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"Quote wollen sie dann nämlich schon immer gern"

Vom WDR geschasste Doku-Autorin wehrt sich

 

Die vom WDR geschasste Doku-Autorin hat sich gegenüber der "SZ" öffentlich zu Wort gemeldet. Die Ungereimtheiten in drei ihrer Filme bezeichnet sie als "Summe unglücklicher Umstände" - und sie gibt auch dem Sender und der Redaktion eine Mitschuld.

von Timo Niemeier
20.01.2019 - 10:59 Uhr

In dieser Woche hat der WDR Ungereimtheiten und Fehler bei drei Filmen seiner Doku-Reihe "Menschen hautnah" eingeräumt. Inzwischen hat der Sender bekanntgegeben, die zuständige Autorin künftig nicht mehr zu beauftragen (DWDL.de berichtete). Das Vertrauensverhältnis zu ihr sei zerstört, erklärte Chefredakteurin Ellen Ehni. Nun hat sich die geschasste Autorin gegenüber der "SZ" zu Wort gemeldet und ihre Sicht der Dinge erläutert.

"Das Ganze ist eine Summe unglücklicher Umstände", sagt die Filmemacherin gegenüber der Zeitung. Die vielen kleineren Fehler, also falsche Jahreszahlen und Altersangaben, seien das Ergebnis ihrer eigenen Unachtsamkeit. Darüber hinaus war der WDR aber vor allem nicht glücklich darüber, dass Protagonisten über eine Komparsen-Webseite gesucht (und gefunden) wurden und nicht deutlich wurde, dass einige von ihnen schon früher in den Dokus zu sehen waren. Hinzu kam die Tatsache, dass teilweise mit Pseudonyme gearbeitet wurde, auch das war für die Zuschauer nicht deutlich zu erkennen.

"Das ist üblich. Viele TV-Sender und Produktionsfirmen suchen ihre Protagonisten bei komparse.de", sagt die Autorin im Gespräch mit der "SZ". Auf der Plattform gebe es nicht nur Schauspieler, dort werde auch offiziell nach Darstellern mit echten Geschichten für Reportagen gesucht. Die Autorin sagt, sie habe nicht gewusst, dass ihre Praxis bei der Anwerbung von Komparsen beim WDR nicht gestattet sei. Dennoch besteht sie darauf, dass alle drei vom WDR beanstandeten Filme authentisch seien. Dass nicht deutlich wurde, dass die drei Dokus aufeinander aufbauen, sei eben unglücklich gelaufen. Das sei aber auch ein Fehler der Redaktion. Und auch den Sender kritisiert die Autorin. "Quote wollen sie dann nämlich schon immer gern", sagt sie und ergänzt: Alle drei Filme hätten das erreicht.

Update (13:40 Uhr): Der WDR legt Wert auf die Feststellung, dasss man die Autorin allen voran deshalb nicht mehr beauftragen werde, weil sie den Charakter der Beziehung eines Protagonistenpaares in "unzulässiger Weise" zugespitz dargestellt habe. Die Gefühlslage sei "verzerrt dargestellt" worden - das hatte man am Freitag in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. In Bezug auf die Komparsen-Webseite heißt es vom WDR: "Uns ist bekannt, dass über entsprechende Portale nicht nur Darsteller, Komparsen und Schauspieler, sondern auch Protagonisten mit authentischen Geschichten vermittelt werden." Im konkreten Fall sei die Redaktion darüber aber nicht informiert worden. Chefredakteurin Ellen Ehni erklärte bereits vor einigen Tagen, dass eine solche Vorgehensweise in Dokus grundsätzlich nicht zulässig sei. "Selbstverständlich setzten wir in Dokumentationen keine Darsteller ein – mit Ausnahme von sog. Reenactement-Szenen – die aber auch als solche gekennzeichnet sind", so eine WDR-Sprecherin. 

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