© WDR/Herby Sachs
No-Gos im Bewerbungsgespräch

"Irgendwas mit Medien" reicht beim WDR nicht

 

Dem Kampf um junge Talente stellt sich auch der WDR, am Standort in Köln ist der Wettbewerb besonders groß. Personalchef Kurt Schumacher sagt, wieso man nun häufiger auf Reserverlisten zurückgreifen muss was er sich von den Bewerbern erwartet.

von Timo Niemeier
15.03.2018 - 16:38 Uhr

Die Suche nach jungen Nachwuchskräften hat sich in den vergangenen Jahren gewandelt, aber auch die Bewerber selbst haben sich verändert und sind zum Beispiel anspruchsvoller, wenn es etwa um das Vereinen von Arbeit und Privatleben geht. Das erzählen viele Personalchefs, mit denen DWDL.de in den vergangenen Wochen gesprochen hat. Dennoch berichten sie auch von erstaunlich vielen Menschen, die sich bei ihren Bewerbungen offensichtlich wenige Gedanken machen. Auch WDR-Personalchef Kurt Schumacher kennt solche Bewerber.

"Ich wollte schon immer irgendwas mit Medien machen" sei ein Satz, den er viel zu oft gehört habe, sagt er im Gespräch mit DWDL.de. Das sei natürlich viel zu unpräzise. Außerdem würde aus den Anschreiben häufig nicht hervorgehen, was den jeweiligen Bewerber oder die Bewerberin antreibt. Schumacher will Aussagen zur Motivation lesen, damit er sich ein besseres Bild von den jeweiligen Menschen machen kann. Außerdem ärgert sich der WDR-Personalchef über ein oft unangemessenes Erscheinungsbild beim ersten Gespräch oder unvollständige Bewerbungsunterlagen.

Schumacher fordert von den jungen Bewerbern, dass sie sich im Vorfeld eines Gesprächs verstärkt Gedanken über das Berufsbild und die jeweiligen Aufgaben machen sollen. Hier gehen viele Bewerber zu naiv in die Bewerbungsgespräche, das bestätigen einige Personalverantwortliche. Punkten kann man bei Schumacher nicht nur mit Offenheit und einer kommunikativen Art, sondern auch mit sozialem oder ehrenamtlichem Engagement. Wer sich also auch in seiner Freizeit engagiert, weckt das Interesse des Personalchef.

Doch auch beim WDR bekommt man den harten Wettbewerb um junge Talente zu spüren. "Wir merken, dass junge Bewerber aufgrund der Entwicklungen auf dem Arbeits-/Ausbildungsmarkt einfach mehr Auswahlmöglichkeiten haben", sagt Schumacher. Und von denen würden sie auch Gebrauch machen. Das führt dazu, dass inzwischen immer häufiger auch solche Leute dem WDR absagen, die der Sender gerne einstellen würde. "Wir merken dann, dass wir häufiger auf Reservelisten zurückgreifen oder auch weitere Auswahlverfahren durchführen müssen."

Dass der WDR und andere öffentlich-rechtliche Sender bei vielen jungen Menschen als Arbeitgeber trotzdem noch immer hoch im Kurs stehen, hat auch damit zu tun, dass die Jobs dort als relativ sicher gelten - trotz zahlreicher Sparmaßnahmen und Diskussionen um den Rundfunkbeitrag. "Wir stellen hochwertige und seriöse Produkte her. Wir stehen für Qualitätsjournalismus", sagt Schumacher, der sich so von anderen Arbeitgebern in der Medienbranche unterscheiden will. Weil man Programm für "viele verschiedene Zielgruppen" mache, sei man zudem auch vielfältiger als andere Unternehmen.

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