Blood & Treasure © CBS
DWDL.de-Serienkritik

"Blood & Treasure": Ein Hauch von "Indiana Jones" in trashig

 

Mit "Blood & Treasure" holt Kabel Eins eine Abenteuerserie nach Deutschland, die eigene Ideen über weite Strecken hinweg vermissen lässt, aber trotzdem Spaß machen kann - vorausgesetzt, Sie nehmen es mit dem Anspruch nicht so genau.

von Kevin Hennings
14.02.2020 - 14:33 Uhr

Es heißt ja gerne, man müsse das Rad nicht neu erfinden. Das scheint in besonderem Maße für die neue US-Serie "Blood & Treasure" zu gelten, die heute Abend bei Kabel Eins startet - wieso auch sollte man eine solch perfekte Erfindung wie das Rad wirklich verbessern wollen? Der Trick scheint darin zu liegen, dass die Macher der Abenteuerserie möglichst viele Räder verbauen wollten. Stellen Sie sich also ein Auto mit zwölf Reifen vor: Das ist "Blood & Treasure". Es gibt nur ein Problem: Diese Reifen behindern sich immer wieder selbst und müssen alle paar Meter neu justiert werden. Machen Sie sich also auf eine holprige, wenn auch durchaus amüsante Fahrt gefasst.

Die von CBS ins Leben gerufene Serie dreht sich um ein Duo bestehend aus dem ehemaligen FBI-Agenten und Antiquitäten-Experten Danny McNamara (Matt Barr) und seiner Ex-Flamme und Kunstdiebin Lexi Vaziri (Sofia Pernas), die zusammen Terroristen jagen. Mit einem aufsehenerregenden Anschlag auf die Pyramiden von Gizeh treten diese auf den Plan. Angeführt wird die Bösewicht-Truppe von Karim Farouk (Oded Fehr), der bei der Attacke ein wertvolles Artefakt stiehlt und die angesehene Archäologin Dr. Ana Castillo entführt. Eine Dame, die Farouk noch mehr tolle Schätze präsentieren soll.

Eine Ausgangsposition, die sich wie ein Best-of der besten Abenteuer der Film- und Spielegeschichte anfühlt. Hier steckt wirklich alles drin: "Indiana Jones", "Tomb Raider", "Relict", "Uncharted", "Die Mumie", "Das Vermächtnis der Tempelritter" und auch ein bisschen "White Collar". Das Problem: Produktionen wie die genannten, mit denen das Publikum bereits um die Welt reiste, komplexeste (nachgebaute) Ruinen erkundete und mystische Reliquien fand, haben die Latte an adrenalingepeitschten Verfolgungsjagden und ausgetüfteltem Rätselsraten Höhen gehängt, die mit einer halbherzigen Serie wie dieser sicherlich nicht erreicht werden können.

"Blood & Treasure" fühlt sich aber tatsächlich nicht so an, als habe das Team um Schöpfer-Duo Matthew Federman ("Warehouse 13") und Stephen Scaia ("Limitless") auf die Schnelle einen halbgaren Hit am Reißbrett entwerfen wollen. Gut, am Reißbrett ist die Produktion auf jeden Fall entstanden. Doch die Liebe zum gepflegten Schlagabtausch zwischen Gut und Böse und ein Hang zum gewissen Trash sind deutlich zu spüren. In dieser Form der Serienentwicklung ist es deswegen gar nicht zwingend negativ zu bewerten, dass Federman und Scaia zu keiner Sekunde den Versuch unternahmen, Innovationen einzubauen. Für eine Serie wie "Blood & Treasure", die offenkundig dafür konzipiert wurde, als Hommage in die TV-Geschichte einzugehen, die also nie den Anspruch geltend macht, das Genre neu zu definieren, bekommt der Zuschauer einiges geboten.

Blood and Treasure

Hauptdarsteller Sofia Pernas und Matt Barr verkleiden sich als Lara Croft und Indiana Jones

"Blood & Treasure" hätte auf absurde Weise sogar ein Hit werden können, wenn Pernas und Barr in ihren Protagonisten-Rollen harmoniert hätten. Leider versprühen sie nicht das kleinste Fünkchen Chemie, geschweige denn Emmy-würdige Charakter-Arks. All die inszenierten Flirts und Scherze wirken deshalb schwerfällig und meistens extrem unangenehm. Auch, weil es selten Sinn macht, wie die beiden in ihren Rollen plötzlich handeln. Stellen Sie es sich so vor: Sie entscheiden sich beim ersten Date für eine Schnitzeljagd durch die Stadt und bringen währenddessen den schlechten Witz unter, dass ihr Gegenüber eigentlich nur hinter den Herd gehört, während dieser anschließend vorschlägt, in die Wohnung ihres Ex-Freundes einzubrechen. Dann küssen sich beide. So weit, so blöd. "Blood & Treasure" agiert, ohne groß zu übertreiben, genauso. Eine emotionale Nachvollziehbarkeit der Geschehnisse ist meist nicht vorhanden.

Aber wer braucht schon Emotionen, wenn "Indiana Jones" gewissermaßen ins Fernsehen kommt und wilde Abenteuer in längst vergessenen Orten stattfinden? Nein, wirklich. Die gängigen Liebeleien, die in jede Geschichte gepresst werden, finden hier lediglich auf absurde Weise statt und sorgen damit zum einen für Abwechslung, aber auch dafür, dass sich der Zuschauer auf den wichtigen Hauptplot konzentrieren kann.

Schade ist dennoch, dass CBS deutlich zu wenig Budget freigegeben hat. Trotz eines frischen Looks und einiger actionreicher Sequenzen ist doch deutlich, dass "Blood & Treasure" vor allem in günstig einzurichtenden Innenräumen stattfindet. Für die zweite Staffel, die bereits bestätigt ist, wäre es deshalb wünschenwert, würde die Handlung vermehrt unter freiem Himmel ihren Gang nehmen, schließlich hätte ja auch eine lianenschwingende "Indiana Jones"-Hommage durchaus ihren Charme. Wenn popkulturell trashig, dann richtig.

Die erste Staffel von "Blood & Treasure", die aus 13 Folgen besteht, ist ab sofort jeden Freitag um 20:15 Uhr bei Kabel Eins zu sehen. 

Über den Autor

Der Gerade-noch-Volo-nun-Jung-Redakteur Kevin Hennings ist seit 2016 bei DWDL.de. Neben seiner Liebe zur Serienwelt, die er oft in Form von Kritiken und Kommentaren zeigt, hegt er eine intensive Leidenschaft für Stand-Up-Comedy und Podcasts.

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