ARD-PK mit Buhrow und Herres © Screenshot ARD
Mehr Investitionen in die Information

ARD: Längere "Tagesthemen" und Mediathek-Offensive

 

Die "Tagesthemen" erhalten freitags künftig doppelt so viel Sendezeit wie bisher, das ist nun beschlossene Sache. Außerdem wollen die Intendanten auch zwischen Montag und Donnerstag mehr Sendezeit. Investieren will man zudem in neue Serien.

von Timo Niemeier
12.02.2020 - 16:53 Uhr

Bereits am Dienstag ist durchgesickert, dass es innerhalb der ARD Überlegungen gibt, die "Tagesthemen" zu verlängern (DWDL.de berichtete). In den vergangenen zweieinhalb Tagen haben die ARD-Intendanten in Köln getagt und nun gibt es dazu eine Entscheidung: So hat die ARD-Programmkonferenz entschieden, die Sendelänge der "Tagesthemen" am Freitag von 15 auf 30 Minuten zu verdoppeln. 

Die Intendanten haben diese Entscheidung begrüßt und regen außerdem an, die Sendung zwischen Montag und Donnerstag um fünf Minuten zu verlängern. Der ARD-Vorsitzende Tom Buhrow und Volker Herres, Programmdirektor des Ersten, erklärten am Mittwoch auf einer Pressekonferenz, dass man hier aber noch das genaue Konzept ausarbeiten müsse. Darum kümmern sich nun ARD-aktuell und die ARD-Chefredakteure. Buhrow erklärte, man wolle die "Lebenswirklichkeit der Menschen aus deutschen Regionen" besser abbilden als bislang. Demnach soll es auch um Erfolgsgeschichten gehen. 

Die Verlängerung der Freitags-Ausgabe der "Tagesthemen" greift zum 3. April, dann läuft das Nachrichtenmagazin zwischen 21:45 und 22:15 Uhr - und damit auch zum Teil gegen das "heute journal", das im ZDF um 22 Uhr startet. Tom Buhrow erklärte am Mittwoch, dass er ZDF-Intendant Thomas Bellut bereits über den Schritt informiert habe. Noch gibt es aber keine Reaktion des ZDF auf die verlängerten "Tagesthemen". Bis zum April will man außerdem klären, ob die "Tagesthemen"-Ausgaben zwischen Montag und Donnerstag mehr Sendezeit erhalten - und wenn ja wie man das am besten umsetzen kann. 

Als "Übermedien" am Dienstag über die Pläne der ARD-Intendanten berichtete, zitierte der Mediendienst auch aus einem Schreiben von Volker Herres. Der warnte darin, dass eine Verlängerung der "Tagesthemen" um fünf Minuten den folgenden Formaten Zuschauer kosten könnte. Dass es hier Differenzen mit den Intendanten gibt, wies der Programmdirektor am Mittwoch auf DWDL.de-Anfrage zurück. Er müsse an alle Sendungen des Ersten denken und wenn man eine verlängere, würde das auch immer Auswirkungen auf die anderen Formate haben. Dieses Für und Wider müsse man abwägen und dann entscheiden. Herres spricht von "Güterabwägung" und fordert ein "überzeugendes Konzept".

"In bewegten Zeiten möchten wir diesem Interesse auch mit der Verlängerung der 'Tagesthemen' am Freitag und mehr Sendezeit für den 'Bericht aus Berlin' Rechnung tragen."
Volker Herres, Programmdirektor Das Erste 

Tom Buhrow sagt: "Das Alleinstellungsmerkmal der ARD ist unsere Stärke in den Bereichen Information und regionale Präsenz. Beides stärken wir, indem wir den 'Tagesthemen' mehr Raum für vertiefende Informationen aus den Regionen Deutschlands geben." Und Volker Herres ergänzt: "In den vergangenen Monaten haben wir ein stetig steigendes Interesse an vertiefenden Informationen und Einordnung der weltweiten Geschehnisse registriert. In bewegten Zeiten möchten wir diesem Interesse auch mit der Verlängerung der 'Tagesthemen' am Freitag und mehr Sendezeit für den 'Bericht aus Berlin' Rechnung tragen."

Der Sonntag wird neu

Bereits bekannt war ja schon, dass es im Zuge der "Lindenstraße"-Einstellung auch am Sonntag demnächst zu Änderungen kommen wird. Hier bleibt alles so, wie man es bereits im November 2019 angekündigt hatte. So erhält "Brisant" ja künftig auch eine Sonntags-Ausgabe (Herres: "Auch das ist Information"), danach beschäftigt man sich in der Reihe "Echtes Leben" mit "Kernthemen der menschlichen Existenz". Der "Bericht aus Berlin" wandert auf 18:05 Uhr und wird um fünf Minuten verlängert, danach folgt eine lange "Sportschau", in der man vor allem Hintergründe liefern und kritisch berichten will. Um 19:20 Uhr folgt schließlich noch das Auslandsmagazin "Weltspiegel". 

20 Millionen für neue Serien

Abseits der Information verwiesen Buhrow und Herres am Mittwoch noch einmal auf die Tatsache, dass man in diesem Jahr erstmals 20 Millionen Euro für neue Serien ausgebe, die allen voran in der Mediathek zu sehen sein sollen. Entsprechend sollen sie auch konzipiert und produziert werden. Bereits im Oktober 2019 hatte NDR-Programmdirektor Frank Beckmann das gegenüber DWDL.de angekündigt. Konkret sind nun 16 neue Serien geplant, die gezielt auf die Nutzungsgewohnheiten im Netz hin produziert werden. Neben horizontaler Erzählweise geht es auch um Genres, die eher selten im linearen Programm zu finden sind: etwa Science Fiction oder Mystery. Finanziert werden die 20 Millionen Euro durch Umschichtungen in der ARD Degeto und den Landesrundfunkanstalten der ARD.

Volker Herres sagt dazu: "Mit einem vielfältigen Serienangebot, das wir im Herbst starten, wollen wir die ARD Mediathek vor allem auch für jüngere User attraktiver gestalten. Schon jetzt stehen unsere DonnerstagsKrimis ebenso wie die Filme aus der Reihe 'Endlich Freitag im Ersten' jeweils mehrere Tage vor der Ausstrahlung zum Abruf in der ARD Mediathek bereit. Neben großen Eventproduktionen wie 'Babylon Berlin' oder 'Oktoberfest 1900' bieten wir vor allem auch mit unseren zahlreichen Dokumentationen und Reportagen, Unterhaltungs- und Sportsendungen das größte und umfassendste Angebot Deutschlands im Netz."

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