Dmexco 2019, Max Conze © DWDL
Österreich als Testmarkt

Conze liebäugelt mit deutschem Nachrichtensender

 

Kurz nach dem Start des Nachrichtensenders Puls 24 in Österreich ist der Import des Konzepts nach Deutschland für ProSiebenSat.1 eine konkrete Option. Vorstandschef Max Conze sprach auf der Dmexco von Österreich als Testmarkt für einen ähnlichen deutschen Sender.

von Torsten Zarges , Köln
11.09.2019 - 19:45 Uhr

Geht es nach Max Conze, dem Vorstandsvorsitzenden von ProSiebenSat.1, dann könnte seine Sendergruppe bald wieder einen eigenen Nachrichtensender in Deutschland haben. Auf der Bühne der Digitalmarketing-Messe Dmexco in Köln sprach Conze am Mittwoch über Puls 24, den konzerneigenen Newskanal, der seit Anfang September in Österreich auf Sendung ist (DWDL.de berichtete).

"Österreich ist aus unserer Sicht ein Testmarkt für das, was wir möglicherweise auch in Deutschland machen werden", sagte Conze im Talk. Dabei begeistere ihn vor allem die enorme Umsetzungsgeschwindigkeit. "Wir können uns mit China-Tempo transformieren, wenn wir nur wollen. So hat das Team in Wien den Sender innerhalb von nur drei Monaten aufgebaut." Conzes Zeitrechnung bezieht sich darauf, dass Puls 24 im Juni zunächst als Pop-up-Channel für Breaking News rund um die österreichische Regierungskrise auf der Streaming-Plattform Zappn gestartet war und zum 1. September den Betrieb via Kabel und Satellit aufnahm.

Neben dem linearen 24-Stunden-Programm mit umfangreichen Live-Strecken umfasst das Angebot von Puls 24 auch eine eigenständige App. "Signifikante Millionenbeträge" investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben in das Projekt, 35 Journalisten wurden dafür in Wien neu eingestellt. Zur Dmexco war Conze direkt aus Wien angereist, wo er seine Pläne bereits zuvor in einem Interview auf Puls 24 angesprochen hatte: "Das hat einen sehr guten Start gehabt und ist übrigens auch sehr bewusst in Österreich gemacht worden, schon auch ein bisschen als ein Testmarkt. Wir haben die gleichen Ambitionen in Deutschland. Das ist so schön in Österreich, dass wir hier eine Organisation haben, die mit enormer Geschwindigkeit Dinge tut. Und dann macht das manchmal Spaß, die Dinge hier auszuprobieren, weil man auch schneller sein kann. Aber wir haben natürlich auch die Absicht, wenn das jetzt mal erfolgreich ist, Ähnliches in Deutschland zu lancieren", so der CEO on air im eigenen Sender.

Nachrichten und Information waren über Jahre kein besonderes Steckenpferd von ProSiebenSat.1 im deutschen Markt. Unter Conzes Vorgänger Thomas Ebeling war der Nachrichtensender N24 im Jahr 2010 verkauft worden, heute gehört er unter dem Namen Welt zu Axel Springer. Um die Stärken von Live-Fernsehen gegenüber Video-on-Demand-Plattformen auszuspielen, ist gegenwärtig bei Privatsendern allgemein eine Rückbesinnung auf mehr nachrichtliche Schwerpunkte, vor allem in Breaking-News-Situationen, zu beobachten.

Im Talk auf der Dmexco nahm Conze die neue Lust am erhöhten Tempo auch für die Streaming-Plattform Joyn in Anspruch, die ProSiebenSat.1 gemeinsam mit Discovery betreibt. "Wir haben Joyn in zwölf Monaten aufgebaut – übrigens in denselben zwölf Monaten, in denen die Sender in Frankreich und Großbritannien noch über ihre gemeinsamen Plattformen diskutiert haben", so der Konzernboss, der sich in Köln geradezu berauscht vom eigenen Produkt gab und die Joyn-App auf seinem iPhone vorführte. Auf die Frage der Moderatorin nach dem geplanten kostenpflichtigen Premium-Angebot innerhalb des bislang rein werbefinanzierten Joyn bekräftigte Conze zwar, dass dieses im Winter starten und exklusive Original- sowie Archivprogramme enthalten solle, machte aber schnell klar, wo sein Herz schlägt: "Die Welt ist momentan ein bisschen zu besessen von Abo-Modellen. Werbevermarktung ist nach wie vor ein großartiges Geschäftsmodell."

Über den Autor

Torsten Zarges ist seit 2013 Chefreporter des Medienmagazins DWDL.de. Stellt liebend gern Fragen – an deutsche Intendanten wie an US-Showrunner. Beruflich wie privat dreht sich bei ihm (fast) alles um Serien. Zitiert Selina Meyer: "Suck-up isn´t gonna fix a f***-up."

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