Apple TV+ © Apple
Ein Besuch in Cupertino

Nachher mehr Fragen als zuvor: Das Mysterium Apple TV+

 

Der Einstieg ins Entertainment wird für Apple noch eine große Herausforderung, wie die Keynote am Montag demonstrierte. DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath über einen Besuch beim wertvollsten Konzern der Welt, der sich wandeln will - und lernen muss. Vorerst gilt: Nichts Neues im Westen.

von Thomas Lückerath , Cupertino
26.03.2019 - 09:00 Uhr

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„Good morning, are you excited?“ Schon auf dem Weg zum Frühstück im Fairmont San Jose, wo Apple alle angereisten Journalisten untergebracht hat, strahlen dich um 6.30 Uhr ein Dutzend junge Menschen mit Apple-T-Shirt und Hoodies vielversprechend an. Etwas zu viel Euphorie am frühen Morgen für mich, nach einer dank Jetlag zu kurzen Nacht. Apple hatte eingeladen zur „It’s showtime“-Präsentation, die Antworten auf Fragen zu den TV-Ambitionen des Konzerns versprach. Vom Beginn einer neuen Ära schrieben amerikanische Medien im Vorfeld: Der Hardware- und Software-Hersteller Apple wandele sich zum Service-Anbieter. Wenige Stunden später wissen wir: Viele Erwartungen waren zu hoch, viele Fragen zu früh gestellt. Dazu später mehr.



Dass diese Apple-Keynote anders werden würde, war schon vor Tagen klar: Erwartete Hardware-Updates kündigte der Konzern bereits vergangene Woche an. Damit war der Fokus für diesen Montag deutlich. Am Vorabend der Präsentation konstatierten dann auch die Veteranen unter den angereisten Journalisten beim ersten Get Together, dass die Zusammensetzung der internationalen Pressevertreter diesmal anders ausfalle - und zwar auffallend anders: Noch nie seien so viele Journalistinnen dabei gewesen. Geht es um Entertainment statt Technik, macht sich das augenscheinlich auch in dieser Form bemerkbar.

Thomas Lückerath
Medienjournalist auf Reisen: DWDL.de-Chefredakteur Thomas Lückerath

Dass die geschätzte Kollegin Hanna Huge von Serienjunkies.de und DWDL.de eingeladen wurden, legte ebenso nahe: Bei „It’s show time“ wird es Details zu den TV-Ambitionen geben. Mit eben dieser Erwartung im Gepäck ging es in Bussen vom Hotel zum Apple-Hauptsitz in Cupertino. Bei der Ankunft im Apple Park habe ich zuerst einmal mein Ziel verworfen, mir einen Spaß aus dem Zählen der Hosts und Hostessen zu machen, die fragen, ob wir auch schon so aufgeregt seien wie sie: Es waren schlicht zu viele. Der Aufwand ist ohne jeden Zweifel beeindruckend: Bei Apple kümmern sich mehr Mitarbeiter um den Ablauf einer Präsentation als andere Medienkonzerne insgesamt beschäftigen. Ganze Straßenzüge rund um den Firmensitz werden abgesperrt.

Einmal auf dem Gelände von Apple Park angekommen, steigert sich die Atmosphäre in jene religiösen Sphären, die man den Apple-Events nachsagt. Aus Lautsprechern am Rand des wenige hundert Meter langen Fußwegs den künstlich angelegten Hügel hinauf zum Steve Jobs Theater klingen sphärische Klänge. Auf die Sekunde genau 30 Minuten vor dem geplanten Beginn der „It’s show time“-Keynote war dann Einlass ins unterirdische Theater. Statt die Treppen für die Journalisten-Meute freizugeben, schreiten auf den zwei geschwungenen Treppen Apple-Mitarbeiter im Gleichschritt die Marmor-Treppen hinunter, zügeln damit die nervös nach den besten Plätzen drängenden Journalisten hinter sich. Es hatte schon etwas von einer Prozession, die monumentale Architektur etwas sakrales.

Steve Jobs Theater
Das Steve Jobs Theater: Im Gleichschritt in die Kathedrale im Namen des Herrn

Einmal Platz genommen im Steve Jobs Theater, fielen vor Beginn der Präsentation die zahlreichen Schauspielerinnen und Schauspieler im Publikum auf. Ewan McGregor, Chris Evans, Aaron Paul waren nur einige der bekannten Namen, die sich ihre Plätze suchten. Und genau hier begann es kurios zu werden, denn zwei Stunden später, nach der Präsentation, standen die drei genannten Herren wie so manch andere prominente Kollegin bzw. prominenter Kollege unverrichteter Dinge auf und verließen das Theater - ohne eingebunden gewesen zu sein. Wer die Keynote im Livestream verfolgte, wird gar nicht mitbekommen haben, wie viele weitere Serienstars angekündigter Apple-Serien im Publikum saßen. Ihre Anwesenheit? Wie sich am Ende rausstellt: Irgendwie verschenkt.

Bekanntlich (DWDL.de berichtete) ging es nach der Begrüßung durch Tim Cook zunächst um die Magazin- und Zeitungsflatrate AppleNews+, die geplante Gaming-Flatrate Apple Arcade und Apple Card, einer eigenen Kreditkarte von Apple in Zusammenarbeit mit GoldmanSachs und Mastercard. Erst dann ging es um die TV-App von Apple, die ab Mai zunächst einmal um Apple TV Channels erweitert wird. Hier wandelt Apple auf Amazons Pfaden. In den USA wird, wie zuvor schon vermutet, u.a. Showtime dabei sein. Welche zubuchbaren Apple TV Channels es in Deutschland geben wird, konnte Apple auf Nachfrage nach der Präsentation noch nicht beantworten.

Apple TV+
"Fernsehen ist Kultur. Und wir lieben Fernsehen", erklärt Apple-CEO Tim Cook.

In der Erwartung von Details zu all den in Produktion befindlichen neuen Serien und dem neuen Streaming-Angebot an sich, ging die eigentlich spektakulärste Nachricht dieses Vormittages beinahe unter: Fast beiläufig auf einem kurz eingeblendeten Slide, kündigt Apple an: Die überarbeitete TV-App, die Nutzern von iPad, iPad und bald auch Macs alle Fernsehangebote inklusive dem kommenden Apple TV+ bündeln soll, wird bald auch auf den Fire TV-Geräten von Amazon verfügbar sein. Im Januar bei der CES in Las Vegas kündigte man diese Öffnung des eigenen Eco-Systems schon für neue Smart-TV-Geräte von Samsung und LG an. Aber das Announcement der Verbreitung via Amazon - sie erhöht die theoretische Reichweite der TV-App von Apple deutlich rasanter und massiver.

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