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Lebenserfahrung, Selbstbewusstsein bei Frauen & Co.

Was Personalchefs bei jungen Bewerbern vermissen

 

Junge Menschen werden immer wählerischer im Bezug auf ihren Job und künftige Tätigkeiten, so hört man es zumindest oft. Die Generation Y will arbeiten um zu leben - nicht andersherum. Doch wie sehen das Personaler und was vermissen sie bei den Bewerbern heute?

von Timo Niemeier
20.03.2017 - 14:00 Uhr

Durch die Umstellung in der Ausbildungsstruktur, hier ist vor allem der Wechsel vom Diplomstudium hin zu Master- und Bachelor-Studiengängen gemeint, werden die Menschen heute immer jünger, wenn sie zum ersten Mal fest in einem Unternehmen beginnen. "Sie haben deshalb weniger Lebenserfahrung und oft weniger theoretisches Wissen", sagte ProSiebenSat.1-Recruiterin Sandra Mühlhause zuletzt im Interview mit DWDL.de. Das hat Vor- und Nachteile gleichermaßen: Die jungen Mitarbeiter haben noch viel zu lernen, lassen sich durch das jeweilige Unternehmen aber auch noch besser formen und befinden sich weniger oft auf ausgetrampelten Pfaden. "Wir sehen hier großes Potenzial, verstärkt frische Ideen ins Unternehmen zu bringen", sagt Mühlhause.

Doch die Medienkonzerne vermissen heute an den ein oder anderen Stellen nicht nur ein wenig Lebenserfahrung, sondern auch andere Dinge. Vor allem Männer würden sich sehr selbstbewusst auf ausgeschriebene Stellen bewerben, sagt Bettina Sander, Senior HR Business Partner Discovery Networks Deutschland. Das findet sie prinzipiell auch gut, sagt aber: "Jedoch würde ich mir wünschen, dass sich Frauen bewerben, auch wenn sie nicht hinter jeder Aufgabe und Anforderung innerhalb der Stellenausschreibung ein Häkchen setzen können. Ich würde mich freuen, wenn Frauen Mut zur Lücke zeigen und sich einfach bewerben."


Monika Rapp, Leiterin der Hauptabteilung Personal, Honorare und Lizenzen des Bayerischen Rundfunks, spricht ebenfalls von einem gestiegenen Selbstbewusstsein junger Bewerber. "Vor dem 'Ich biete...' steht oft das 'Ich fordere...' bezogen auf das Gehalt, den Anspruch an die Arbeit und Entwicklungsmöglichkeiten bei hoher Freizeitorientierung." Rapp sagt, die große Herausforderung wird es sein, dass sich die erfahrenen und die jungen Mitarbeiter künftig auch weiterhin "mit größter gegenseitiger Wertschätzung begegnen". Fast alle von DWDL.de befragten Personaler sagen unisono: Die soziale Komponente wird in Zukunft immer wichtiger. "Offen, kooperativ und lernbereit sein, sind wichtige persönliche Merkmale, die erfolgreiche Mitarbeiter auszeichnen. Ein fachlich herausragender Bewerber mit Einzelkämpferqualitäten wird sich in der heutigen Arbeitswelt schwertun", sagt Rapp.

Dirk Rauser, Personalchef der Mediengruppe RTL Deutschland, antwortet auf die Frage, was er an Bewerbern heute vermisst: "Wir freuen uns immer darüber, wenn sich Bewerber über uns, ihren möglichen neuen Arbeitgeber, informieren. Darüber hinaus sollten Bewerber Offenheit und Freude an Medienthemen ausstrahlen und Teamgeist mitbringen. Wichtig finden wir auch, dass Mitarbeiter authentisch sind." Sprich: Auch heute gehen einige Bewerber blind in ein Bewerbungsgespräch, ohne sich über den potenziellen Arbeitgeber informiert zu haben. Wenn sie sich dann auch noch verstellen und kein Interesse an Medienthemen haben, bekommt jemand anders den Job.

Heutzutage sind die Bewerber – aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels – in der angenehmen Situation, sich ihren Arbeitgeber aussuchen zu können.

Dirk Rauser, Personalchef der Mediengruppe RTL Deutschland

Woher kommt diese Haltung? "Heutzutage sind die Bewerber – aufgrund des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels – in der angenehmen Situation, sich ihren Arbeitgeber aussuchen zu können", sagt Rauser. Man müsse sich inzwischen verstärkt aktiv um gute Bewerber bemühen und Employer Branding betreiben. Sandra Mühlhause von ProSiebenSat.1 pflichtet ihm bei: "Bei ProSiebenSat.1 wollen wir potenzielle Mitarbeiter früh auf uns aufmerksam machen", sagte sie im Interview mit DWDL.de und verwies auf Social-Media-Aktivitäten und Hochschul-Kooperationen.

Doch wie macht man in einem Bewerbungsgespräch oder schon beim Anschreiben positiv auf sich aufmerksam? Wie hebt man sich ab von der breiten Masse? "Kurz, kreativ und selbstreflektiert ist der Schlüssel zum Erfolg", sagt Gitta Blatt, Executive Vice President HR & Organisation bei Sky Deutschland. Der digitale Fingerabdruck werde heute immer wichtiger, sagt sie. "Wichtig ist, womit Du Dich auseinandersetzt, schreibst Du einen Blog, bis Du in Netzwerken und Foren. Karriere entsteht durch Netzwerke. Zeig Dich." Lebensläufe und Zeugnisse würden an Wert verlieren. Man müsse erklären, was einen erfolgreich mache und wieso man einen Mehrwert für das Unternehmen bringe, so Blatt. "Das nicht als Eigenpromotion, sondern mit Erfahrungen und Erfolgen hinterlegt."

Auch in den Unternehmen selbst hat sich viel geändert. Die Internationalisierung vieler Konzerne ist längst auch an den deutschen Standorten angekommen. "Je komplexer das Unternehmenskonstrukt gebaut ist, desto wichtiger ist es auch, interkulturelle Fertigkeiten mitzubringen", sagt Bettina Sander von Discovery Networks Deutschland. Dirk Rauser von der Mediengruppe RTL achtet darauf, dass Bewerber kommunikativ und flexibel sind und über eine "ausgeprägte Medienkompetenz" verfügen. "Zudem freuen wir uns, wenn Bewerber ihre Bewerbung mit 'eigenem Charme' versehen und wir so erkennen können, was sie auszeichnet", so Rauser.

Und worauf sollte man als Bewerber lieber verzichten - abgesehen vom Klassiker, sich nicht informiert zu haben? Bettina Sander spricht von zwei Kategorien an Menschen, die wohl jedem Personaler schon einmal begegnet sind: "Zum einen gibt es die Bewerber, die befürchten ein Detail ihres Werdegangs in ihren Bewerbungsunterlagen vergessen zu haben und uns Personalern und Recruitern mit sämtlichen Arbeitsnachweisen, Bestätigungen, Zeugnissen bis hin zu Teilnahme an den Bundesjugendspielen beglücken." Am besten kommt das noch in unzähligen Einzel-PDFs. Und dann gebe es noch solche Bewerber, die schon gut vernetzt sind und vielleicht auch schon die Geschäftsführung persönlich kennen. Wenn man deshalb eine direkte Einstellung erwarte, komme das weniger gut an, sagt sie.

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