Als der ORF im vergangenen Jahr den Wiener Opernball übertragen hat, filmte der kleine Newssender oe24.TV das Bild des öffentlich-rechtlichen Senders einfach ab und zeigte die Übertragung damit irgendwie auch (DWDL.de berichtete). Der ORF unternahm offiziell nichts und wollte die Sache mit Wolfgang Fellner, Chef der Mediengruppe Österreich, die oe24.TV betreibt, auf kurzem Dienstweg klären. Das hat nicht sonderlich gut funktioniert, erst vor wenigen Wochen griff oe24.TV bei einer Pressekonferenz noch einmal das ORF-Bild ab. Nun hat der Nachrichtensender wieder zugeschlagen und sich am Bild von ntv bedient.

Konkret wollte man über die Ereignisse in Thüringen berichten und über die Reaktionen der CDU-Spitze. Da man aber offenbar keine eigenen Bilder hatte, zeigte man schlicht das ntv-Signal. Da war dann etwa eine kurze Rede von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer zu sehen - allerdings nicht zu hören. Der oe24.TV-Moderator entschuldigte sich kurz darauf – man habe "Tonprobleme". Überblendet wurde der ntv-Ticker mit einem eigenen Laufband.

Richtig skurril wurde es dann wenige Minuten später, als oe24.TV erneut das ntv-Signal abgriff, nach einer Schalte allerdings nicht schnell genug zurück ins eigene Studio ging. Da war dann plötzlich das ntv-Studio samt ntv-Moderator zu sehen – aber eben mit großem oe24.TV-Logo und Laufband. ntv-Geschäftsführerin Tanit Koch hat sich bereits via Twitter dazu geäußert und die österreichischen Kollegen gefragt, ob ihnen die Reporter und Moderatoren ausgegangen seien. Sie garnierte den Tweet mit dem Hashtag "#oje24".

 

Ob das Ganze auch ein juristisches Nachspiel haben wird, ist derzeit noch unklar. DWDL.de hat bereits bei der IP Österreich angefragt und um eine Stellungnahme gebeten. Auch oe24.TV haben wir um eine Stellungnahme ersucht. In jedem Fall ist es mal wieder eine dreiste Vorgehensweise des österreichischen Nachrichtensenders, der sich immer wieder damit rühmt, der stärkste Sender seiner Art zu sein – zuletzt bekam die Mediengruppe Österreich aber Konkurrenz von Puls 24, einem Sender von ProSiebenSat.1Puls4. Beide Sender liegen inzwischen gleichauf

Den Signalklau beim Opernball 2019 hat DWDL.de übrigens mit einem Goldenen Günter ausgezeichnet. Der nächste Opernball findet am 20. Februar statt. Vielleicht ist oe24.TV dann ja auch wieder irgendwie mit dabei, Ton- und Bildprobleme inklusive.

In Österreich erhalten übrigens auch kommerzielle Privatsender eine Förderung aus dem 20-Millionen-Euro schweren Privatrundfunkfonds. Von den 18,8 Millionen Euro, die bereits für das laufende Jahr vergeben worden sind, hat oe24.TV 1,91 Millionen erhalten. Kein anderer Einzelsender erhielt in der ersten Förderrunde mehr Geld als der News-Sender der Mediengruppe Österreich.