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SWR-Jahrespressekonferenz 2020 © SWR/Patricia Neligan
Jahrespressekonferenz in Stuttgart

SWR-Ausblick: "Nicht schuften bis zum Nasenbluten"

 

Großer Auftritt für den neuen SWR-Intendanten: In Stuttgart hat Kai Gniffke einen Ausblick auf die Programmpläne für 2020 gegeben. Zugleich sprach er über die jüngst bekannt gewordene Neustrukturierung. Einsparungen soll es aber nicht geben.

von Alexander Krei , Stuttgart
07.02.2020 - 14:41 Uhr

Wer sich in diesen Tagen mit dem SWR beschäftigt, erlebt einen Sender im Umbruch. Kein halbes Jahr ist seit Kai Gniffkes Amtantritt als neuer Intendant vergangen, da hat er mit Clemens Bratzler und Anke Mai auch noch zwei neue Programmdirektoren für Information und Kultur an seiner Seite – Letztere trat ihren Posten sogar erst vor einer Woche an. Und dann sind da freilich auch noch die Berichte über den geplanten Umbau, die in den vergangenen Tagen für Aufmerksamkeit sorgten. Verständlich also, dass es beim Jahrespressegespräch in Stuttgart an diesem Freitag nicht nur um Programm-Höhepunkte ging.

Dabei machte Gniffke deutlich, worum es ihm bei der geplanten Neustrukturierung geht – und vor allem, worum nicht. "Wir werden kein neues Sparprogramm auflegen", versprach der Intendant und kündigte stattdessen Investitionen in Journalismus, Qualität und digitale Produkte an. "Wenn es so sein wird, dass es kein Geld vom Himmel regnet, dann müssen wir mit unseren Kräften haushalten und die Leute nicht schuften lassen bis zum Nasenbluten." Es gehe ihm um eine Neuorganisation von Zuständigkeiten, mit dem Ziel, Doppel- und Dreifachbelastungen zu vermeiden und gleichzeitig - einem jüngeren Publikum - neue Angebote zu machen.

Eine Konzentration von Nachrichten an einem Standort wird es nicht geben, erklärte Gniffke, bestätigte aber noch einmal entsprechende DWDL.de-Informationen, wonach die Hörfunknachrichten vor allem am Standort Baden-Baden entstehen sollen. Die regionale Information soll ungeachtet dessen auch weiterhin in Stuttgart und Mainz entstehen. Mit dem Schritt wolle man bei Abstimmungen und Strukturen "möglichst wenig Energie auf der Straße zu lassen", führte Clemens Bratzler aus. Niemand werde zum Standort-Wechsel gezwungen, versicherten die neuen SWR-Verantwortlichen.

Zugleich erteilte Bratzler dem WDR-Modell eine Absage, wonach ein und dieselbe Nachrichtensendung auf mehreren Radiosendern zu hören ist. "Wir wollen weiterhin wellen- und länderspezifische Nachrichten", sagte der Programmdirektor. Kai Gniffke spielte zuvor schon die Herausforderungen herunter, die eine Zwei-Länder-Anstalt mit drei Standorten mit sich bringt. "Ich habe 16 Jahre lang in einer Vier-Länder-Anstalt gearbeitet", betonte der Intendant mit Blick auf seine Zeit im Norden. "Wenn das so ein Problem wäre, dann hätte der NDR über die Jahre nicht so ein gutes Programm gemacht. Dann werden wir das mit zwei Ländern doch wohl auch schaffen."

Zwei regionale Serien und ein Zukunftsthriller

Mit Blick aufs Programm stellte der SWR zwei neue regionale Serien vor, die noch in diesem Jahr im Dritten Programm zu sehen sein werden. So wird im Frühjahr mit "Der letzte Wille" die Geschichte aus einem schwäbischen Seniorenheim erzählt – ein Projekt von Autorin und Regisseurin Ulrike Grote, die für den Sender bereits "Die Kirche bleibt im Dorf" inszenierte. Unter dem Arbeitstitel "How to make Swabia great again oder: Spätzle Arrabiata" produziert Polyphon zudem eine Serie über einen Koch, dessen Familie es vorzieht, für die Mafia Geld zu waschen. Die Ausstrahlung ist für den Winter geplant.

Ebenfalls im Winter soll es im Ersten einen sogenannten "Near-Future-Thriller" mit dem Titel "Exit" zu sehen geben. Es handelt sich dabei um den ersten einer Reihe von Filmen zur Erforschung der Zukunft, die SWR und NDR realisieren. Bereits am 1. April wird im bundesweiten Hauptprogramm der investigative Spielfilm "Meister des Todes" über illegale Exporte eines Rüstungsunternehmens fortgeführt. Eingebettet ist die mit Veronica Ferres, Katharina Wackernagel, Desirée Nosbusch, Heiner Lauterbach und Axel Milberg prominent besetzte Whistleblower-Geschichte in einen Themenabend, der auch eine Dokumentation umfasst.

Spannend ist auch der Dokumentarfilm "The Cave – Eine Klinik im Untergrund", der zusammen mit internationalen Partnern entstanden ist und am kommenden Sonntag auf eine Auszeichnung mit dem Oscar hoffen darf. Im Ersten gibt es den Film über eine Klinik im syrischen Untergrund am 1. Juli um 22:45 Uhr zu sehen. Ab Ende November läuft darüber hinaus zur besten Sendezeit die dreiteilige Reihe "Mission Erde", in der sich der deutsche Astronaut auf Expeditionen mit Wissenschaftlern begibt, um den Zuschauern das verletzliche System Erde näherzubringen.

Mit Blick aufs Dritte Programm plant der SWR indes neue Dokuformate. So begleitet der Sender ab Anfang Februar in "112 – Retter im Einsatz" Sanitäterinnen und Sanitäter, ehe im Frühjahr "Die Nachtstreife" folgt. Für die Dokumentation "Bayreuther Straße" drehte der SWR außerdem ein halbes Jahr lang mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eines sozialen Brennpunkts in Ludwigshafen. Ernst geht es darüber hinaus im Dokudrama "Unbekannten Helden" zu, das am 3. Mai um 20:15 Uhr von den dramatischen letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs erzählt. In inszenierten Spielszenen wirken unter anderem Ulrike Folkerts und Walter Sittler mit.

"SWR3 Morningshow" kommt ins Fernsehen

Neue Wege will das SWR Fernsehen ab dem 16. Mai außerdem mit Blick auf die "SWR3 Morningshow" gehen, die montags bis freitags zusätzlich zwischen 6 und 8 Uhr im TV laufen soll. Dafür wird der Video-Livestream der Radiosendung übernommen, während der Musikstrecken ergänzen Nachrichten zum Nachlesen die Bilder aus dem Studio. Dazu kommen Aufnahmen der Autobahnkameras in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz sowie Live-Bilder, die die aktuelle Wetterlage im Sendegebiet zeigen. Dadurch, so die Hoffnung des SWR, soll das Fernsehprogramm in den Morgenstunden an Relevanz gewinnen.

Generell soll perspektivisch aber nicht zuletzt die ARD-Mediathek gestärkt werden, die sich nach Angaben von SWR-Intendant Kai Gniffke seit dem Relaunch gut entwickelt hat. "Das Ding geht richtig steil", sagte er in Stuttgart angesichts steigender Nutzerzahlen. "Wo die Menschen auf unsere Inhalte treffen, kann uns egal sein", so Gniffke. "Es muss einfach nett sein, es muss cool sein, es muss fluffig sein, damit man es nutzt. Das scheint uns mit der ARD-Mediathek gelungen zu sein."

Über den Autor

Alexander Krei ist seit 2009 Redakteur beim Medienmagazin DWDL.de. Liebt die große Fernsehshow ebenso wie das kleine Kammerspiel. Analysiert neue Formate und die Quoten am Morgen danach. Ist Sesselsportler, von Bundesliga bis Darts-WM.

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