Linda Zervakis © Screenshot Das Erste
Studien belegen Ungleichgewicht

Frauen in Corona-Berichterstattung unterrepräsentiert

 

Seit Jahren widmet sich Maria Furtwängler mit ihrer MaLisa Stiftung der Geschlechterverteilung in den Medien. Nun wurde die Rolle von Frauen in der Corona-Berichterstattung untersucht. Ergebnis: Weibliche Protagonisten sind deutlich unterrepräsentiert.

von Timo Niemeier
28.05.2020 - 14:38 Uhr

Seit Mitte März hat es in der deutschen Medienlandschaft ein alles dominierendes Thema gegeben: Sowohl in Zeitungen, als auch auf News-Webseiten und im Fernsehen ging es um das Coronavirus. Die MaLisa Stiftung von Maria Furtwängler hat nun in zwei Studien untersuchen lassen, wie es um die Geschlechterverteilung während der Krise bestellt war. Das Fazit vorab: Nicht so gut - Frauen sind in vielen Bereich deutlich unterrepräsentiert. 

Untersucht wurde sowohl die Berichterstattung im Fernsehen (Das Erste, ZDF, RTL, Sat.1) als auch in den Online-Auftritten von Printmedien. Zwischen dem 16. und 30. April hat man so 174 TV-Sendungen und fast 80.000 Online-Artikel unter die Lupe genommen. Die wichtigsten Ergebnisse aus der Untersuchung der TV-Formate: Nur eine von fünf ExpertInnen war weiblich (22 Prozent), in den untersuchten Talkshow war ihr Anteil mit 28 Prozent nur etwas höher. Insgesamt (also nicht nur bei den Experten) lag der Anteil der Frauen bei 33 Prozent. 

Auch wenn es in den TV-Sendungen um Bereiche wie Pflege und Medizin ging, in denen überwiegend Frauen tätig sind, kamen weibliche Experten nur zu 17 Prozent zu Wort. Am häufigsten wurden Frauen demnach als Expertinnen für die Bereiche Bildung (45%) und Soziales (31%) herangezogen. Deutlich höher ist der Anteil an Frauen bei den Journalisten bzw. Reportern (52%), auch von den Talkshow-Hosts sind 40 Prozent weiblich. 


In Summe zeigt sich, dass Frauen in allen untersuchten Bereichen (Nachrichten, Sondersendungen, Magazine, Talk) deutlich weniger oft eingeladen waren als Männer. MaLisa-Co-Gründerin Maria Furtwängler sagt dazu: "Bereits unsere Studie zu TV und Film von 2017 hat besonders im Bereich der Expert*innen eine große Schieflage aufgezeigt. Dass diese sich in der aktuellen Krise, die ja zur Stunde der Expert*innen wird, fortsetzt, ist besonders bedauerlich. Fast die Hälfte aller Ärzt*innen in Deutschland sind Frauen – aber nur ein Fünftel der Mediziner*innen, die im Fernsehen vorkommen. Das hat mich besonders schockiert."

Untersucht wurden die TV-Formate von Prof. Dr. Elizabeth Prommer und Julia Stüwe vom Institut für Medienforschung der Universität Rostock. Bei den Öffentlich-Rechtlichen wurden vor allem die Nachrichtensendungen ("heute", "heute journal", "Tagesschau", "Tagesthemen", Specials) sowie Magazine, Reportagen und Talkshows untersucht. Bei RTL entfällt der Großteil der untersuchten Sendungen auf "RTL Aktuell", "Stern TV" und Magazine wie "Extra". Bei Sat.1 waren es neben den Nachrichten um 20 Uhr auch das "Bild Corona Spezial" und Magazine wie "Spiegel TV". Kommunikationsforscherin Elizabeth Prommer sagt: "Eines der wichtigsten Ergebnisse unserer Studie ist, dass Frauen nicht gefragt werden. Und zwar auch dann nicht, wenn es sie gäbe. Frauen sind die wahren Heldinnen in der Krise – und das erzählen uns: die Männer."

Ein ähnliches Bild wie im Fernsehen zeigt sich übrigens auch in der Studie, in der die Online-Artikel untersucht wurden. Hier wurden Frauen als Expertinnen nur zu rund sieben Prozent erwähnt. Insgesamt (also nicht nur bei ExpertInnen) lag der Anteil der Frauen in der Berichterstattung bei 30 Prozent. 


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