Fernseher © photocase / complize
Wachstum spürbar schwächer

Deloitte-Studie: Video on Demand schon auf dem Zenit?

 

In einer neuen Studie der Wirtschaftsberater von Deloitte heißt es, der VoD-Markt nähere sich seiner Sättigungsgrenze. Das Wachstumspotenzial ist demnach begrenzt. Von einer Disruption im linearen Fernsehen könne außerdem keine Rede sein.

von Timo Niemeier
25.07.2019 - 10:55 Uhr

Deloitte hat seine Media Consumer Survey 2019 veröffentlicht und darin einige interessante Aussagen getroffen, die aufhorchen lassen. So heißt es, der Markt für Video on Demand (VoD) nähere sich der Sättigungsgrenze. Lag die Wachstumsrate zwischen 2015 und 2017 noch bei 21 Prozentpunkten, sind die Nutzerzahlen laut Deloitte danach nur noch um fünf Prozent gewachsen. Bei den Nutzen unter 35 Jahren sei VoD inzwischen im Alltag angekommen, nennenswertes Wachstum könne es nur noch bei den Nutzern ab 55 Jahren geben. Hier würden derzeit noch "attraktive, auf diese Zielgruppe zugeschnittene Inhalte" fehlen. 

Auch für das lineare Fernsehen trifft Deloitte einige Aussagen. So heißt es zwar, dass die Bedeutung von Linear-TV sinkt - vor allem bei den jungen Nutzern - doch die Verschiebung hin zu VoD-Angeboten falle moderater aus als das Wachstum der Abozahlen der entsprechenden Dienste. Es gehe für die Nutzer nicht um ein "entweder/oder". Viele würden sich Serien und Filme mittlerweile lieber flexibel bei Streamingdiensten ansehen, aber für Live-Events wie Fußballspiele oder aktuelle Nachrichten weiterhin das TV-Gerät einschalten. 

"Wenn der Nachwuchs fehlt, geht der sukzessive Zuschauerverlust weiter. Doch unsere Ergebnisse machen auch deutlich, dass das klassische Fernsehen durchaus Zukunftschancen hat. Unsere Daten zeigen, dass die befürchtete Disruption der TV-Branche nicht stattfindet", sagt Klaus Böhm, Leiter des Bereichs Media & Entertainment bei Deloitte. Das Unternehmen attestiert der Branche also, "durchaus Zukunftschancen" zu haben, meint aber, es gebe keine Disruption. 

Für den Bereich Short-Form-VoD prognostiziert Deloitte eine abflachende Kurve. So sei der Anteil an Nutzern, die entsprechende kurze Video-Inhalte konsumieren, zuletzt zurückgegangen. Das sei nicht zuletzt auch auf die "häufig überschaubare Qualität" zurückzuführen. Darüber hinaus sei die kurzen Inhalte etwa auf Youtube auch wirtschaftlich kein Erfolg, würden die meisten Nutzer doch nicht zahlen wollen. Eine Zeitenwende bei dieser Gratiskultur zeichne sich vorerst nicht ab, heißt es. 

"Nach ein paar turbulenten Jahren deuten unsere Daten auf eine gewisse Beruhigung im Bewegtbildmarkt hin. Video-on-Demand und Short-Form haben sich bei den Nutzern etabliert, gleichzeitig hat eine gewisse Entmystifizierung stattgefunden - ökonomisch wird man damit nicht nahtlos an das goldene TV-Zeitalter anknüpfen können", sagt Klaus Böhm. "Neue Dynamik sowie spannende Chancen könnten aus dem Aufbrechen von Silos entstehen: Die Serie ‘Babylon Berlin’ war sowohl als VoD wie auch später im linearen TV ein Erfolg. Long-Form-Angebote können beispielsweise durch Short-Form-Videos auf Social-Media-Kanälen ergänzt werden - hier gibt es viele spannende Möglichkeiten." Für die Studie hat Deloitte rund 2.000 deutsche Konsumenten zwischen 14 und 75 Jahren befragt. 

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