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Kurze TV-Spots werden teurer

"Geldgeile Staubsaugervertreter": OWM keilt gegen SevenOne

 

Weil SevenOne Media seine Preise für kurze TV-Spots erhöht, und das sehr kurzfristig angekündigt hat, schäumt die Führungsetage der Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM). Die Rede ist von "schlechtem Stil" und zerstörtem Vertrauen.

von Timo Niemeier
12.12.2019 - 14:21 Uhr

Schon seit einiger Zeit kritisieren die werbungtreibenden Unternehmen der OWM, dass das Fernsehen Reichweite verliert, die Werbung aber immer teurer wird. Nun hat sich die Führung des Verbands in einem bemerkenswerten Interview zu Wort gemeldet, das die Kollegen von "Horizont" geführt haben. Darin geht es um eine Preiserhöhung bei kurzen TV-Spots, die SevenOne Media, der Vermarkter von ProSiebenSat.1, nun kurzfristig angekündigt hat. OWM-Chef Uwe Storch und Vize Andrea Tauber-Koch finden in dem Interview deutliche Worte. 

"Die Preiserhöhungen sind völlig unangebracht – und die Art und Weise, wie sie uns mitgeteilt werden, ganz schlechter Stil. Das geht gar nicht", sagt Tauber-Koch. Storch spricht von einem "bösen Geschenk zu Weihnachten". Der OWM-Chef: "Das Vorgehen wirkt aktionistisch, unprofessionell und völlig überhastet. Wir haben noch nie eine so schlechte Behandlung von einem Sender erlebt wie jetzt von ProSiebenSat.1."

Laut Storch wurde die Preiserhöhung lediglich in einer kurzen Mail mitgeteilt. Der OWM-Chef kritisiert das gerade auch vor dem Hintergrund der seit Monaten laufenden Verhandlungen und Gespräche mit dem Vermarkter. "Bisher war TV planbar und der Austausch intensiv und vertrauensvoll. Ein Mail wie das von SevenOne Media jetzt ist ein absolutes No-Go und auch einmalig in meiner zehnjährigen Media-Erfahrung." 

SevenOne bedauert die Kommunikation

SevenOne Media hat sich bereits zur Kritik zu Wort gemeldet, das Unternehmen äußert sich gegenüber "Horizont" so: "Erstmals seit 18 Jahren hat Seven One Media eine Preisanpassung für Kurzspots vorgenommen. Der Preis bei der nachfragestärksten Spotlänge von 20 Sekunden hat sich damit um 1,9 Prozent erhöht. Die Marktkommunikation ist kurzfristig erfolgt und war daher nicht optimal. Dies bedauern wir und nehmen die Kritik zum Timing an." Entscheidend sei aber, dass man mit dem Schritt die "Komplexität des Preissystems deutlich verringert" habe. 

Kaum vorstellbar, dass sich die OWM damit zufrieden gibt. Uwe Storch sagt, dass die Preiserhöhungen für bestimmte Spot-Längen zwischen 2 und 13 Prozent liegen würden. "Für mich ist das der Stil von geldgeilen Staubsaugervertretern. So zerstört man das Vertrauen im Markt." Das ist auch eine Attacke auf ProSiebenSat.1-Boss Max Conze, der vor seiner Zeit beim Medienunternehmen Chef beim Staubsauger-Hersteller Dyson war. "Es kann doch nicht sein, dass wir für die grottenschlechte Reichweitenentwicklung der TV-Sender bestraft werden, indem wir überproportional hohe Preise für kürzere Spots bezahlen müssen. Hier wird versucht, ein Geschäftsmodell, das nicht mehr trägt, noch einmal maximal zu kapitalisieren – gegen die Interessen der werbetreibenden Industrie. Wir empfinden das als Affront."

Tauber-Koch spricht von "exorbitanten Aufschlägen" und kritisiert außerdem, dass SevenOne einen Aufschlag von 30 Prozent für Spots angekündigt habe, die an den Rändern der Werbeblöcke liegen. "Und das, ohne einen Nachweis für die Netto-Reichweiten dieser besonders teuren Platzierungen zu liefern. Das kann man nicht akzeptieren." Die OWM-Vize-Chefin spricht außerdem von einer "überfallartigen Preiserhöhung", aufgrund derer man nun die TV-Pläne für 2020 neu berechnen müsse. "Das muss man sich mal vorstellen. Es sind ja nicht nur wir, sondern auch die Mediaagenturen völlig perplex und wie vor den Kopf gestoßen. Der Aufwand ist enorm. Ich muss zum Beispiel jetzt nachrechnen, ob ich mit meinem Budget alle Eckplatzierungen wie geplant buchen kann."

Kritik auch an IP Deutschland

Die OWM kritisiert aber nicht nur ProSiebenSat.1-Vermarkter SevenOne, sondern auch die IP Deutschland. Konkret ist den Verantwortlichen die Kopplung der Vermarktung von Vox und VoxUp ein Dorn im Auge. Die Werbeinseln auf den beiden Sendern sind identisch und werden gemeinsam vermarktet. "Das Ärgernis ist, dass man keine Wahl hat und Vox Up dazubuchen muss. Das bedeutet, dass Vox Up mit dem TKP von Vox abgerechnet wird. Wir wissen aber nicht, was wirklich in dem Paket drin steckt, da Vox Up noch nicht gemessen wird. Im Dezember ist der neue Sender noch kostenlos, ab Januar ist er automatisch Teil der Kombi. Was aber, wenn Vox Up nicht zu meiner Belegungsstrategie passt? Eine große Stärke von TV ist doch, dass ich hier nach Umfeldern planen kann. Das konterkariert IP aber, wenn ich gezwungen bin, Vox in Kombination mit Vox Up zu buchen", so Tauber-Koch. 

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