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"Lästiger Gesellschafter"

Österreich: Streit zwischen Funke und "Krone" eskaliert

 

Offener Schlagabtausch in Österreich: Die Funke Mediengruppe will "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand loswerden. Die Zeitung wiederum hat mit dem "lästigen Gesellschafter" gebrochen und will ihn aus dem Unternehmen drängen. Und im Hintergrund spielt auch der Karstadt-Eigentümer mit.

von Timo Niemeier
22.03.2019 - 11:19 Uhr

Schon seit vielen Jahren ist die Funke Mediengruppe an der österreichischen "Kronen Zeitung" sowie am "Kurier" beteiligt. Die "Krone" ist Österreichs größte Zeitung und entsprechend wichtig, wenn es um Meinungsbildung und Werbegelder geht. Doch Funke streitet seit Jahren mit der Familie Dichand, die die Mehrheit an der "Krone" hält, um Rechte und Pflichten. So dürfen die Dichands nicht nur die verlegerische Linie bestimmen, sie erhalten auch eine jährlich garantierte Ausschüttung. Kolportiert sind hier bis zu zehn Millionen Euro. Derzeit streitet man vor Schiedsgerichten um diese Sonderrechte. Nun scheint der Streit zwischen den beiden Medienhäuser aber endgültig zu eskalieren.

Wie die Gratis-Tageszeitung "Österreich" am Freitag berichtet, will Funke "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand loswerden. Dafür wolle der Verlag vor einem Wiener Arbeitsgericht eine Klage auf Entlassung einbringen. Auch DWDL.de liegen entsprechende Informationen vor. Grund sind demnach falsche Spesenabrechnungen bzw. die Nutzung von Spesen für private Zwecke. Derzeit würden Wirtschaftsprüfer von Deloitte die Chefetage der "Krone" durchsuchen, schreibt "Österreich".

Von Funke gibt es keine Stellungnahme zu dem Bericht. Sehr wohl aber von den Dichands - und die gehen nun auch in die Offensive. Gegenüber dem "Standard" kündigt Dichand-Anwältin Huberta Gheneff an, die Funke als Gesellschafter loswerden zu wollen. Sie sagt: "Wir werden eine Ausschlussklage einbringen und werden die Funkes als lästigen Gesellschafter aus der Gesellschaft ausschließen lassen wegen zahlreicher Treuwidrigkeiten allein in ihrem eigenen Interesse und auf Kosten der Gesellschaft." Allerdings hat der "lästige Gesellschafter" Funke zuletzt auch immer noch die vielen (garantierten) Millionen Euro nach Wien überwiesen.

Zu den Vorwürfen der falschen Spesen erklärt Gheneff, diese seien "absurd" und "kreditschädigend". Sie würden gerichtliche Folgen haben. Die beanstandeten Rechnungen seien "mehrfach geprüft und als betriebsnotwendig im Zusammenhang mit der Tätigkeit des Chefredakteurs anerkannt" worden. Die "Krone"-Anwältin merkt außerdem an: Für den Finanzbereich bei der Zeitung sei der von Funke entsandte Geschäftsführer verantwortlich.

Im Hintergrund spielt in diesem Streit auch noch der Karstadt-Eigentümer René Benko eine Rolle. Der war Ende 2018 bei der WAZ Ausland Holding GmbH eingestiegen, über die Funke ihre "Krone"-Anteile hält. Zuletzt gab es auch Gerüchte, Benko wolle das komplette Unternehmen übernehmen - und damit auch alle Funke-Anteile an der "Krone". Laut "Österreich" sei Benko "not amused" über Funkes Vorsprechen in Sachen Dichand - andere wiederum vermuten den Immobilien-Tycoon hinter diesem Schritt. Tatsächlich wäre es verwunderlich, würden sich Funke und Benko, die seit wenigen Monaten zusammenarbeiten, in ihrem Vorgehen nicht absprechen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Artikel, der am Freitag in der Gratis-Zeitung "Heute" erschienen ist. Darin wird von einem "Raubritter-Angriff auf die ‘Kronen-Zeitung’" berichtet. Der Artikel unterstellt René Benko direkt, an den jüngsten Entwicklungen verantwortlich zu sein. Der Artikel in "Österreich" sei "offenkundig von Benko lanciert" worden. Der Immobilien-Manager wolle die Zeitung "sturmreif" schießen und Christoph Dichand "aus dem Amt mobben". Die Spesen-Vorwürfe seien lediglich "Peanuts". Herausgeberin und Geschäftsführerin von "Heute" ist übrigens Eva Dichand, Ehefrau von "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand.

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