© NBCU/Gert Krautbauer
München? Köln? Berlin? Hamburg?

Nicht nur Arbeitsplatz, sondern Lebensmittelpunkt

 

Wenn junge Menschen heute einen Job suchen, tun sie das meist deutschlandweit. Anna Kißkalt, HR Generalist GAS von NBC Universal und A+E Networks, hat schon erlebt, dass die Bewerber sich dann über die anstehenden Umzüge beschweren. Außerdem sagt sie, wie sich Bewerber verändert haben.

von Timo Niemeier
12.03.2018 - 19:10 Uhr

München, Köln, Berlin und Hamburg sind die großen Städte, in denen viele Journalisten und Medienmacher arbeiten. Natürlich gibt es noch viele weitere - und wenn man sich als junger Mensch bei einem Unternehmen bewirbt, sollte man sich auch immer im Klaren darüber sein, dass man nicht nur beim Medienunternehmen XY arbeitet, sondern auch immer in der Stadt lebt, in der dieses ansässig ist. Wenn Bewerbungen geschrieben werden, vergessen das Einige. Die "böse" Überraschung folgt dann, wenn man zu einem ersten Gespräch eingeladen wird: Wie komme ich dort überhaupt hin? Und will ich überhaupt dauerhaft in der Stadt leben?

Wenn man die Stelle dann bekommt, steht ein großer Umzug bevor. Anna Kißkalt, Human Resources Generalist GAS bei NBC Universal Global Networks Deutschland (u.a. Syfy, 13th Street) und damit verantwortlich ist für die Personalangelegenheiten von NBCU im deutschsprachigen Raum und im Rahmen einer Zusammenarbeit auch für A+E Networks Germany (A&E, History), deutet im Gespräch mit DWDL.de an, dass sich viele junge Menschen dieser Tatsache nicht ganz klar sind. Sie finde es befremdlich, wenn sich Bewerber in einem Interview über einen Umzug etwa nach München beklagen würden. "Es ist keine Frage, dass es schwierig ist, dort eine Wohnung zu finden, jedoch bin ich der Meinung, dass sich ein Bewerber vor dem Absenden der Bewerbung darüber Gedanken machen sollte, in welcher Stadt er sich bewirbt", sagt Kißkalt.

Außerdem nicht punkten können bei der Personalerin solche Bewerber, die Fotos aus ihrem Urlaub mit in die Bewerbung packen oder deren Anschreiben Rechtschreibfehler enthalten. Massenbewerbungen stören Kißkalt ebenso wie Bewerber, die die Personaler gleich zu Beginn duzen. "Ebenso denken viele, da sie sich in einem Medienunternehmen bewerben, könnten sie besonders locker in Bezug auf Kleidung und Verhalten auftreten. Dies wirkt allerdings schnell unprofessionell."

Wenn sie aber merke, dass ein Bewerber "echtes Interesse" am Unternehmen habe und sich auch mit der ausgeschriebenen Stelle auseinandergesetzt hat, werde ihr Interesse geweckt. "Sehr wichtig ist mir auch, mehr über die Motivation des Bewerbers zu erfahren. Warum möchte er ausgerechnet bei uns arbeiten?" Grundsätzlich würden digitale Kompetenzen immer wichtiger werden, so Kißkalt. "Damit meine ich vor allem den Umgang mit digitalen Technologien, die für die Information, Kommunikation und das Lösen von Problemen genutzt werden: von den Microsoft-Office-Tools bis hin zu den aktuellsten Social-Media-Plattformen."

Heutzutage sind es aber nicht nur die Unternehmen, die Anforderungen an die potenziellen Mitarbeiter stellen - andersherum läuft es ebenso. Junge Bewerber seien heute wählerischer und würden sich ganz genau anhören, was die jeweiligen Firmen ihnen zu bieten hätten, sagt Kißkalt. "Als Unternehmen muss man sich inzwischen selbst bei den Kandidaten bewerben und die freie Stelle ‘verkaufen’."

Und warum sollte man sich nun ausgerechnet bei NBCU oder A+E Networks Germany bewerben und nicht bei anderen, vergleichbaren Medienhäusern? Anna Kißkalt sagt es so: "Wir bieten eine kreative, respektvolle, teamorientierte und offene Arbeitsatmosphäre mit der Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen." Zudem biete man ein "sehr umfangreiches Benefits-Paket" sowie eine "zentrale Lage innerhalb Münchens" an - letzteres ist aber offensichtlich nicht für alle Bewerber ein Pluspunkt.

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