© BR/Theresa Högner
Radio-Update vom 27. Juli

Sputnik spart, Klagen gegen Puls/Klassik-Tausch abgewiesen

 

Der MDR spart bei seiner Jugendwelle Sputnik in den "Randzeiten" und stellt u.a. das "Talkradio" ein. Der BR verbucht 2 juristische Siege im Streit um den Frequenztausch von Puls und BR Klassik. Und der HR dementiert Gerüchte über eine Hörfunkreform.

von Uwe Mantel
27.07.2017 - 11:11 Uhr

MDR Sputnik© MDR
Der MDR setzt bei seinem Jugendradio Sputnik den Rotstift an. Seitens des Senders heißt es, man werde "bei den Randzeiten justieren". Konkret läuft bereits am kommenden Sonntag zum letzten Mal das "Talkradio" mit Maurice Gajda und Kevin Klose, das erst im Frühjahr in Serie ging. Ende des Jahres wird die Sendung "Sputnik Soulfood" eingestellt. "Mit Blick auf die geänderte Prognose für die Erträge des MDR aus Rundfunkbeiträgen werden wir die Verwendung der Mittel stärker strategisch ausrichten", heißt es zur Begründung. So sei Sputnik eine trimediale Marke und wolle bei der Ansprache der jungen Zielgruppen stärker auf Bewegtbild setzen, etwa bei der Präsentation von Konzertevents. Entwickelt würden auch neue crossmediale Formate zur Verschränkung von Video und Radio u.a. zu den Themen Literatur und Film/Serien. Maurice Gajda zeigt sich gegenüber DWDL.de enttäuscht von der Entscheidung, das "Talkradio" einzustellen: "Kevin und ich sind sehr traurig über die Entscheidung das Talkradio, dass online sehr starke Impulse hatte (Twitter Trending Topics) und als ein original Podcast auch multimedial gut aufgestellt war, aus finanziellen Nöten eingestellt wird. Als Hörer werde ich diese, eh schon sehr seltene, Programmfarbe vermissen und als Moderator bedauere ich, dass junges Radio in Deutschland immer mehr Ecken und Kanten verliert."

BR Puls© BR
Der geplante Frequenztausch der BR-Jugendwelle Puls und BR-Klassik, wodurch BR-Klassik nur noch digital, Puls künftig auch analog verbreitet werden soll, hat zwei juristische Hürden genommen. So hat der Bayerische Verfassungsgerichtshof die Popularklage - die in Bayern jeder Bürger einreichen kann - zurückgewiesen. Dieser stellte fest, dass der BR seinen Grundversorgungsauftrag durch alle seine zehn Programme erfüllt und es nicht darauf ankommt, in welcher Übertragungstechnik er das tut. Im Rundfunkstaatsvertrag finden sich zwar an zwei Stellen die Sätze "Die analoge Verbreitung bisher ausschließlich digital verbreiteter Programme ist unzulässig" (§19) und " Der Austausch eines in digitaler Technik verbreiteten Programms gegen ein in analoger Technik verbreitetes Programm ist nicht zulässig" (§11c). Das Verfassungsgericht bezeichnete die Regelungen aber als "sprachlich missglückt", da der Normgeber lediglich  eine Obergrenze für die Anzahl analog verbreiteter Hörfunkprogramme habe festlegen wollen. Auch gegen die Rundfunkfreiheit werde nicht verstoßen, da es beim digitalen Empfang keine "vom analogen Sendebetrieb signifikant abweichende (geringere) Flächendeckung" gebe und sich die Kosten für die Anschaffung eines Digitalradios auch "im unteren Bereich" bewegen würden, sodass ein Empfang grundsätzlich möglich sei.

BR Klassik© BR
Und dann hat das Oberlandesgericht München auch die Klage der Privatradios in zweiter Instanz abgewiesen und damit ein Urteil des Landgerichts aus dem Juni 2016 bestätigt. Das hatte geurteilt, dass ees genuine Aufgabe des BR im Rahmen der Grundversorgung sei, alle Altersgruppen und damit auch die Jugend zu erreichen. Welcher Schwerpunkt auf welchem Übertragungsweg ausgestrahlt wird, sei weder nach dem Rundfunkstaatsvertrag noch nach dem Bayerischen Rundfunkgesetz in irgendeiner Form vorgeschrieben, so das Landgericht in seiner damaligen Begründung. Die Privatsender können nun aber noch in Revision gehen. BR-Justiziar Albrecht Hesse: "Der Bayerische Rundfunk begrüßt die Entscheidung des Oberlandesgerichts München. Wir sehen uns damit erneut in unserer Auffassung bestätigt, dass der Tausch der UKW-Frequenzen von BR-Klassik und PULS nach Art. 2 Abs. 4 des Bayerischen Rundfunkgesetzes zulässig ist und wir uns mit den geplanten Maßnahmen auf dem Boden geltenden Rechts bewegen. Wir werden die Entscheidung zunächst einmal sorgfältig prüfen und auch mit unseren Gremien bewerten. Da das OLG Revision zugelassen hat, ist davon auszugehen, dass die Gegenseite weitere Rechtsmittel einlegt und sich das Verfahren damit noch hinzieht."

Hessischer Rundfunk hr© hr
Der Hessische Rundfunk tritt Spekulationen entgegen, nach denen wegen Spardrucks eine große Hörfunk-Reform vor der Tür stehe. Bei radioforen.de wird gemunkelt, dass eine Fusion von You FM und hr3 bevorstehen könne, zugleich hr1 verjüngt würde und hr4 zum Oldie/Classic-Format umgebaut werden solle. Hörfunkdirektor Heinz Sommer verweist das auf DWDL.de-Anfrage in den Bereich der Fantasie. Mit den Gerüchten konfrontiert antwortet er kurz und knapp: "Nein, es steht keine größere Hörfunkreform an."

BLM© BLM
Für Irritation sorgt bei den Privatsendern in Bayern derzeit ein Schreiben der dortigen Landesmedienanstalt BLM, wie die "Süddeutsche" berichtet. Nachdem Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) in einem Schreiben an die BLM darauf verwiesen hat, dass auch der private Rundfunk im Sinne des Bayerischen Integrationsgesetzes aktiv werden und einen "Beitrag zur Vermittlung der deutschen Sprache und der Leitkultur" leisten müsse, wandte sich die BLM wiederum in einem Rundschreiben an alle lokalen Hörfunk- und TV-Anbieter. In diesem wurden die Sender gebeten, bis 11. August darzulegen, welche bereits bestehenden Angebote es bereits gebe. Ansonsten bitte man, die Anforderungen bei der künftigen Programmgestaltung zu berücksichtigen. Einige Sender wandten sich daraufhin an die "SZ" und sprachen von einem "Eingriff in die Pressefreiheit" - da die Sender allerdings von der BLM lizenziert werden, wollte sich niemand öffentlich äußern. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher sprach von einem "Unding" und dem "langen Arm der CSU-Regierung in die Redaktionsstuben". Man wolle den Vorgang in der nächsten Sitzung des Medienrates zur Sprache bringe. Die SPD haben wie auch die Grünen ohnehin Verfassungsbeschwerde gegen das Integrationsgesetz mit dem "Leitkultur"-Begriff eingelegt. Das Wirtschaftsministerium weist die Kritik zurück und spricht davon, dass Aigners Brief lediglich informativ auf den Inhalt des Gesetzes hingewiesen habe.

Spotify© Robert Scoble / Flickr (CC BY-ND 2.0)
Spotify und das öffentlich-rechtliche funk machen gemeinsame Sache beim neuen Projekt "Clarify". Ab dem 1. August wird in acht Podcast- und Videofolgen im Wochenrhythmus jeweils ein aktuelles Thema der Bundestagswahl diskutiert. Gastgeberin Visa Vie spricht jede Woche mit einem anderen deutschsprachigen Musiker über gesellschaftliche Fragen sowie ihre/seine persönlichen Ansichten und privaten Berührungspunkte damit. Der Podcast ist immer dienstags exklusiv auf Spotify verfügbar, funk zeigt die besten Szenen aus den Interviews als Zusammenschnitt und ein Erklär-Video über die Hintergründe des Talkthemas. Montags gibt's zur Einstimmung schonmal ein Videoporträt des nächsten Talkgastes. Produziert wird "Clarify" von detektor.fm (Audio) und Hyperbole (Video). "Wir erreichen mit unserem Musik Streaming Service sehr viele junge Menschen. Und genau diese Personen möchten wir gemeinsam mit funk für die für sie relevanten Themen der anstehenden Bundestagswahl 2017 sensibilisieren”, sagt Dossie McCraw von Spotify. „In ‘Clarify: Große Themen, klare Worte‘ sprechen Musiker über ihre Standpunkte zu politischen Fragen. Man erfährt also etwas, das man vorher vermutlich noch nicht über den einzelnen Künstler wusste und informiert sich dabei im besten Fall noch über ein gesellschaftlich relevantes Thema", so funk-Chef Florian Hager.

Radioplayer Deutschland© Radioplayer Deutschland
Der Radioplayer, die gemeinsame Initiative der privaten und öffentlich-rechtlichen deutschen Radiosender, ist ab sofort auch als App für Smart-TVs erhältlich. Sie steht bereits für Amazons Fire TV und den Fire-TV-Stick sowie über Android TV und auf Opera TV-Systemen zur Verfügung. Damit werden jetzt Smart-TVs, Blu-Ray-Player und Set-Top-Boxen u.a. von Sony, Samsung, HiSense und Vestel unterstützt. In den kommenden Wochen wird das Angebot für weitere Plattformen wie Philips, Toshiba, Panasonic, Medion, Sharp, etc. erweitert. Geschäftsführerin Caroline Grazé: "Die Aufgabe des Radioplayers ist es, seinen Mitglieds-Sendern die bestmögliche Auffindbarkeit und den Zugang zu neuen Unterhaltungstechnologien zu sichern, vor allem auf proprietären Endgeräten. Die Integration in die verschiedenen Smart-TV-Plattformen ist parallel zu unseren Aktivitäten mit Amazons Alexa und Sonos-Lautsprechersystem der natürliche nächste Schritt."

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