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UK-Update vom 1. April

BBC pausiert Stellenabbau, Hilfen für Freiberufler

 

Wegen der Corona-Krise wird die BBC nun doch vorerst keinen Stellenabbau umsetzen, bei einigen Mitarbeitern sorgt das für Verwirrung. Außerdem: Die Sender fordern Hilfe für Freiberufler und Sky und BT könnten rund eine Milliarde Pfund an Einnahmen entgehen.

von Timo Niemeier
01.04.2020 - 11:51 Uhr

BBC New Broadcasting House© DWDL
Noch im Februar hat die BBC angekündigt, 450 Stellen im News-Bereich zu streichen. Wegen des Coronavirus hat man diese Pläne nun erst einmal auf Eis gelegt. Generaldirektor Tony Hall sagte gegenüber Mitarbeitern, dass es jetzt "unangemessen" sei, die Kürzungen voranzutreiben. Man werde aber "irgendwann darauf zurückkommen". Dass angekündigte Beendigungen von Formaten nun zurückgenommen werden, ist aber eher unwahrscheinlich. Durch die Pausierung des Stellenabbaus steht die BBC nun außerdem vor finanziellen Herausforderungen, eigentlich wollte man auch mithilfe der Streichungen rund 80 Millionen Pfund einsparen. Bei den betroffenen Mitarbeitern regt sich derweil Unmut: Zunächst sollten sie entlassen werden und nun heißt es, sie seien in der Krise unverzichtbar. Einige stellen sich die Frage, ob es überhaupt Sinn macht, die Gesundheit zu riskieren, indem man ins Büro kommt, wenn man in einigen Monaten trotzdem den Job verliert. 

Union Jack© Ree Saunders/flickr (CC BY-SA 2.0)
Die PBS-Sender (BBC, ITV, Channel 4, Channel 5, S4C) haben sich in einer gemeinsamen Erklärung an die Regierung gewandt und gefordert, zusammenzuarbeiten, um Freiberufler in der aktuellen Situation zu unterstützen. Die Sender-Verantwortlichen heben in ihrem Schreiben den Wert von Freiberuflern für den Erfolg der britischen Kreativwirtschaft hervor und fordern ein Unterstützungspaket. Man sei gerne bereit, der Politik bei der Erstellung dieses Pakets zu helfen. Warum das gemeinsame Vorgehen nötig ist, zeigt eine Umfrage der Gewerkschaft Bectu. Laut dieser ist die Hälfte der Befragten der Meinung, nicht unter den von der Regierung aufgesetzten Schutzschirm schlüpfen zu können. Für diesen gelten einige Voraussetzungen, die viele Freiberufler nicht erfüllen. So gibt es mit dem 28. Februar einen Stichtag, an dem man auf der Payroll eines Unternehmens stehen musste, um Unterstützungen zu erhalten. 

Geldscheine© Chobe / photocase.com
Die BBC hat zur Unterstützung der Freiberufler angekündigt, 700.000 Pfund zu spenden. 500.000 Pfund gibt man gemeinsam mit dem British Film Institute (BFI) an den Covid-19 Emergency Relief Fund, damit sollen Menschen aus den Bereichen Film, TV und Kino unterstützt werden. Die restlichen 200.000 Pfund fließen in den zweijährigen Aktionsplan einer Wohltätigkeitsorganisation für psychische Gesundheit. Die Spende wird hauptsächlich von BBC Studios, dem kommerziellen Produktions- und Vertriebsarm der BBC, bereitgestellt. Charlotte Moore, Content-Chefin der BBC, sagt: "Freiberufler sind das Lebenselixier unserer Branche und halten unsere Shows für alle Zuschauer kreativ. In Zeiten wie diesen ist es wichtig, dass wir zu ihnen stehen. Wir sind stolz darauf, einen Beitrag zu leisten, um die freiberufliche Community unserer Branche in diesen beispiellosen Zeiten zu unterstützen."

BBC© BBC
Derzeit laufen noch die Diskussionen, ob die Regierung die Nicht-Zahlung der Lizenzgebühren an die BBC entkriminalisieren könnte. Nun hat sich auch die BBC offiziell dazu geäußert. So erwartet man im Falle einer Entkriminalisierung eine Verdopplung der Menschen, die die Lizenzgebühren umgehen, weil das dann keine Straftat mehr wäre. Dadurch würden dem Sender jährlich 200 Millionen Pfund fehlen. Gleichzeitig heißt es vom öffentlich-rechtlichen Sender, die Lizenzgebühren könnten durch eine monatliche Abgabe auf Breitbandverbindungen ersetzt werden. "Dies wäre eine bedeutende Änderung für Großbritannien, und wir befürworten dies derzeit nicht", so die BBC. "Es wirft jedoch eine interessante Frage auf, ob das derzeitige System viel einfacher, effizienter und automatisierter gestaltet werden könnte. Wir sind offen dafür, dies weiter zu untersuchen."

Sky© Sky
Ähnlich wie in Deutschland sind auch die Sport-Anbieter in Großbritannien hart getroffen worden vom Coronavirus. Sky und BT ist ein großer Teil des Live-Angebots abhanden gekommen. Alleine diese beiden Unternehmen werden voraussichtlich fast eine Milliarde Pfund Einnahmen verlieren, sollte der Spitzensport bis August pausieren müssen. Dies geht aus einem Bericht von Enders Analysis hervor, in dem empfohlen wird, dass die Spieler einer Gehaltskürzung einwilligen, um ihre Vereine zu unterstützen. Die Premier League pausiert mindestens bis zum 30. April. Dass es danach weiter geht, wird aber zunehmend unwahrscheinlich. 

Channel 4© Channel 4
Die Corona-Krise sorgt aber auch in Großbritannien für steigende Zuschauerzahlen. Der Staffelauftakt der Serie "Friday Night Dinner" erzielte die besten Quoten einer Comedy seit mehr als zehn Jahren bei Channel 4. Den Start in die sechste Staffel sahen im Schnitt 2,4 Millionen Zuschauer, in den Overnight-Ratings bedeutete das einen Marktanteil in Höhe von 13,7 Prozent. Das ist für Channel 4 die höchste Overnight-Zuschauerzahl einer Comedy-Serie seit der "IT Crowd" 2007. Bei den 16- bis 34-Jährigen lief es für die Serie mit 40,6 Prozent noch deutlich besser. 

Louisa Compton© Channel 4
Channel 4 hat eine Nachfolgerin für die scheidende Nachrichtenchefin Dorothy Byrne gefunden - erneut wird eine Frau diesen für den Sender wichtigen Posten übernehmen. Louisa Compton wird ab dem 1. Mai neue Head of News and Current Affairs and Sport beim Sender. Compton arbeitet bereits seit 2018 als Redakteurin für Channel 4, sie verantwortet unter anderem die Doku-Reihe "Dispatches". Programmdirektor Ian Katz sagt: "Dorothy Byrne hinterlässt große Fußstapfen, aber wenn jemand diese füllen kann, ist es Louisa. Sie hat Nachrichtenerfahrung, ein Auge für Geschichten und kreativen Flair. Sie wird eine brillante Verwalterin der stolzen Tradition von Channel 4 in Bezug auf die Berichterstattung sein und auch unsere preisgekrönte Sportberichterstattung verantworten."

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