Geldscheine © Chobe / photocase.com
Selbstständige Regisseure und Autoren von Dokumentationen und Dokumentarfilmen können nach Angaben der ARD künftig mit höheren Honoraren als bislang rechnen. Wie die ARD-Sender in einer Pressemitteilung mitteilten, habe man sich mit der Produzentenallianz sowie der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG DOK) und dem Bundesverband Regie (BVR) auf gemeinsamen Vergütungsregelungen verständigt, die seit dem Jahresbeginn gelten. 

Durch die neuen Vergütungsregelungen sind nun Mindesthonorare und Nachvergütungsansprüche für Auftragsproduktionen festgelegt. Insgesamt seien die Honorare für Regisseure und Autoren "deutlich angehoben" worden, heißt es von der ARD. Zur Stärkung von Produktionen mit besonderem Anspruch, etwa investigativen Projekten, seien Zuschläge von bis zu 50 Prozent der Buch- und Regie-Honorare vorgesehen. Ebenfalls neu: Der bisher übliche "Buy-out" mit pauschalen Gagen wird abgelöst durch ein Nachvergütungsmodell. Urheber werden auch am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Filme beteiligt, indem Wiederholungen künftig systematisch erfasst und die Filmemacher prozentual an kommerziellen Erlösen beteiligt werden.

Die neue Vereinbarung gilt für Auftragsproduktionen mit einer Länge von 30 bis zu 90 Minuten. Verhandlungen für Koproduktionen sollen nach Angaben der ARD "zeitnah" aufgenommen werden. Und die ARD hat weitere Änderungen bei den Vergütungen in Aussicht gestellt. So soll in einem weiteren Schritt die pauschale Abgeltung der Mediatheken-Nutzungen "zügig" durch ein nutzungsbasiertes Vergütungsmodel ersetzt werden. Hintergrund ist die Tatsache, dass die Nutzung in den Mediatheken auch für Dokumentarfilmer immer wichtiger wird. 

Michael Kühn, Justitiar des NDR, sagt zu den neuen Vergütungsregeln: "Dokumentationen sind prägender und fester Teil in unseren öffentlich-rechtlichen Programmen. Nach intensiven Verhandlungen ist es gelungen, die Honorare der Dokumentarfilmer*innen deutlich anzuheben und eine Nachvergütungen für besonders erfolgreiche Dokumentationen einzuführen. Auch aufwendige journalistische Recherchen erfahren stärkere Anerkennung. Die gemeinsamen Vergütungsregeln stellen einen Paradigmenwechsel dar und begründen eine neue Partnerschaft zwischen den Dokumentarfilmer*innen und der ARD."

Alexander Thies, Vorstandsvorsitzender der Produzentenallianz, sagt: "Wir sind sehr froh darüber, dass es nach komplexen Gesprächen gelungen ist, die Position der Autor*innen und Regisseur*innen von dokumentarischen Programmen zu stärken und ihre wichtige Arbeit angemessen zu honorieren. Wir freuen uns über die Bereitschaft der ARD, damit die aus den GVR resultierenden Mehrkosten aus den dafür bereitgestellten Sondermitteln zu finanzieren und damit die Doku-Budgets insgesamt anzuheben."

"Es gibt viel zu tun"

Und David Bernet und Susanne Binninger von der AG DOK ergänzen: "Unser Verband hat seit vielen Jahren die wirtschaftliche Lage von Dokumentarfilmschaffenden analysiert und die oft ungenügenden und für Buch und Regie nicht geregelten Honorare beklagt. Wir freuen uns daher sehr, dass mit dieser Vergütungsvereinbarung ein deutlicher Sprung nach vorne gelungen ist, um vor allem die angemessene Honorierung von Kreativleistung und Nutzung von Urheberrechten von Autor*innen und Regisseur*innen unseres Genres zu verbessern. Wir hoffen auf eine rasche und kreativenfreundliche Umsetzung." Cornelia Grünberg und Jobst Oetzmann, BVR: "Wir freuen uns sehr, dass es uns erstmalig gelungen ist, die AG DOK zusammen mit dem BVR an einen Verhandlungstisch mit der ARD und der Produzentenallianz zur Verbesserung der Vergütung der Dokumentarfilmer*innen zu bringen. Nach intensiven Verhandlungen, in denen wir überzeugend das Missverhältnis von Arbeitsaufwand und Honorierung darstellen konnten, verabschieden wir heute nun ein Ergebnis, das die prekäre Arbeitssituation für viele Dokumentarfilmer*innen deutlich verbessern wird. Dennoch gibt es viel zu tun. Die Bewertung der Mediatheken und ihrer immer stärkeren Nutzung muss ebenso der Realität angepasst werden wie die Bewertung von Arte, KiKA und anderer Spartenkanäle."