NYC Point Of View vom 3. Juli

(Un-)Glück? Vox blüht wohl 100-mal Charlie Sheen

von Matthias Müller
03.07.2012 - 11:34 Uhr

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Charlie Sheens neue Sitcom "Anger Management" legt Rekord-Start hin und nimmt Sheens Krieg mit "Two and a half Men" aufs Korn. Außerdem: "Grey's Anatomy" droht Rechtsstreit, da Mitarbeitern unrechtmäßig gekündigt wurde...

Anger Management
© FX
In der letzten Woche hatte das lange Warten für die Charlie Sheen Fans in den USA ein Ende. Die neue groß angekündigte Sitcom mit TV-Rüpel Sheen in der Hauptrolle soll für den Kabelsender FX das absolute Aushängeschild in diesem Jahr werden und den Sender im Genre Comedy neu aufstellen. Begleitet von viel Promotion in den letzten Wochen legte das neue Sheen-Projekt mit den ersten beiden halbstündigen Episoden einen fulminanten Start hin, die die Erwartungen übertrafen. "Anger Management" bescherte FX den erfolgreichsten Serienneustart in der Geschichte des Senders und darüber hinaus bedeuteten insgesamt 5,47 Millionen Zuschauer (2,1 Zielgruppenrating) einen neuen Rekord über den Sender hinaus: Noch nie zuvor erreichte eine gescriptete Comedyserie auf einem Kabelsender mehr Zuschauer bei einer Premiere. Noch erstaunlicher ist allerdings die Tatsache, dass die zweite Folge, die direkt im Anschluss gezeigt wurde, sogar fast 300.000 Zuschauer hinzugewinnen konnte.

FX Networks
© FX Networks
Offensichtlich sind die Amerikaner immer noch nicht müde von Charlie Sheen und seinen Eskapaden, wobei zum Start sicherlich auch viele Amerikaner aus Neugierde einschalteten um zu sehen, ob das neue Format an die Erfolge von "Two And A Half Men" anknüpfen kann. Auch wenn in New York keine Plakatkampagne geschaltet wurde, war Sheen in der Subway und in den Bürofluren das Gesprächsthema in der letzten Woche und sämtliche Boulevard-TV-Magazine berichteten vor und nach der Premierensendung mit großen Features über "Anger Management". Zusätzlich stimmte FX seine Zuschauer mit verschiedenen bissigen Promotrailern auf einen energie- und wutgeladenen Charlie Sheen ein, die mit Galgenhumor nicht sparten. Besonders der Haupttrailer brachte sicherlich den ein oder anderen Zuschauer zum Schmunzeln, da jener auf die unzähligen Fehltritte des Krawall-Schauspielers vor und hinter der Kamera anspielt:



Anger Management Szenenfoto
© FX
Programmplanerisch überlegten sich Sheen und der Sender FX eine außergewöhnliche Strategie, die sicherlich auch dazu beitrug, dass die Premiere ein voller Erfolg wurde. Vor der Premierenfolge am vergangenen Donnerstagabend zeigte FX einen 12-stündigen "Two And A Half Men"-Marathon mit insgesamt 24 Folgen, um die Sheen-Fans schon einmal in Stimmung zu bringen. Sheen selbst setzte sich für diese Programmierung ein und scheint nun endlich auch Frieden mit "Two And A Half Men" geschlossen zu haben, da er sich während einer kürzlichen FX-Party anlässlich des Comedy-Lineups erstmals kleinlaut bezüglich des Krieges mit "TAAHM"-Produzent Chuck Lorre äußerte: "Vergesst die ganze Schlammschlacht. Er ist ein Genie. Danke Chuck." Worte, die Sheen vor einem Jahr noch nicht einmal gedacht hätte. Ganz ohne Seitenhieb wollte Sheen aber dann doch nicht in sein neues Projekt "Anger Management" starten, denn in der ersten Szene der Pilotfolge begrüßte er die Zuschauer mit ernstem und wutentbranntem Gesicht: "Ihr könnt mich nicht feuern. Ich kündige. Ihr wollt mich einfach mit jemand anderem austauschen - nur zu. Das wird aber nicht das gleiche sein. Ihr denkt wohl ich hätte verloren? Aber da habt ihr euch getäuscht…" Was auf den ersten Blick wie eine erneute Kampfansage wirkte, stellte sich aber schnell als Teil seiner neuen Rolle heraus.

VOX Station ID
© VOX
Sheen spielt in "Anger Management" den Ex-Sportler und geschiedenen Vater Charlie Goodson, der sein aggressives Verhalten und seine Wutanfälle nicht in den Griff bekommt. Obwohl er ironischerweise selbst in Therapie ist und immer wieder Sex mit seiner Therapeutin hat, gibt er gleichzeitig scheinbar hoffnungslosen Menschen mit Wutanfällen daheim und im Gefängnis in Sitzungen Ratschläge. Den unendlichen Sextrieb seines Charlie-Charakters aus "TAAHM" hat er sich bei "Anger Management" also beibehalten. Die ersten beiden Folgen sprühten vor Witz und Galgenhumor und Charlie Sheen bewies dank einer phänomenalen Autorencrew sein perfektes Timing, was hoffen lässt, dass die Zuschauer mehr als nur die zehn geplanten Folgen zu sehen bekommen. Nach dem sensationellen Start stehen die Zeichen aber gut, dass "Anger Management" in Kürze verlängert wird. Sollte dies der Fall sein, werden direkt 90 weitere Folgen ab Anfang August produziert, was auch die internationalen Sender betreffen wird. Jene mussten sich beim Lizenzerwerb dazu verpflichten, im Falle einer Verlängerung alle insgesamt 100 Episoden abzunehmen. In Deutschland sicherte sich VOX die Rechte und darf also schon einmal darauf spekulieren, 50 Stunden Programm mit Charlie Sheen zu füllen.

IATSE Logo
© IATSE
Nachdem erst kürzlich bereits die Lifetime-Produktion "Liz & Dick" unter Beobachtung der Produktionscrew-Vereinigung IATSE stand, da die Arbeitsbedingungen und geforderten Überstunden mehr als fragwürdig erschienen, erwischte es in der letzten Woche die ABC-Dauerbrenner-Serie "Grey’s Anatomy". Während die Fans seit dem Schock-Finale im Mai um die Zukunft ihrer Serienlieblinge bangen, spielten sich hinter den Kulissen weitaus dramatischere Szenen ab. Berichten zu Folge beschwerten sich zwei Kameramänner, ein Beleuchter und mehrere Techniker der Produktionscrew bei der Personalabteilung von Disney über die feindlichen und unerträglichen Arbeitsbedingungen am Set, die angeblich durch den Director of Photography Herbert Davis verursacht wurden.

Greys Anatomy
© ProSieben/ABC
Genaue Details zu den Unstimmigkeiten am Set wurden nicht bekannt gegeben, es ist lediglich die Rede von Spannungen während der Dreharbeiten zur zuletzt gelaufenen Staffel von "Grey’s Anatomy". Die Folge davon war, dass die Beschwerden der Produktionsleute mit direkten Kündigungen beantwortet wurden. ABC Studios muss sich nun also für diese Verhaltensweise rechtfertigen und wird sicher alles daran setzen zu beweisen, dass die Kündigungen in keinster Weise im Zusammenhang mit den Beschwerden der Mitarbeiter stehen.

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