1983 veröffentlichte der "Stern" die angeblichen Tagebücher von Adolf Hitler. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass sie gefälscht waren. Für das Nachrichtenmagazin und die Verlage dahinter, Gruner + Jahr und Bertelsmann, geriet die Veröffentlichung zu einem Desaster, bis heute sind die gefälschten Tagebücher einer der größten Medienskandale Deutschlands. Nun hat Bertelsmann angekündigt, die gefälschten Hitler-Tagebücher an das Bundesarchiv zu übergeben. Die Ankündigung kommt kurz vor dem Beginn der am Montag startenden Konferenz des Münchner Instituts für Zeitgeschichte (IfZ) zur Geschichte des "Stern" und seiner prägenden Personen.

Bertelsmann hatte das IfZ im August 2022 mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte des Magazins "Stern" beauftragt. Im Februar war der Forschungsauftrag um eine Untersuchung des Umgangs mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern erweitert worden. Im Zuge des Forschungsprojektes des IfZ überführt Bertelsmann alle historisch relevanten Unterlagen von Gruner + Jahr bzw. dem "Stern" ins Unternehmensarchiv nach Gütersloh. Die gefälschten Hitler-Tagebücher gelten jedoch als besonderes Dokumente der Zeitgeschichte und sollen daher noch in diesem Jahr an das Bundesarchiv übergeben und dort nutzbar gemacht werden.

Bertelsmann-Boss Thomas Rabe sagt: "Die Übergabe der gefälschten ,Hitler-Tagebücher' an das Bundesarchiv garantiert eine fachgerechte Sicherung und Nutzbarkeit dieses Quellenbestands aus der bundesrepublikanischen Geschichte der 1980er-Jahre. Für uns ist sie - nach der Beauftragung des IfZ - ein weiterer Schritt in einem auf Transparenz, Wissenschaftlichkeit und Unabhängigkeit ausgerichteten Umgang mit der Unternehmensgeschichte. Wir freuen uns, dass das Bundesarchiv, das vor 40 Jahren bereits die Fälschung der Tagebuch-Kladden zweifelsfrei nachweisen konnte, nun auch deren Archivierung übernehmen wird."

Michael Hollmann, Präsident des Bundesarchivs, erklärt: "Die gefälschten ,Hitler-Tagebücher' sind als eigentümliche Zeugnisse der bundesrepublikanischen Zeitgeschichte im Bundesarchiv gut aufgehoben. Sie zeigen einen dreisten Versuch, den brutalen Verbrechen des Nationalsozialismus einen menschlichen Anstrich zu geben, der in den 1980er-Jahren in der Gesellschaft auf Resonanz traf. Die Dokumente werden nach ihrer Übergabe im Bereich der Abteilung 'Bundesrepublik Deutschland' am Standort Koblenz auf Dauer aufbewahrt und im Rahmen unseres gesetzlichen Auftrags zugänglich gemacht werden."