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DWDL.de-Interview mit Daniel Rosemann

ProSieben setzt auf Drag Queens, mehr Klum und Joko&Klaas

 

Mit "The Masked Singer" voraus und Rückenwind durch "Joko & Klaas gegen ProSieben" ist ProSieben-Chef Daniel Rosemann optimistisch. In der neuen Saison lässt er Heidi Klum die "Queen of Drags" suchen, setzt auf neue Shows und mehr eigene Comedyserien.

von Thomas Lückerath
26.06.2019 - 13:17 Uhr

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Herr Rosemann, die 15 zuletzt meistdiskutierten und gelobten Minuten von ProSieben hatten nicht Sie zu verantworten sondern Joko & Klaas. Wann übernehmen die Beiden den Sender?

Auf diese Frage habe ich lange warten müssen. Fast zu lange. Viele Jahre musste der ProSieben-Chef die Frage beantworten, wann Stefan Raab denn endlich den Sender übernimmt. Deswegen mag ich mit ein bisschen stolz sagen: Es ist offensichtlich eine Kunst von ProSieben, dass wir Künstlern viel Freiraum geben und gleichzeitig so führen, dass sie mit viel Spaß magische Fernseh-Momente schaffen. Das ist Joko und Klaas in den letzten Wochen regelmäßig gelungen.



Mal ernst nachgefragt: Was nimmt man mit von der Aktion? Muss Fernsehen mehr überraschen? Brauchen wir mehr Live-Fernsehen?

Aus dem, was in den letzten Wochen bei uns passiert, leiten sich noch mehr Fragen ab: Wie anarchisch muss Fernsehen sein? Und wie anarchisch darf Fernsehen sein, so dass es weiterhin massentauglich ist? Wie durchgestylt und perfekt darf eine Show im Jahr 2020 sein? Um Ihre Fragen zu beantworten: Live wird für ProSieben sicher wichtiger, ist aber leider nicht immer umsetzbar. Darüber hinaus müssen wir ganz klar lernen: Joko und Klaas können mit sperrigen Themen mehr Menschen begeistern als die meisten anderen Künstler. Dafür werden wir ihnen weiter Platz und Raum geben. Und natürlich machen wir mit „Joko und Klass gegen ProSieben“ weiter. Schon im Herbst kommt die zweite Staffel.

Wie kam es zu der Entscheidung „The Masked Singer“ in Deutschland als Live-Show zu realisieren? In den USA wurde voraufgezeichnet. Das ist ja so einer heiklen Produktion ja keine leichtfertige Entscheidung…

Das Live macht „The Masked Singer” für den Sender und den Produzenten nicht einfacher. Die Geheimhaltung erfordert einen Plan der komplexer ist als eine komplizierte Steuererklärung. Aber für alle Zuschauer wird durch das Live-Senden „The Masked Singer“ ungleich spannender. Was passiert, wenn jemand die Maske unabsichtlich auf der Bühne verliert? Oder sich jemand verplappert? Sie sehen - unabhängig von diesen 15 Joko&Klaas-Minuten – waren wir vor ein paar Monaten schon mutig. Deswegen senden wir live.

Daniel Rosemann

ProSieben-Chef Daniel Rosemann bei der Vorstellung von "Queen of Drags". Bill Kaulitz und Conchita Wurst waren auch da. 

Mal produktionstechnisch gefragt: Wie viele Personen wissen denn, wer sich unter den absurden Kostümen versteckt?

Genau acht Kollegen im Sender und an der Produktion zusammen wissen, wer unter allen Masken steckt. Das macht vieles in der Vorbereitung ganz anders als sonst. Ich kann zum Beispiel mit meinem Chef Wolfgang Link oder meinem Stellvertreter Christoph Körfer nicht über die Namen fachsimpeln. Sie kennen sie einfach nicht. Und auch die einzelnen Teilnehmer kennen keinen anderen Namen. Das Monster weiß also nicht, wer in der Schmetterlings-Maske steckt. Verrückt. Nach den vielen Monaten der Vorbereitung „platzt“ man jetzt fast, es den Menschen endlich zu zeigen.

Wie wütend macht es, wenn RTL sich kurzerhand ein „Let’s Dance“-Special einfallen lässt, was ganz zufällig auf einem Fiction-Sendeplatz läuft - direkt gegen ihren Showlaunch?

Wütend? Das ist eine Ehre. RTL hat uns zum Start von „The Voice of Germany“ dieselbe Ehre mit einer Sonderprogrammierung des Supertalents erwiesen. Daran erinnert man sich kaum, weil es schon so lange her ist. Und ja: Es hat uns damals geholfen.

Das erste neue Großprojekt steht nun also unmittelbar bevor. Was sind die weiteren Highlights der kommenden Saison?

Die große Botschaft für die nächsten Monate ist: Wir bauen unsere Eigenproduktionen weiter aus. 2019 zeigen wir 33 Prozent mehr Eigenproduktionen als in 2018. Wir machen noch in diesem Herbst mit „Joko und Klaas gegen ProSieben“ weiter. Und wir freuen uns, dass wir es nach 14 erfolgreichen Jahren endlich geschafft haben, dass Heidi Klum eine zweite Show auf ProSieben macht. Gemeinsam mit Conchita Wurst und Bill Kaulitz kürt sie die „Queen of Drags“.

Sich dem Thema Drag zu widmen, dürfte wohl auch dem Kult um „RuPauls Drag Race“ geschuldet sein. Auch wenn Sie ein Format mit eigener Handschrift realisieren, ist Heidi Klum also die deutsche Antwort auf RuPaul?

Wir haben schon lange über das Thema Dragqueen nachgedacht. Und darüber, wie wir das Thema für ProSieben angemessen umsetzen können. In der vorletzten Staffel #GNTM haben unsere Zuschauer die Drag-Folge sehr gefeiert. Deswegen haben wir jetzt mit der ProSiebenSat.1 Produktionsfirma Red Seven eine eigene Show entwickelt. Und mit Heidi Klum, Conchita Wurst und Bill Kaulitz drei Entertainer in der Jury, die auf nationalen und internationalen Bühnen große Erfolge feiern.

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