Das letzte Wort / Berlinale Series Market © DWDL
Ausblick auf neue deutsche Serien

Betrunkener Anruf bei Anke Engelke führt zur Netflix-Serie

 

Der Berlinale Series Market hat drei Projekte in Produktion vorgestellt, die demnächst bei Netflix, Joyn und im ZDF zu sehen sind. "Das letzte Wort" verspricht Dramedy vom Feinsten, "Katakomben" blickt in die Münchner Unterwelt, "Höllental" ist True Crime in cineastisch.

von Torsten Zarges , Berlin
24.02.2020 - 22:40 Uhr

Sofern man aus einer ersten Szene im Rohschnitt schließen darf, die beim Berlinale Series Market zu sehen war, verspricht "Das letzte Wort" eine ganz besondere Mischung aus Komik und Tragik. Anke Engelke spielt in der Netflix-Serie eine Trauerrednerin – und versucht in dieser Szene, nach einem langen Abend mit Gästen und nach einem heftigen Streit mit dem Sohn ihren Ehemann zu verführen. Während sie schon entkleidet im Bett auf ihn wartet, sitzt er noch immer im Esszimmer und sein Kopf liegt flach auf dem Tisch. Wenige Sekunden später merkt der Zuschauer zusammen mit der Hauptdarstellerin: Der Mann ist nicht nur müde oder betrunken – sondern tot.

"Mich fasziniert an diesem Stoff die Tatsache, dass je nach Betrachtung immer auch Humor in der Trauer liegen kann. Schließlich kommt der Tod meist nicht im richtigen Moment, und Timing ist bekanntlich ein wichtiges Element von Komik", so Autor und Regisseur Aron Lehmann, der die Grundidee einer Trauerredner-Serie von Schauspieler Thorsten Merten übernommen hatte. Im Dezember waren die sechs Folgen der Produktion von Pantaleon Films abgedreht, voraussichtlich im zweiten Halbjahr werden sie bei Netflix laufen.

Im Rahmen des Berlinale-Ausblicks auf kommende deutsche Serien-Highlights berichteten Lehmann, Showrunner Carlos Irmscher und Produzent Daniel Sonnabend auch, wie ihr erster Kontakt mit Anke Engelke verlief. Sie hatten sich ordentlich Mut angetrunken, bevor sie sie anriefen, konnten sich aber offenbar noch so gut artikulieren, dass Engelke sofort Interesse an der Rolle signalisierte. "Wir haben die Figur dann mit ihr und für sie entwickelt", so Lehmann. Im Verlauf der Serie zeigt sich die Hauptfigur unfähig, ihren Mann loszulassen, und verliert den Glauben an ihre Arbeit. Sie beginnt, seine Beerdigung so lange zu sabotieren, bis sie die richtigen Worte für ihn gefunden hat.

Direkt von den Dreharbeiten kamen die Macher der Coming-of-Age-Serie "Katakomben", die noch bis April in München entsteht. Headautor und Producer Florian Kamhuber hatte seine Idee vor genau einem Jahr beim Projektpitch der Beta Film am Rande der Berlinale vorgestellt. "Ehrlich gesagt, sah es zunächst so aus, als würde es sehr schwierig, überhaupt einen Partner dafür zu finden", so Kamhuber. Dann jedoch biss Joyn, der Streamingdienst von ProSiebenSat.1 und Discovery, an, wo die Neuesuper-Produktion Anfang 2021 zu sehen sein wird. "Katakomben" spielt in der Münchner Unterwelt und schildert über sechs Episoden, wie drei 'Rich Kids' beim illegalen Partymachen mit den Obdachlosen konfrontiert werden, die tatsächlich in den unterirdischen Katakomben leben.

Das letzte Wort / Berlinale Series Market"Humor in der Trauer": Autor und Regisseur Aron Lehmann, Showrunner Carlos Irmscher und Produzent Daniel Sonnabend (v.l.) stellen in Berlin "Das letzte Wort" vor

"Unsere Story funktioniert zwiebelartig", erklärte Kamhuber. "Die Erzählstruktur ist komplex und enthüllt erst nach und nach verschiedene Ebenen. München ist bekannt für seine perfekte, saubere Oberfläche. Was Drogen, Armut und Obdachlosigkeit betrifft, wird oft in die Unterwelt verdrängt. Diese Widersprüche unserer Gesellschaft greifen wir in 'Katakomben' auf." Beta Film vertreibt die Serie international unter dem Titel "Echos" als eines von mehreren Young-Adult-Projekten, zu denen auch die Magenta-TV-Serie "Wild Republic" zählt, und registriert dem Vernehmen nach bereits Interesse aus dem Ausland.

Schon im Frühjahr 2018 hatte das ZDF eine True-Crime-Serie über den Fall der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch angekündigt, deren Knochen 15 Jahre später im nordbayerischen Wald gefunden wurden. Jetzt präsentierten Autorin und Regisseurin Marie Wilke und Produzent Dirk Engelhardt (Kundschafter Filmproduktion) ihren dokumentarischen Sechsteiler "Höllental" in Berlin mit ersten Ausschnitten. "Das ist einer der größten Kriminalfälle Deutschlands, der bis heute ungelöst ist und unglaublich viele Wendungen hatte", so Wilke. "Das wäre viel zu viel für einen einzigen Film. Die Form der Serie ermöglicht es mir, alle Details auszubreiten und das Publikum zu Detektiven zu machen." Nach den ersten Bildern zu urteilen, scheint der Look von "Höllental" sehr cineastisch zu werden. Die Serie soll im Herbst im ZDF laufen.

Über den Autor

Torsten Zarges ist seit 2013 Chefreporter des Medienmagazins DWDL.de. Stellt liebend gern Fragen – an deutsche Intendanten wie an US-Showrunner. Beruflich wie privat dreht sich bei ihm (fast) alles um Serien. Zitiert Selina Meyer: "Suck-up isn´t gonna fix a f***-up."

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