Marcus Ammon © Sky Deutschland
Marcus Ammon bei den "Talking Heads"

Sky und die Serien-Pläne: Wahrnehmung statt Quote

 

Seit Jahren träumt Sky von der Produktion eigener Serien. Mit einem schnellen Start ist aber weiterhin nicht zu rechnen, betonte Filmchef Marcus Ammon in Köln. Dabei ist Sky auch zu einem Hoffnungsträger für Produzenten geworden.

von Alexander Krei
28.03.2013 - 09:47 Uhr

Schon vor knapp drei Jahren äußerte Brian Sullivan bei einem Gespräch den Wunsch nach einer fiktionalen Eigenproduktion. Was der Chef des Pay-TV-Senders Sky damals eher beiläufig erwähnte, gehört inzwischen zum festen Vokabular. Spätestens in der zweiten Hälfte 2011 wolle er "local original content" auf Sendung sehen, sagte er damals. Inzwischen ist klar: Ganz so einfach ist das mit der Fiction im Pay-TV nicht. Nun, Anfang 2013, ist der Bezahlsender, der sich derzeit über steigende Abo- und Geschäftszahlen freut, zumindest in diesem Punkt noch keinen Schritt weiter. Und doch sind die Hoffnungen der Produzenten nach wie vor groß.

Sky-Filmchef Marcus Ammon dürfte bei der Veranstaltungsreihe "Talking Heads", die der Verband der Fernseh-, Film-, Multimedia- und Videowirtschaft VFFV in dieser Woche gemeinsam mit dem Medienmagazin DWDL.de im Kölner art'otel ausrichtete, so manchen von ihnen allerdings auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt haben. Die erste Klappe werde in diesem Jahr ganz sicher nicht fallen. Erst in zwei bis drei Jahren rechnet Ammon damit, die erste fiktionale Eigenproduktion an den Start bringen zu können. Seiner Rolle ist er sich allerdings bewusst. "Wir sind zum Hoffnungsträger der Branche geworden", so Ammon, der nun erst mal mit Produzenten und Kreativen ins Gespräch kommen möchte.

Aktuell ist jedoch erst mal die Konsolidierung angesagt - oberstes Ziel von Sky sei es, profitabel zu werden. Und so dürfte erst mal Ernüchterung in der Produzentenlandschaft einkehren. "Meine größte Aufgabe in der nächsten Zeit wird es sein, Produzenten erst mal abzuweisen", sagte Ammon betont ehrlich. "Auch das tollste Drehbuch können wir momentan noch nicht umsetzen." Sky will also nach wie vor in den Serien-Bereich einsteigen, nur eben noch nicht jetzt. Und auch sonst steht noch nicht allzu viel fest. So wollte sich der Filmchef des Bezahlsenders weder auf ein Genre festlegen noch auf eine Zielgruppe, die man mit einer fiktionalen Eigenproduktion im Auge hat. Von den finanziellen Ausgaben ganz zu schweigen.

Immer wieder fragten die anwesenden Gäste, was sich Sky den Spaß kosten lassen will. Doch Marcus Ammon hielt sich bedeckt. "Fragen Sie mich nicht, das weiß ich noch nicht", sagte er, gab sich aber kämpferisch. "Uns ist bewusst, dass das ein teures Spiel wird. Aber wenn wir etwas wollen, dann schaffen wir das auch." Immerhin kann sich Sky im Gegensatz zu den Kollegen im frei-empfangbaren Fernsehen auf weniger starre Richtlinien verlassen. Die FSK-Regelung wird im Pay-TV jedenfalls deutlich lockerer gehandhabt. "Wir dürfen sehr viel expliziter in Wort und Bild sein", betonte Ammon bei den "Talking Heads" in Köln. Und auch sonst will man sich im Serien-Bereich mehr trauen. "Wir wollen horizontal und vielschichtig erzählen, nicht in abgeschlossenen Folgen." Die Charaktere sollen dadurch Zeit bekommen, sich zu entwickeln.

"Wir müssen nicht jedem gefallen und wollen hauptsächlich anders sein." Mit der nächsten "Danni Lowinski" könne man sich jedenfalls nicht unterscheiden. Ammon: "Bei allem, was für Sky Atlantic HD geeignet wäre, müsste jeder ProSieben-Redakteur sofort abwinken." Nun gelte es, nach Genres zu suchen, die noch nicht besetzt seien, so wie etwa der Bereich der Politik. Die US-Serie "House of Cards", die hierzulande gerade bei Sky Atlantic angelaufen ist, könnte den Weg vorgeben. Doch die ist vor allem eines: Teuer in der Produktion. Orientieren will sich Sky auch an HBO und ganz nebenbei die Quoten nachrangig betrachten. Viel wichtiger sei es, mit einer Serie zum Talk of the Town zu werden.

"Ich will keine Quote, ich will eine Wahrnehmung haben", zitierte Ammon sodann auch einen HBO-Manager. Vorstellbar sei auch eine europäische Koproduktion. Hier könne man mit den Sky-Kollegen aus Italien und Großbritannien sprechen. Doch gerade das Beispiel Italien zeige, dass man mit lokalem Thema "größeren Aufschlag" machen könne. Eines wurde bei den "Talking Heads" aber glasklar: Leicht wird der Einstieg ins Serien-Geschäft für Sky nicht, zumal man die Messlatte hoch legt. So sei etwa "Add a Friend" für die Kollegen von TNT Serie ein richtiger Schritt gewesen, doch Ammon machte klar, dass er sich für Sky dann doch etwas anderes vorstellt. "Add a Friend" gewann allerdings gerade erst den Grimme-Preis. Da würde Sky ganz sicher auch nicht Nein sagen.

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