Marcus Wolter © Einat Schneppenheim
Grabosch & Co. verkaufen ihre Anteile

Banijay Deutschland übernimmt Brainpool nun komplett

 

Lange hatte Brainpool-Gründer Jörg Grabosch die Übernahme durch Banijay versucht zu verhindern. Dann verkaufte Stefan Raab seine Anteile und Banijay hatte fortan das Sagen. Jetzt hat Banijay unter Führung von Marcus Wolter alle Anteile übernommen.

von Timo Niemeier
28.06.2020 - 13:30 Uhr

Banijay Deutschland hält ab sofort 100 Prozent an Brainpool. Die beiden Brainpool-Gründer Jörg Grabosch und Ralf Günther sowie Andreas Scheuermann haben ihre Anteile von jeweils 12,5 Prozent an den Konzern verkauft. Das hat Banijay nun gegenüber DWDL.de bestätigt. Brainpool wandert damit vollständig unter das Dach von Banijay Germany, das Unternehmen von Marcus Wolter hielt auch bislang schon die Mehrheit an Brainpool. 

Jörg Grabosch© Brainpool
Damit endet nun auch endgültig eine Ära - und ein jahrelanger Streit. Zusammen mit Stefan Raab hielten Grabosch, Günther und Scheuermann schon vor Jahren 50 Prozent - und sorgten damit für einen Patt im Gesellschafterkreis. Die übrigen 50 Prozent hielt Banijay. Als Stefan Raab seine Anteile 2018 aber an Banijay verkaufen wollte, sah Jörg Grabosch (Foto rechts) sein Lebenswerk in Gefahr - und wollte den Deal verhindern. Es folgte eine juristische Auseinandersetzung, die sich über Monate hinweg zog und das Unternehmen lähmte. Irgendwann zog Grabosch jedoch den Kürzeren - und Banijay übernahm die Mehrheit an Brainpool. 

"Dass uns nun eine Einigung gelungen ist, liegt an der kooperativen Bereitschaft aller Beteiligten."
Marcus Wolter, Geschäftsführer Banijay Deutschland und Brainpool

Gleichzeitig gründete Banijay auch die Banijay Deutschland, deren Geschäftsführer und Gesellschafter der ehemalige EndemolShine-Chef Marcus Wolter wurde. Apropos EndemolShine: Die Produktionsfirma gehört seit Herbst 2019 ebenfalls zu Banijay. Für den deutschen Markt stellt sich damit die Frage, wie man künftig mit den Doppelstrukturen verfahren wird, wo Brainpool jetzt doch auch bald eine 100-prozentige Tochter von Banijay sein wird. 


Ralf Günther bleibt übrigens auch nach der vollständigen Brainpool-Übernahme durch Banijay Geschäftsführer des Köln Comedy Festival. Das ist eine Tochter von Brainpool, die unter anderem den Deutschen Comedypreis veranstaltet. Grabosch und Scheuermann sind bereits seit 2018 nicht mehr als Geschäftsführer tätig - ein Gericht musste das im Zuge der juristischen Streitigkeiten erst bestätigen. 

Eine Ära geht zu Ende

Marcus Wolter© Einat Schneppenheim
Marcus Wolter, Geschäftsführer und Co-Gesellschafter von Banijay Deutschland und Brainpool-Chef, zeigt sich nach dem jahrelangen Hick-Hack nun versöhnlich. Er sagt: "Die Gründer von Brainpool waren die Comedy- Pioniere in Deutschland und haben große Künstlerkarrieren auf den Weg gebracht. Dass uns nun eine Einigung gelungen ist, liegt an der kooperativen Bereitschaft aller Beteiligten, denen ich persönlich ausdrücklich danken möchte und alles Gute wünsche. Brainpool ist jetzt ein komplettes Familienmitglied von Banijay Germany und steht weiterhin für die besten Künstler, erstklassige Comedy und besondere Show-Events".

Für Brainpool endet damit endgültig eine Ära. Grabosch gründete die Produktionsfirma 1994 gemeinsam mit Ralf Günther und Martin Kess, sein Name stand wie kein anderer rund 25 Jahre lang für eines der bekanntesten deutschen Produktionshäuser. Zur Jahrtausendwende war Brainpool sogar an der Börse gelistet, später gehörte man zu Viva Media und dann zu Viacom. 2007 kauften Jörg Grabosch, Ralf Günther, Andreas Scheuermann und Stefan Raab das Unternehmen im Rahmen eines Management-Buyouts zurück, 2009 stieg dann schließlich Banijay ein. Heute gehören zum Banijay-Konzern neben Banijay Deutschland, Brainpool und EndemolShine unter anderem auch Good Times sowie einige Brainpool-Tochterfirmen wie Raab TV, Lucky Pics, MTS und Brainpool Live Artist / Brand. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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