© ORF/Hans Leitner
"Vom Neonazi zum Sportminister"

Warum der ORF Satiriker mal piepst und mal nicht

 

Die Satiriker der ORF-Sendung "Willkommen Österreich" haben sich am Dienstag ebenfalls mit dem Video beschäftigt, über das derzeit das ganze Land spricht. Dabei fiel auch ein Satz, der zuletzt "rechtlich problematisch" war und deshalb weggepiepst wurde.

von Timo Niemeier
22.05.2019 - 16:32 Uhr

Mitte April hat die ORF-Sendung "Willkommen Österreich" für Schlagzeilen gesorgt. In einem Beitrag legte die Kabarett-Gruppe maschek, die zusammengeschnittenes Video-Material neu vertont, einem ORF-Moderator folgende Worte über den damaligen FPÖ-Chef und Vizekanzler Heinz-Christian Strache in den Mund: "Vom Neonazi zum Sportminister - eine typisch österreichische Karriere." Der Beitrag wurde aus der Mediathek genommen und später wieder online genommen - die entsprechende Stelle wurde jedoch weggepiepst und der Vorwurf der Zensur stand im Raum (DWDL.de berichtete). ORF-Sprecher Martin Biedermann beschrieb die Szene damals als "rechtlich problematisch". Man bekenne sich zu "pointierter Satire, aber selbstverständlich auch zur Einhaltung der Gesetze".

Inzwischen hat sich in Österreich einiges geändert, Strache ist im Zuge der sogenannten Ibiza-Affäre von allen politischen Ämtern zurückgetreten. "Spiegel" und "SZ" veröffentlichten letzte Woche Freitag ein Video, das 2017 heimlich von Strache gemacht worden war. Darin stellt er einer vermeintlich russischen Oligarchen-Nichte Staatsaufträge in Aussicht, sollte diese die FPÖ finanziell unterstützen.

Mit dem Video haben sich nun auch die Satiriker von "Willkommen Österreich" beschäftigt. Maschek vertonten das Video neu und Dirk Stermann und Christoph Grissemann, die beiden Moderatoren der Sendung, sprachen ausführlich darüber. Dabei fiel auch der zuletzt noch weggepiepste Satz - nur in etwas abgewandelter Form: "Vom Neonazi zum Sportminister und zurück", sagte Stermann.

Die Passage ist so über den Sender gegangen und steht auch am Mittwochnachmittag noch in der TVthek des ORF. Ganz offensichtlich sieht man darin keine rechtlichen Probleme. Gegenüber DWDL.de sagt eine Sendersprecherin: "Die satirische Aussage nimmt Bezug auf Aussagen des verurteilten Neonazis Gottfried Küssel, der einer deutschen rechtsextremen Zeitschrift ein Interview gegeben hat und mit Aussagen über Strache für Aufsehen gesorgt hat."

Tatsächlich hatte Küssel kurz vor der Veröffentlichung des Ibiza-Videos ein solches Interview gegeben. Die Aussage in "Willkommen Österreich" bezieht sich aber ganz klar auf Strache. Warum der ORF darin nun kein Problem sieht, die Passage vor einem Monat aber noch wegpiepsen liest, bleibt unklar. Schon im April waren sich die meisten Experten einig, dass der FPÖ-Chef vor Gericht ohnehin keine Chance gehabt hätte, gegen die Satiriker vorzugehen. Grissemann sagte zudem an diesem Dienstag: "Aber Küssel ist ein großer Mann. Er hat Strache angeboten, dass er in seinen alten Beruf als Neonazi zurückkehren kann."

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