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UK-Update vom 14. November

Sky verliert Drama-Chefin an Netflix, Werbung zu politisch

 

Netflix wildert bei Sky und hat mit Anne Mensah die erste Content-Chefin für Großbritannien gefunden. Außerdem: Channel 4 produziert für Facebook, eine Supermarkt-Werbung ist zu politisch und die neue starke Frau der Premier League kommt von Discovery.

von Timo Niemeier
14.11.2018 - 12:33 Uhr

Anne Mensah© Sky
Anne Mensah, bislang Drama-Chefin bei Sky, wechselt nach sieben Jahren im Unternehmen zu Netflix. Beim Streamingdienst wird sie die erste Vice President of Content in London, das hat Netflix’ Content-Chefin Cindy Holland bestätigt. Mensah verantwortet damit künftig ein ganzes Team, das für die Entwicklung und Produktion britischer Netflix-Inhalte zuständig ist, in ihren Zuständigkeitsbereich fallen damit auch bereits bestehende Serien wie "The Crown" und "Black Mirror". In den vergangenen Jahren hat sie den Drama-Bereich bei Sky energisch vorangetrieben und Serien wie "The Enfield Haunting", "Fortitude", "Britannia", "Patrick Melrose" und "Riviera" verantwortet. Beim Bezahlsender folgt ihr Cameron Roach nach. Vor ihrer Zeit bei Sky war sie zehn Jahre lang in führenden Positionen bei der BBC angestellt. "Während ihrer gesamten Karriere hat Anne ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und viel Leidenschaft beim Erzählen von Geschichten an den Tag gelegt", sagt Holland. "In Großbritannien gibt es mit das beste Fernsehen der Welt und unsere Kunden lieben es, sowohl hier als auch auf der ganzen Welt. Ich freue mich sehr, dass Anne zu unserem Team gehört, um unser anhaltendes Engagement und unsere Investitionen in britische Talente und Programme zu leiten."

Channel 4 London© DWDL
Channel 4 hat eine Partnerschaft mit Facebook angekündigt. Im Zuge dessen wird der Sender eine wöchentliche News-Sendung für die Videoplattform Facebook Watch, die gerade erst weltweit ausgerollt wurde, produzieren. Das rund 10-minütige Format wird "Uncovered" heißen und soll 2019 erstmals ausgestrahlt werden. Channel 4 verspricht eine hintergründige Sendung und Analysen, die hinter die Schlagzeilen blicken sollen. Jede Woche will man sich dabei auf ein internationales Kernthema konzentrieren. Ben de Pear, Chef der "Channel 4 News", sagt: "Wenn die Glaubwürdigkeit von Nachrichten ständig in Frage gestellt werden, ist es wichtig, die Sichtbarkeit und Reichweite qualitativ hochwertiger Nachrichtenquellen auf sozialen Netzwerken zu erhöhen." Deshalb freue man sich, künftig mit Facebook zusammenzuarbeiten. Die Kooperation ist auch deshalb bemerkenswert weil die "Channel 4 News" die waren, die mit ihren Recherchen den Fall Cambridge Analytica ins Rollen brachten, durch den Facebook lange öffentlich in der Kritik stand.

Iceland Supermarkt Werbung© Iceland
Der Supermarktkette Iceland wurde ein Weihnachtsspot verboten, weil dieser angeblich zu politisch sein soll. Das hat die Behörde Clearcast so entschieden, Clearcast überprüft in Großbritannien jede Werbung für das Fernsehen und VoD-Plattformen. Der Spot, in dem die Stimme von Emma Thompson zu hören ist und der von Greenpeace produziert wurde, zeigt einen Orang-Utan-Cartoon und weist auf die Notlage des Regenwaldes hin. Clearcast erklärte, Greenpeace habe "die Einhaltung der Vorschriften" im Bereich der politischen Werbung nicht nachgewiesen. Iceland hat das Video nach dem Verbot kurzerhand über seine sozialen Kanäle geteilt - und dort größtenteils Zustimmung erhalten. Die sozialen Netzwerke sind in Sachen Werbung nicht so strikt reguliert wie andere Bereiche. Richard Walker, Managing Director von Iceland, sagt: "Obwohl unsere Werbung leider nie auf Fernsehbildschirmen landen wird, hoffen wir, dass sich unsere Konsumenten in die soziale Medien begeben, um sich den Film anzusehen, denn er schärft das Bewusstsein für ein wichtiges, globales Thema."

Susanna Dinnage© Discovery Communications
Susanna Dinnage wird bald eine der mächtigsten Frauen im britischen Fußball. Sie ersetzt im kommenden Jahr Richard Scudamore nach rund 20 Jahren als Chief Executive der Premier League, der höchsten britischen Fußball-Liga. Dinnage kommt aus dem Medienbereich: Derzeit ist die Global President des Discovery-Senders Animal Planet. "Ich freue mich sehr auf meine neue Rolle", sagte Dinnage nach Bekanntwerden der Personalie. Die Premier League bedeute vielen Menschen sehr viel. "Die Liga ist der Gipfel des Profisports und die Chance, eine solch dynamische und inspirierende Organisation zu führen, ist ein großes Privileg." Bruce Buck, Chairman der Premier League, betonte, dass man mehrere gute Kandidaten gehabt hätte. Man habe sich aber für Dinnage entschieden, weil diese eine führende Persönlichkeit in der Fernsehbranche sei und viel Erfahrung mitbringe. Dinnage wird es auch sein, die künftig TV-Deals der Liga mitverhandelt - damit hat sie durch ihre Zeit bei Discovery schon Erfahrung.

The X Factor© ITV
Die ITV-Castingshow "The X Factor" durchläuft derzeit eine historische Schwächephase, die aktuelle Staffel ist die schwächste seit dem Start des Formats im Jahr 2004. Die Ausgabe am 3. November kam insgesamt nur noch auf 4,78 Millionen Zuschauer, etwas weniger hatte die Entscheidungs-Show einen Tag später. Beides sind laut den Quotenmessern der BARB die bislang schwächsten Werte in der Geschichte des Formats. In diesem Jahr liegt die Show im Schnitt bei 5,89 Millionen Zuschauer und damit deutlich unter dem Jahresschnitt 2017, damals waren es 6,34 Millionen - auch das war damals schon die bis dahin geringste jemals gemessene Reichweite. Ein ITV-Sprecher erklärte gegenüber britischen Medien, dass "X Factor" trotzdem die meistgesehene Show des Senders am Samstag- und Sonntagabend sei. Zudem sei das Format bei den 16- bis 34-Jährigen die erfolgreichste Samstagabend-Show in diesem Herbst. Deutlich zufriedener sein kann man bei Channel 4, wo Ende Oktober die neunte Staffel von "The Great British Bake Off" zu Ende ging, mit im Schnitt 8,9 Millionen Zuschauern am Dienstagabend und einem Marktanteil in Höhe von 35,4 Prozent war das Format sehr erfolgreich unterwegs. Bei den jungen Zuschauern im Alter zwischen 16- bis 34-Jährigen war 2018 bislang kein anderes Format besser unterwegs.

Geldscheine© Chobe / photocase.com
ITV hat seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Zwischen Juli und September dieses Jahres lief es für den Sender zwar gut, gleichzeitig wies man aber auf den schwächelnden TV-Werbemarkt hin. Vor allem im Dezember soll es hier noch einmal deutlich nach unten gehen. Zwischen Januar und September sind die Werbeerlöse des Senders auf 1,29 Milliarden Pfund gestiegen, hier stechen vor allem die Online-Werbeerlöse heraus, die um 43 Prozent nach oben schnellten. Weil man für den Dezember aber von einem Minus von bis zu acht Prozent ausgeht, erwartet man hier auf das gesamte Jahr gesehen Stagnation. Weiterhin prächtig läuft es dagegen für den Produktionsarm des Unternehmens, die ITV Studios. Hier konnte der Umsatz seit Januar um zehn Prozent auf jetzt 1,11 Milliarden Pfund nach oben geschraubt werde. "Unsere Performance war in den ersten neun Monaten des Jahres so, wie wir das erwartet haben", sagte ITV-CEO Carolyn McCall. Das stütze das eigene Vertrauen ist die Robustheit des ITV-Modells, bestehend aus den Bereichen Broadcasting und Produktion. Und auch Liberty Global hat seine Geschäftszahlen für das dritte Quartal veröffentlicht - und überzeugt mit seinem UK-Geschäft. Netto konnten mehr als 100.000 neue Abonnenten hinzugewonnen werden, in der Schweiz und Belgien lief es dagegen weniger gut. Das Minus in diesen Ländern frisst das Wachstum in Großbritannien fast vollständig auf. In Deutschland und anderen europäischen Ländern wird man sich bekanntlich bald von seinen Tochterfirmen trennen, diese will man an Vodafone verkaufen (DWDL.de berichtete).

FunimationNow© FunimationNow
FunimationNow, der Anime-Service von Sony Pictures Television, ist ab sofort auch bei Amazon Prime Video Channels in Großbritannien verfügbar, das haben beide Unternehmen nun bekanntgegeben. Der Anime-Dienst erweitert damit das Channels-Portfolio von Amazon, das derzeit aus mehr als 70 Kanälen besteht. Für Sony ist es der erste Launch eines Dienstes auf der Plattform. FunimationNow kostet 4,99 Pfund pro Monat und bietet den Zuschauern viele neue und alte Anime-Serien und Filme. "Es ist großartig, dass wir britischen Prime-Mitgliedern jetzt einen Zugang zu beliebten Anime-Serien anbieten können, indem wir FunimationNow bei Prime Video Channels zur Verfügung stellen", sagt Alex Green, europäischer Geschäftsführer der Bereiche Channels und Sport bei Amazon Prime Video. Funimation-CEO Gen Fukunaga ergänzt: "Wir freuen uns, mit Amazon zusammenzuarbeiten, um FunimationNow als Teil der Prime Video Channels anzubieten. Damit bauen wir unsere globale Präsenz weiter aus und ermöglichen es Fans, die besten Animes zu sehen."

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