Angriff auf DW-Reporter © DW
Unruhen in den USA

DW-Team gerät in Minneapolis in die Schusslinie der Polizei

 

Dass die Berichterstattung über die Unruhen in den USA in Folge des Todes von George Floyd, nicht ungefährlich ist, musste nun auch ein Team der Deutschen Welle erfahren, das in die Schusslinie der Polizei geriet. Insgesamt gab es schon fast 70 Übergriffe

von Uwe Mantel
01.06.2020 - 10:44 Uhr

Eine Woche ist es nun her, dass der Afroamerikaner George Floyd bei einem Polizeieinsatz ums Leben kam, nachdem ein Polizist minutenlang auf dessen Nacken kniete. Seither eskalierten die Proteste gegen Polizeigewalt und Rassismus in zahlreichen Städten, insbesondere aber in Minneapolis selbst. Wie sehr auch die Pressefreiheit unter Druck gerät, zeigte sich kürzlich schon, als ein CNN-Team vor laufender Kamera ohne Angabe von Gründen verhaftet wurde.

Stefan Simons, der als Korrespondent für die Deutsche Welle aus Minneapolis berichtet, fand sich gemeinsam mit seinem Kameramann nun sogar kurzzeitig unter Beschuss durch die Polizei wieder, wie nun die DW selbst auf Twitter dokumentiert. Als er ruft "Wir sind Presse! Hört auf auf uns zu schießen", ziehen sich diese aber offenbar wieder zurück. In einem weiteren Vorfall, in dem Simons nach eigenen Angaben dokumentieren wollte, wie ein anderes TV-Team von drei Polizeiautos umzingelt wurde, drohten ihm Polizisten mit Verhaftung.

Laut Reporter Ohne Grenzen kam es binnen weniger Tage bereits zu mindestens 68 Übergriffen auf Medienschaffende, teils durch Protestierende, teils durch die Polizei. Die Organisation sieht den Schuldigen im Weißen Haus sitzen. "Es war vorauszusehen, dass die Art von Präsident Trump, die Medien zu dämonisieren und ein klares Feindbild aufzubauen, tatsächlich zu Gewalt führen würde. Die beispiellose Brutalität, mit der sowohl die Polizei als auch Protestierende in den vergangenen Tagen auf Reporterinnen und Reporter losgegangen sind, ist das Ergebnis dieser feindseligen Rhetorik", sagte Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. "Die Polizei muss Journalistinnen und Journalisten, die von den Protesten berichten, vor Gewalt schützen und darf sie nicht an ihrer Arbeit hindern."

Zu den schwersten Angriffen gehörte der auf die Fotografin Linda Tirado in Minneapolis, die von einem Gummigeschoss der Polizei getroffen wurde und dadurch ihr linkes Auge verlor. Auch zwei Mitarbeiter eines Kamerateams der Nachrichtenagentur Reuters wurden von Gummigeschossen getroffen. In Pittsburg wurde Ian Smith, Reporter für den Sender KDKA-TV, von einer Gruppe Protestierender zusammengeschlagen, bevor ihm Umstehende zuhilfe kamen und er ins Krankenhaus gebracht wurde. In Washington wurden Leland Vittert, Reporter des TV-Kanals Fox News, und sein Kamerateam geschlagen und von Demonstrierenden verfolgt. In Louisville griff die Polizei Kaitlin Rust, Reporterin des lokalen TV-Senders Wave3-News, und ihr Team während einer Live-Übertragung an. In Phoenix versuchte ein Mann, der CBS-Reporterin Briana Whitney während eines Live-Berichts das Mikrofon aus der Hand zu reißen. Zudem wurden mehrere Medienschaffende festgenommen und so an ihrer Arbeit gehindert.

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