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RiC wagt bald auch einen internationalen Aufschlag

 

Im Kampf um die kleinen Zuschauer mischt auch RiC schon fast seit sieben Jahren mit. Wie der Sender sich vor allem von der kommerziellen Konkurrenz abheben will und warum man bald einen internationalen Ableger startet, erklärt Your Family Entertainment-Chef Stefan Piëch im Gespräch mit DWDL.de.

von Timo Niemeier
02.08.2019 - 15:22 Uhr

Steckbrief

Sendestart: 10. September 2012
Geschäftsführer/Vorstandsvorsitzender: Stefan Piëch
Programmverantwortliche: Laurence Robinet
Eigentümer: Your Family Entertainment AG (wird über die F&M Film und Medien Beteiligungs GmbH von Alleinvorstand Stefan Piëch kontrolliert)
Kernzielgruppe: Familien

Werdegang & Profil

Der Kinderfernsehen-Markt ist eigentlich klar aufgeteilt: Super RTL ist seit Jahren Marktführer, dahinter folgt der öffentlich-rechtliche Kika. Der Disney Channel hat sich schnell als Nummer drei im Markt etabliert und mit Nickelodeon gibt es einen vierten Sender, der ein vergleichsweise großes Publikum erreicht. Aber auch neben diesen vier Kanälen gibt es im klassischen linearen Fernsehen weitere Angebote für Kinder, etwa den Sender RiC, der nun schon seit fast sieben Jahren sendet und zur Your Family Entertainment AG (YFE) gehört, die mit Fix & Foxi auch einen eigenen Bezahlsender für Kinder und Familien betreibt. 


Stefan Piëch© YFE AG
YFE-Chef Stefan Piëch (Foto) kündigte damals zum RiC-Start an, dass man "pädagogisch anspruchsvolle und gute Unterhaltung" zeigen wolle. Der Senderchef zielte auf die Kika-Zielgruppe und Unternehmen, die in einem solchen Umfeld werben wollten, es beim öffentlich-rechtlichen Kindersender aber nicht konnten. Auch heute steht das sogenannte "Edutainment" im Fokus von RiC. "Unsere Programme sind oftmals pädagogisch wertvoll, mit europäischen Wurzeln", sagt Piëch im Gespräch mit DWDL.de. Highlights beim Sender sind die Live-Action-Serie "Neon Rider", in der es um einen Mann geht, der sich in den Rocky Mountains um schwierige Jugendliche kümmert, oder auch die Animationsserie über den Planeten "Agi Bagi", auf dem die Agingas und die Bagingas im Einklang mit der Natur leben.

Finanziert wird der Sender über Werbung. Trotz des derzeit eher rückläufigen Werbemarkts kann man bei der YFE AG nach eigenen Angaben nicht klagen. "Die bisherige Entwicklung des TV-Werbemarkts stellt sicherlich eine Herausforderung für die großen etablierten Sender dar, für unser Free-TV-Sendergeschäft sieht es sogar besser aus. Die Kundenansprache in der Nische funktioniert immer besser", sagt Piëch. Man habe immer Wert auf langfristige Kooperationen gesetzt, sagt der Vorstandsvorsitzende. 

Geld kommt auch über ein langes Teleshopping-Fenster rein. Um 19:30 Uhr beendet RiC sein Programm und zeigt dann nur noch Teleshopping. Bis zum Ende des vergangenen Jahres war in der Primetime bis in die Nacht der Seriensender eoTV mit einem eigenen Programmfenster bei RiC vertreten, diese Zusammenarbeit endete aber zum 1. Januar 2019. Inzwischen ist eoTV insolvent (DWDL.de berichtete). Bei RiC erstreckt sich das Teleshopping daher nun vom Vorabend bis 6 Uhr in der Früh. In der klassischen Werbung, das betonte der Senderchef bereits 2012, wolle man keine Inhalte, die "dick und doof" machen. Das sagte Piëch in Interviews auch noch in der jüngeren Vergangenheit. Der lineare Verbreitungsweg bleibt für Piëch der wichtigste, um die Kinder und ihre Eltern zu erreichen. Die zeitversetzte Nutzung sei aber eine "wichtige Ergänzung". 

"Die Kundenansprache in der Nische funktioniert immer besser."
Stefan Piëch, Vorstandsvorsitzender der Your Family Entertainment AG

Ein Alleinstellungsmerkmal von RiC ist außerdem die letzte halbe Stunde vor Sendeschluss. Hier zeigt man nämlich kein Bewegtbild, sondern setzt auf Hörgeschichten. Das soll laut dem Sender den Eltern dabei helfen, die Kinder zu beruhigen und ins Bett zu bekommen. Ungewöhnlich ist auch die Tatsache, dass RiC auf seiner Webseite Eltern Tipps gibt, wie lange sie ihre Kinder Fernsehen schauen lassen sollten. Zwischen sechs und acht Jahren sollten Kinder demnach weniger als eine Stunde täglich vor dem Fernseher sitzen. 

Empfangen werden kann RiC über Satellit, viele Kabelnetze und IPTV-Anbieter. Doch die YFE AG will mehr und hat gegenüber DWDL.de nun auch den Start einer internationalen Version des Senders angekündigt. Ab dem 1. September soll dieser an den Start gehen und unter anderem auf dem Satellit Eutelsat 16°E der Telekom Austria empfangbar sein. Der Sender soll danach sukzessive von anderen Plattformen und OTT-Services in Zentral- und Osteuropa eingespeist werden. Das soll aber nur der Anfang sein, sagt die Programmchefin Laurence Robinet gegenüber DWDL.de. "Unser Ziel ist es RiC, analog zu unserem preisgekrönten Pay-TV-Sender Fix & Foxi, international zu verbreiten." Auf dem internationalen Kanal soll unter anderem "Mission Odyssey" laufen. Die Rechte an der 26-teiligen Serie hält man bereits seit rund zehn Jahren, erstmals im deutschen Fernsehen lief die Produktion 2008 im Kika.

Kommen nach Kinder-TV Volkswagen und Porsche?

In der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen, dass Stefan Piëch in Zukunft einer der starken Männer bei Volkswagen und Porsche werden könnte. Das liegt schon allein an seinem Namen. Piëch ist der Sohn von Hans Michel Piëch, der langjähriges Aufsichtsratsmitglied von Porsche und Volkswagen ist. Geben die Familien Porsche und Piëch die Macht bei den Autokonzernen demnächst an die nächste Generation weiter, so könnte Stefan Piëch davon profitieren. Seit 2015 sitzt er im Aufsichtsrat von Seat Spanien, das Unternehmen gehört ebenfalls zum VW/Porsche-Konzern. Im vergangenen Jahr kam ein Sitz im Porsche-Aufsichtsrat hinzu. Dort soll er, so berichten es mehrere Wirtschaftsmedien, an den Autokonzern herangeführt werden, um später noch mehr Verantwortung zu übernehmen. Ob und wenn ja wann Piëch überhaupt diese zusätzlichen Aufgaben übertragen bekommt, ist nicht klar. Zu groß und undurchsichtig erscheinen die Familienclans hinter den Autobauern. Bis es möglicherweise soweit ist, hat er mit der Your Family Entertainment AG aber ohnehin genug zu tun. 

Über den Autor

Timo Niemeier schreibt mit kleiner Unterbrechung seit 2014 für DWDL.de, er lebt in Wien und ist damit der Alpen-Beauftragte. Mag seichte Unterhaltung ebenso wie anspruchsvolle High-End-Serien, kann sich aber auch in Geschäftsberichten verlieren.

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