© imago images / Christian Ohde
UK-Update vom 18. März

ITV macht "Professor T.", etliche Corona-Auswirkungen

 

Das Coronavirus beherrscht die britische Medienlandschaft, die BBC hat weitreichende Programmänderungen angekündigt. Produzenten sind verunsichert und fordern Hilfen der Regierung. ITV hat unterdessen eine Adaption von "Professor T." angekündigt.

von Timo Niemeier
18.03.2020 - 11:36 Uhr

The Voice UK© BBC
Auch in Großbritannien hat das Coronavirus die Branche fest im Griff. So hat unter anderem der Betreiber der Elstree Studios angekündigt, kein Studiopublikum in seinen Räumlichkeiten mehr zuzulassen. Das betrifft unter anderem die ITV-Show "The Voice", wo nun erst einmal das Live-Halbfinale sowie das Live-Finale auf später im Jahr verschoben wurde. Aber auch das Channel-4-Format "The Last Leg with Adam Hills" oder "The Chase" von ITV werden eigentlich in Elstree produziert. In Elstree sind auch sonstige sämtlichen Veranstaltungen abgesagt worden. Chef der Studios ist Roger Morris. Er sagt, man ergreife robuste Maßnahmen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Morris: "Wir sind uns völlig bewusst, dass ein Ausbruch in den Studios jederzeit passieren kann und dies bedeuten könnte, dass wir die Bereiche schließen und unter Quarantäne stellen. Einige unserer Kunden haben ihre Büros vor Ort für einige Wochen geschlossen und wir beraten uns täglich."

Saturday Night Takeaway© ITV
Etliche Formate im britischen TV kommen inzwischen also ohne Studiopublikum aus. Zu den ersten gehörten Jeremy Vines Talkshow bei Channel 5 sowie "Loose Women" bei ITV. Andere Sendungen, etwa "Saturday Night Takeaway" bei ITV mit Ant und Dec kam am Samstag noch live aus einem vollbesetzten Studio, am kommenden Wochenende wird aber auch diese Show ohne Publikum vor Ort daherkommen. Darüber hinaus ist die Produktion einiger fiktionaler Serien unterbrochen und verschoben worden. Getroffen hat es unter anderem die Formate "The Witcher", "Baptiste", "Line of Duty" und "Peaky Blinders"

BAFTA Television Awards© BAFTA
Wegen des Coronavirus verschoben sind nun außerdem erst einmal die Bafta TV Awards. Die Verleihung der Preise sollte eigentlich am 17. Mai stattfinden, nun will man das später im Jahr nachholen. Einen genauen Termin gibt es noch nicht. Die Bafta TV Awards sind damit die erste große Veranstaltung im TV-Bereich, die wegen des Coronavirus verschoben werden musste. Channel 4 hat derweil davor gewarnt, dass wegen des Virus Produktionen verschoben oder sogar komplett abgesagt werden müssen. Man wollte sich jeden Einzelfall ansehen, erklärte Programmchef Ian Katz in einer Mail an die Produzenten. Sollten den Produzenten ungeplante Kosten entstehen, solle man sich schnell beim Sender melden. Der Sender werde dann prüfen, wie man damit umgehe. "Die Produzenten sollten sich darüber im Klaren sein, dass wir aufgrund des bislang unbekannten Ausmaßes der Auswirkungen auf Produktionen von Channel 4 und der derzeit unbekannten Auswirkungen auf die Werbeeinnahmen möglicherweise nicht in der Lage sind, diese zusätzlichen Kosten vollständig finanziell auszugleichen", so Katz. 

Kamera in der Natur© Flickr/Olli Henze
Ähnlich wie in Deutschland stehen auch in Großbritannien viele Produzenten vor unsicheren Zeiten - die Aussagen von Ian Katz belegen das. Nun hat sich der Handelsverband für unabhängige Produzenten Pact (quasi eine britische Produzentenallianz) zu Wort gemeldet und von der Regierung Unterstützung für den TV- und Film-Sektor gefordert. So fordert man die Politik dazu auf, vor allem kleine Unternehmen zu unterstützen und Steuerzahlungen vorübergehend auszusetzen. Zudem fordert man Unterstützung für Freiberufler und Selbstständige. 

Geldscheine© Chobe / photocase.com
Ursprünglich sollte ab dem 1. Juni eine neue Regelung bezüglich der Lizenzgebühren gelten. Ab dann sollten auch Menschen, die älter sind als 75 Jahre diese Gebühren, die an die BBC gehen, zahlen. Ausgenommen sind nur solche Menschen, die einen staatlichen Rentenzuschuss erhalten. Bislang wurden die Lizenzgebühren für ältere Menschen von der Regierung übernommen, das fällt künftig weg. Wegen des Coronavirus hat sich die BBC nun dazu entschlossen, die neue Regelung zu verschieben. Nach den neuesten Planungen sollen die Rentner erst ab dem 1. August zahlen müssen. Weitere Verschiebungen sind nicht ausgeschlossen, kommen aber auf die Entwicklungen in der aktuellen Krise an. BBC-Chairman Sir David Clementi sagt: "Wir sind in außergewöhnlichen Umständen. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt. In dieser schwierigen Zeit konzentrieren wir uns voll und ganz darauf, unsere Dienstleistungen der Öffentlichkeit anzubieten."

BBC New Broadcasting House© DWDL
Im Zuge der Corona-Krise hat die BBC weitreichende Programmänderungen angekündigt. So werden die Sendungen "Politics Live" und "Victoria Derbyshire" bis auf Weiteres komplett ausfallen, zweitgenanntes Format soll ohnehin noch in diesem Jahr eingestellt werden (DWDL.de berichtete). Stattdessen soll es vor allem klassische Nachrichten geben, die über das Coronavirus und dessen Auswirkungen informieren. "Question Time" wird zudem ohne Publikum gesendet, Zuschauer können digital Fragen einsenden. Auch bei BBC World News wird es weniger wiederkehrende Formate geben und stattdessen mehr News. Weitere Änderungen: "Newsnight" und "The Andrew Marr Show" werden weiterhin ausgestrahlt, aber von weniger technischem Personal betrieben. Die "Andrew Neil Show", "Newswatch", "The Travel Show" und "HARDtalk" (ab nächster Woche) werden vorübergehend ausgesetzt. 

Fran Unsworth© BBC
BBC-Nachrichtendirektor Fran Unsworth sagt zu den vielen Änderungen im Programm: "Dies sind beispiellose und schwierige Tage. Vertrauenswürdige und genaue Informationen sind im Bereich der öffentlichen Gesundheit von entscheidender Bedeutung, und die BBC spielt hier eine Schlüsselrolle. Wir werden unserem Publikum weiterhin einen kontinuierlichen Nachrichtendienst im Fernsehen, Radio und online anbieten, aber dies wird in den kommenden Wochen etwas anders aussehen. Wie in vielen Unternehmen können wir aufgrund des Coronavirus-Ausbruchs nicht alle Mitarbeiter vor Ort haben. Wir nehmen daher einige Änderungen an unseren Programmen vor." Damit schütze man auch die Mitarbeiter, die noch vor Ort in den Studios arbeiten. 

ITV – Carolyn McCall© easyJet/ITV
Und auch bei ITV hat das Coronavirus etliche Auswirkungen auf das Programm. Senderchefin Carolyn McCall erklärte: "Was auch immer passiert, wir werden weiterhin auf unseren sechs Kanäle senden und damit jede Woche Hunderte von Stunden an Inhalten kostenlos und für alle in Großbritannien zugänglich machen." Montagabends wird man nun regelmäßig den "Coronavirus Report" ins Programm nehmen. Betroffen von den Änderungen sind, neben dem oben bereits erwähnten "The Voice", auch die beiden täglichen Soaps "Coronation Street" und "Emmerdale", hier sei die Produktion eine echte Herausforderung, heißt es vom Sender. Man sei zuversichtlich, auch die nächsten Monate neue Folgen zu zeigen, allerdings wird es hier zu Änderungen kommen. So wird mit weniger Cast-Mitgliedern und einer geringeren Crew produziert, außerdem wird man die Anzahl der wöchentlich gezeigten Episoden von zwölf auf acht herunterschrauben. "Emmerdale" läuft dann nicht mehr montags bis samstags sondern nur noch montags bis freitags, "Coronation Street"-Ausstrahlungen sind für Montag, Mittwoch und Freitag geplant. 

ITV ab 2013© ITV
Es gibt sie aber noch, die wenigen positiven Nachrichten, die nichts mit dem Coronavirus zu tun haben. ITV hat nun beispielsweise eine Adaption von "Professor T" bei Eagle Eye Drama bestellt. Sechs Folgen werden zunächst produziert, in der Hauptrolle des Professors wird Ben Miller ("Johnny English") zu sehen sein, Frances De La Tour ("Harry Potter") spielt seine Mutter Adelaide. Emma Naomi wird als Detective Inspector Lisa Donckers in der Serie mitspielen, außerdem mit dabei ist Barney White als ihr Polizei-Sidekick Dan Winters. Ähnlich wie beim deutschen "Professor T." handelt es sich auch bei der britischen Serie um eine Adaption des belgischen Originals. Gedreht werden soll nach derzeitigen Planungen im Sommer.

Teilen

Kommentarbereich anzeigen