Georg Kofler © Johannes Brunnbauer
"Frustriert von politischen Eingriffen"

Warum Georg Kofler ein öffentlich-rechtliches Trauma hat

 

Unter dem charmanten Titel "Old boys, but young boys" haben Georg Kofler und Gerhard Zeiler auf den Österreichischen Medientagen über den Beginn ihrer Karrieren und ihre Werdegänge gesprochen. Wer pointierte Aussagen erwartete, wurde hier garantiert nicht enttäuscht.

von Timo Niemeier , Wien
26.09.2018 - 16:33 Uhr

Schon vor 25 Jahren saßen Georg Kofler und Gerhard Zeiler auf einem Podium der Österreichischen Medientage. Letzterer wäre vor einiger Zeit fast mal Kanzlerkandidat der SPÖ geworden, hat sonst beruflich aber recht wenig mit Österreich zu tun. In Wien trafen sich beide Männer nun bei den Österreichischen Medientagen wieder. Unter dem Titel "Old boys, but young boys" diskutierten die beiden Medienmacher über frühere und aktuelle Projekte - und ließen dabei auch die ein oder andere Anekdote nicht aus. 

So verriet Georg Kofler von seinem öffentlich-rechtlichen "Trauma". Als er als 29-Jähriger unter Gerd Bacher im ORF arbeitete, habe er einen tollen Vertrag gehabt, der ihn bis ans Lebensende abgesichert hätte ("Mit Begräbnis-Zuschuss!"). Dennoch habe er dem Unternehmen damals den Rücken gekehrt. Der Grund: Bacher habe einen neuen Info-Direktor gesucht und einen Wunsch des damaligen Kanzlers abgelehnt. Kurz darauf war der ORF-Chef Geschichte. "Ich war frustriert von den politischen Eingriffen. Es wird ja ständig die Unabhängigkeit von der Politik propagiert, tatsächlich ist der parteipolitische Zugriff auf den ORF sehr unappetitlich", so Kofler, der daraufhin nach Deutschland ging und Büroleiter von Leo Kirch wurde.

Verantwortlich für Koflers Gang nach Deutschland war auch - Gerhard Zeiler. Der hatte bei der Abwahl es damaligen ORF-Chefs Bacher die entsprechenden Mehrheiten besorgt. Als Bacher schließlich zurück zum ORF kam, ging auch Zeiler nach Deutschland. "Da haben Georg und ich uns auf den Podien blendend verstanden. Es ging immer gegen die Öffentlich-Rechtlichen, das war immer relativ einfach. So ist eine Freundschaft entstanden."

Heute haben Kofler und Zeiler Österreich zumindest aus beruflicher Sicht verlassen. Zeiler verantwortet als Präsident von Turner Broadcasting System International alle Turner-Geschäfte außerhalb der USA und Kanada. Kofler dagegen ist inzwischen Hauptaktionär der Social Chain Group und beschäftigt sich mit Social Media. Über gewisse Dinge in Österreich können die beiden Manager aber nach wie vor nur mit dem Kopf schütteln. So kündigte die Bundesregierung Anfang der Woche an, das Fernsehexklusivrechte-Gesetz überprüfen zu wollen und die Liste an Sendungen und Events, die im Free-TV laufen müssen, möglicherweise zu erweitern. Stein des Anstoßes war eine entsprechende Forderung von ORF-Chef Alexander Wrabetz, der forderte, die Bundesliga, die live nur noch bei Sky zu sehen ist, zurück ins Free-TV zu holen.

"Die Fußball-Diskussion in Österreich ist lächerlich", so Zeiler. So wappne man sich nicht gegen die neuen Konkurrenten. Die seit Jahren etablierten Anbieter müssten sich auf das konzentrieren, was sie können und nicht nach der Politik rufen. Alle Anbieter könnten überleben, wenn sie sich auf die Nutzer einstellen würden und starke Marken schaffen. Unterstützung bekam Zeiler da auch von n-tv-Chef Demmel, der bereits bei einem Panel zuvor in Sachen Bundesliga vor einem "massiven Eingriff in die freie Marktwirtschaft" warnte.

Auch die deutschen Öffentlich-Rechtlichen wurden von den beiden Medienmanagern nicht verschont. "In Deutschland übertreiben sie es", sagte Georg Kofler und meinte damit ganz konkret das ZDF bzw. ZDFneo. "Die zeigen nur Sachen aus dem Archiv, da ist nichts dabei, wofür man Gebühren zahlen müsste". Dabei ist es ja gerade ZDFneo, das sich zuletzt auch an bemerkenswert vielen Produktionen beteiligt hatte, demnächst zeigt man unter anderem die neue "Parfum"-Serie. Auch ORF eins, seit Jahren in der Kritik, wurde von Kofler nicht geschont. "Das ist kein öffentlich-rechtliches Programm. Das kann man zwar so machen, dann hat man aber keine Berechtigung, Zwangsgebühren dafür einzutreiben."

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