Jetzt geht es doch und zwar ganz schnell: Nach Informationen des Medienmagazins DWDL.de hat man sich bei RTL an diesem Mittwoch und großer öffentlicher Empörung dazu entschlossen, alle Auftritte von Michael Wendler aus den schon fertig produzierten Folgen von "Deutschland sucht den Superstar" herauszuschneiden. Beim Sender heißt es, dass der gestern von DWDL.de veröffentlichte "KZ"-Vergleich des Sängers auf seinem Telegram-Kanal "eine rote Linie überschreite". Die schon veröffentlichten Folgen der Staffel wurden bis zur Bearbeitung bereits aus dem eigenen SVoD-Angebot TV Now entfernt.



Die Nachbearbeitung dürfte relativ aufwändig werden: Seit seinem skandalösen Ausstieg im Oktober und sogar noch gestern Abend hatte RTL stets betont, dass man nicht wirklich eine Wahl habe, da die Castings der neuen Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" abgedreht sind und Michael Wendler inklusive Abstimmungsverhalten wichtig sei für das Verständnis der Show. Wie RTL und die Produktionsfirma UFA Show & Factual diese Herausforderung jetzt umsetzen werden, bleibt abzuwarten. Notfalls sollen Einblendungen fehlende Szenen erklären.

Trotz nötiger Nachbearbeitung soll die zweite Folge der "DSDS"-Castings - gänzlich ohne Wendler-Auftritte - wie geplant am kommenden Samstagabend bei RTL ausgestrahlt werden. Eine in der Zwischenzeit in Betracht gezogene Programmänderung zu einem Spieliflm, um um bis nächsten Dienstag mehr Zeit zur Nachbearbeitung zu haben, wurde verworfen. Die Zeitnot ist jedoch selbstverschuldet: Die Unberechenbarkeit der zweifelhaften Aussagen von Michael Wendler ist schließlich seit Monaten bekannt. Bis gestern jedoch hatte man nicht vor, sich im Rahmen der Ausstrahlung von den dem Sänger und seinen wirren Verschwörungstheorien zu distanzieren.

Parallel zur Ausstrahlung von "DSDS" berichtete DWDL.de dann gestern Abend bei Twitter über die Äußerungen und den KZ-Vergleich von Michael Wendler bei Telegram, die dort mehrere Stunden zuvor getätigt wurden, aber zunächst niemandem auffielen. Die DWDL-Veröffentlichung wurde dann auch von RTL-Stars öffentlich kritisch kommentiert, u.a. von Oliver Pocher und "Sankt Maik"-Schauspieler Daniel Donskoy. Am Mittwoch folgte dann eine noch weit größere Empörungswelle in zahlreichen Artikeln, Kommentaren und Social Media-Veröffentlichungen.

Michael Wendler versuchte sich am Mittwoch in unglaubwürdiger Schadensbegrenzung: Das von ihm benutzte Kürzel "KZ" stehe für "Krisen Zentrum". Eine Erklärung, die niemanden überzeugte. Die "Bild" zitierte im Laufe des Tages immer mehr Politikerinnen und Politiker, die sich über die Holocaust-Verharmlosung und das Handeln von RTL beschwerten.

Ebenfalls gegenüber der "Bild" erklärte RTL-Unterhaltungschef Kai Sturm darauf hin noch: "Wir haben uns entschieden für den Zuschauer ab der nächsten Folge DSDS noch deutlicher zu machen, dass die Dreharbeiten zu einem Zeitpunkt stattgefunden haben, als Michael Wendler noch ein Schlagersänger war und es keine Anzeichen für seine derzeitige politische Einstellung gab." Ein Zwischenstand, der inzwischen überholt ist: Wendler wird gar nicht mehr zu sehen sein.

Jörg Graf © MG RTL D / Boris Breuer Jörg Graf
Update, 16.38 Uhr: Inzwischen bestätigt RTL den DWDL-Bericht. "Wir verurteilen jegliche Form von Antisemitismus, Rassismus sowie Diskriminierung auf das Schärfste. In Zeiten, in denen es darum geht, durch gesellschaftlichen Zusammenhalt, gegenseitige Rücksichtnahme und Respekt gemeinsam eine schwere Krise zu bewältigen, wird RTL mit einer Unterhaltungsshow nicht die Bühne für Menschen sein, die ihrerseits Spaltung und Verharmlosung propagieren", so Jörg Graf, Geschäftsführer des Senders RTL. Michael Wendler wird somit nach Beendigung der Zusammenarbeit im vergangenen Herbst auch aus allen bereits fertig produzierten Folgen der Castingshow DSDS geschnitten.

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: "Der Sender hatte sich bereits damals klar von den Äußerungen des Sängers distanziert, aber zunächst entschieden, die zum damaligen Zeitpunkt bereits aufgezeichneten Folgen auszustrahlen. Mit den gestrigen neuen Äußerungen ist klar: RTL wird Michael Wendler komplett aus der Sendung schneiden, selbst wenn dabei für die Zuschauer sichtbare, dramaturgische Lücken entstehen."