© ZDF/Rico Rossival
Blick über den eigenen Tellerrand

Beim ZDF achtet man auf unterschiedliche Milieus

 

Es ist eine oft gehörte Kritik: Im Journalismus arbeiten zu wenige Menschen mit Migrationshintergrund. Beim ZDF achtet man aufgrund dessen auf eine ausgewogene Auswahl, Personalchef Gregor Wichert sagt zudem, was er bei Bewerbern vermisst.

von Timo Niemeier
21.03.2018 - 15:14 Uhr

"Es gibt kaum Redaktionen, die ausdrücklich nur nach herkunftsdeutschen Journalisten suchen. Fakt ist aber, dass sie über die Jahrzehnte sehr 'weiß' geblieben sind." Das hat Ferda Ataman, Mitbegründerin der Neuen Deutschen Medienmachern, im vergangenen Jahr im DWDL.de-Interview gesagt. Tatsächlich heißt es immer wieder, dass der Journalismus oft gewisse Probleme und Dinge ausblendet, weil die Journalisten in den Redaktionen alle oft ähnlich gut gebildet und aufgewachsen sind.

Beim ZDF weiß man um dieses Problem und versucht, aktiv gegenzusteuern. Personalchef Gregor Wichert sagt im Gespräch mit DWDL.de: "Wir achten darauf, dass bei unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Erfahrungen der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Milieus in Deutschland vertreten sind." Aber natürlich ist bei den Mainzern nicht die Herkunft der Bewerber das oberste Entscheidungskriterium. Interessant seien für ihn die Bewerber vor allem dann, so Wichert, wenn sie sich nicht nur mit dem ZDF, sondern auch mit dem technischen, (medien)politischen und wettbewerblichen Umfeld des Senders auseinandergesetzt hätten. Wichert schätzt zudem solche Bewerber, die gute Fragen stellen, einen Standpunkt vertreten oder eine Meinung äußern.

Auf die Frage, was er bei vielen Bewerbern heute vermisse, sagt der ZDF-Personalchef, dass solche Leute, die sich auf journalistische Positionen bewerben würden, oft eine breite Allgemeinbildung hätten. "Bei anderen Berufsbildern vermissen wir zuweilen beispielsweise gesellschaftliches, kulturelles oder politisches Interesse. Wir suchen Bewerber, die das, was sie bei uns tun werden, in größere Zusammenhänge einordnen können und für die Begriffe wie journalistische Ethik und öffentlich-rechtliche Verantwortung nicht nur leere Worte, sondern Werte sind, für die sie eintreten möchten."

Grundsätzlich sei es wichtig, dass die Bewerber ihre Motivation verdeutlichen sollten, weshalb sie sich nun gerade beim ZDF bewerben und warum sie dort arbeiten möchten. "In einigen Fällen wird leider weder aus der Bewerbung selbst noch aus dem Gespräch mit der Kandidatin oder dem Kandidaten deutlich, warum sich die Person beim ZDF beworben hat", so Wichert. Solche Kandidaten haben dann wohl eher keine Chance auf eine Anstellung.

Aufgrund der Vielzahl der Stellen in den unterschiedlichsten Bereichen, die das ZDF besetzt, gäbe es keine einheitlichen No-Gos in einem Bewerbungsgespräch. "Uns ist es wichtig, ein realistisches Bild vom ZDF als Arbeitgeber zu zeichnen. Umgekehrt erwarten wir Authentizität und echtes Interesse am ZDF und an elektronischen Medien." Mit Blick auf den technischen Wandel hätten "Veränderungsfähigkeit und Veränderungsbereitschaft" an Bedeutung gewonnen, sagt Personalchef Wichert. Das schließe auch den Willen ein, sich fortzubilden und Neues zu lernen. Er sagt: "Gut, wenn das im Werdegang sichtbar ist."

Und warum sollte man sich als junger Bewerber, der im Journalismus oder vielleicht auch ganz woanders arbeiten will, beim ZDF bewerben? Wichert: "Das ZDF ist politisch und wirtschaftlich unabhängig und erfüllt mit seiner Tätigkeit den spannenden Auftrag zu informieren, zu bilden und zu unterhalten." Man biete zudem "sichere Arbeitsplätze und gute Beschäftigungsbedingungen". Auch mit technischen oder kaufmännischen Qualifikationen und Ausbildungen könnte man etwas zum Programm beitragen, sagt der Personalchef. "Bei uns arbeiten Menschen in über 140 verschiedenen Berufsbildern gemeinsam daran, ein einzigartiges Programm auf den Sender zu bringen. Jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter ist dabei ein wichtiges Glied in der Kette. Ohne Teamarbeit geht es bei uns nicht."

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