die Welle" sind weitere Serien aus Deutschland in der Mache. Nun hat sich Sarandos in einem "FAZ"-Interview über den deutschen Markt geäußert.

"Es ist im­mer noch ein ziem­lich ver­schlos­se­ner Markt. ARD und ZDF sind so­zu­sa­gen von der Öf­fent­lich­keit be­auf­tragt und ha­ben ei­ne lan­ge ge­mein­sa­me Ge­schich­te mit vie­len Fern­seh­ma­chern. Das macht es schwie­rig, sich den Markt zu tei­len, aber so rich­tig kommt man an ih­nen eben auch nicht vor­bei", so Sarandos. Wer die Inhalte von Netflix nicht möge, müsse nicht bezahlen. "Nur wer­den Sie ‘Dark’, ‘Stran­ger Things’, ‘13 Re­a­sons Why’ und ‘Ozark’ eben nicht im ZDF zu se­hen be­kom­men."

Sarandos sagt, Deutschland pumpe jedes Jahr so viel Geld in das Fernsehen - und trotzdem kenne man bislang "kaum eine deutsche Fernsehshow in der Welt". Der Netflix-Programmchef spielt damit auf die jährlich rund acht Milliarden Dollar an, die ARD und ZDF erhalten. "Acht Mil­li­ar­den Eu­ro im Jahr für das öf­fent­li­che Fern­se­hen und al­les, was vor ‘Ba­by­lon Ber­lin’ in­ter­na­tio­nal be­kannt ge­wor­den ist, ist ir­gend so ei­ne Po­li­zei­se­rie von was weiß ich wann."

Netflix wolle den Horizont der Zuschauer erweitern - das gelte auch, obwohl man mit "Dogs of Berlin" nun eine eigene Polizisten-Serie mache. Auf die Frage des "FAZ"-Journalisten Axel Weidemann, warum die Serie gerade in Berlin spielen müsse und dass die Stadt eigentlich "durch" sei, antwortet Sarandos: "Ich weiß." Das sei Netflix auch schon in Frankreich passiert. "Dort ha­ben wir ei­ne Se­rie aus Mar­seil­le ge­macht. Stellt sich raus, dass nie­mand in Pa­ris Mar­seil­le mag. Nun guckt kei­ner aus Pa­ris die­se Se­rie, da­bei sit­zen dort un­se­re meis­ten Kun­den." Das hört sich nach weniger guten Nachrichten für "Dogs of Berlin" und die Produktionsfirma Syrreal Entertainment an.

Sarandos äußert sich in der "FAZ" auch zum oft gehörten Vorwurf, durch Netflix würde das Kino sterben. Er ist da natürlich ganz anderer Meinung und sagt: "Wir zer­stö­ren das Ki­no nicht. Die Leu­te ge­hen nicht mehr hin. Die Ki­no­ti­cket­ver­käu­fe wa­ren in Ame­ri­ka jahr­zehn­te­lang sta­bil. Und wenn sie stei­gen, dann nur, weil sich der Preis der Kar­ten ein we­nig er­höht. Aber der Exo­dus hat lan­ge vor Net­flix be­gon­nen." Der Rückgang der Kinozahlen habe mit einem Generationswechsel zu tun, so der Netflix-Manager. "Bei den­je­ni­gen, die mit Net­flix groß wer­den, sinkt ein­fach die Wahr­schein­lich­keit, dass sie ins Ki­no ge­hen. Zu­dem wer­den sie we­ni­ger pri­va­tes Fern­se­hen kon­su­mie­ren. Wo­zu sol­len sie sich noch Wer­bung an­se­hen?"

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