© Tresor TV
Axel Kühn über die Mitarbeitersuche

Tresor-TV-Chef: "Lieber lasse ich eine Stelle unbesetzt"

 

Die Situation am Arbeitsmarkt hat sich geändert, auch in der Medienbranche. Tresor-TV-Chef Axel Kühn kann ein Lied davon singen: Die Bewerberzahlen sind zurückgegangen - und im Zweifel verzichtet er auch darauf, eine freie Stelle neu zu besetzen.

von Timo Niemeier
06.03.2018 - 15:20 Uhr

Noch vor wenigen Jahren galt die Medienbranche als sexy - viele junge Menschen wollten hier arbeiten. "Was mit Medien machen" wurde zu einem geflügelten Satz. Heute sieht die Situation schon ganz anders aus. "An der Anzahl gerade junger Bewerber merken wir schon, dass es inzwischen Branchen gibt, die für junge Menschen ‚sexier‘ zu sein scheinen", sagt Axel Kühn, Geschäftsführer der Produktionsfirma Tresor TV. Doch Kühn kann aus dieser Entwicklung auch etwas Gutes ziehen: Die Bewerber, die sich tatsächlich für das Fernsehen entscheiden, würden dies auch wirklich wollen, sagt er. "Die Qualität der Bewerber ist also deutlich gestiegen."

Dennoch muss auch er inzwischen ganz genau hinsehen, um die passenden Mitarbeiter für bestimmte Stellen zu finden. Das gelingt nicht immer, Kühn sagt: "Meine frühere Kollegin Jane Featherstone hatte ihr Firmenmotto in ihrer Firma an der Wand stehen: No Wankers Allowed. Diesem Motto würde ich mich anschließen. Lieber lasse ich eine Stelle unbesetzt."

Bei dieser Einstellung ist es für Bewerber noch wichtiger als ohnehin schon, einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen. Doch womit weckt man in einer Bewerbung das Interesse von Personalern oder Geschäftsführern? "Da gibt es keine pauschale Antwort. Es gibt immer wieder Bewerbungen, die auffallen und dann möchte man auch die Person kennenlernen, die dahinter steckt. Mal sind es tatsächlich die berühmten ‚kreativen Bewerbungen‘, mal sind es ungewöhnliche Lebenswege." Und leider sei es inzwischen auch so, dass man durch eine Bewerbung ohne Rechtschreibfehler positiv auffalle, sagt Kühn.

Rechtschreibfehler in Bewerbungsanschreiben und Lebensläufen kann man vermeiden, in dem man die Texte vor dem Absenden noch einmal von einer dritten Person lesen lässt. Aber auch andere Dinge sollte man tunlichst vermeiden. Wenn Bewerbungen etwa den Anschein eines Musterbriefes erwecken, der so an viele verschiedene Unternehmen geht, landen sie meist direkt im Papierkorb. Axel Kühn ärgert sich immer wieder über Bewerber, die Stellenausschreibungen offenbar nicht gut genug lesen und dementsprechend auch gar nicht auf die ausgeschriebene Stelle eingehen - sei es aufgrund ihrer fehlenden Qualifikationen oder mangelnder Motivation.

Kommt es dann zu einem ersten Bewerbungsgespräch, sind die potenziellen neuen Mitarbeiter im Vorfeld oft nervös. Kühn appelliert an die Bewerber, so authentisch wie möglich zu sein. "Bewerber sollten möglichst ganz sie selbst sein. So fällt es uns viel leichter, uns ein bestmögliches Bild von ihnen zu machen. Wir brauchen weder übertriebenes Make-Up, noch förmliche Kleidung und erst recht keine atemberaubenden Parfumwolken bei einem Bewerber." Gerade die Sache mit der förmlichen Kleidung stellt Bewerber immer wieder vor eine Herausforderung. Während die einen Unternehmen hier sehr streng sind und sich Hemd und Krawatte erwarten, ist es den anderen ganz egal, was die Bewerber anziehen. 

Was die Mitarbeitersuche angeht, bezeichnet Kühn Tresor TV als "durchaus anspruchsvoll". Neben den fachlichen Qualifikationen komme es auch stark auf die menschlichen Qualitäten an, sagt der Geschäftsführer. "Wir versuchen, für unsere Mitarbeiter ein Umfeld zu schaffen, in dem sie sich wohlfühlen. Parallel versuchen wir aber auch neue Mitarbeiter zu finden, die gut in dieses Team passen."

Anlässlich des 10. Geburtstags der DWDL.de-Jobbörse berichten wir in den kommenden Tagen über die Mitarbeitersuche verschiedener Unternehmen. Dabei geht es sowohl um die No-Gos bei einem Bewerbungsgespräch als auch darum, wie sich Bewerber und ihre Ansprüche in den vergangenen Jahren gewandelt haben.

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