© Constantin Medien/Nadine Rupp
Constantin-Personalchef Joachim Breier

"Viele pochen nicht mehr verbissen auf eine Position"

 

Joachim Breier ist Director Human Resources bei der Constantin Medien AG. Im Interview sagt er, warum er im Bewerbungsgespräch immer eine professionelle Distanz wahrt, wie sich junge Bewerber verändert haben und was ihm an Bewerbungen missfällt.

von Timo Niemeier
04.04.2018 - 16:38 Uhr

Herr Breier, man hört ja immer viel davon, dass junge Menschen wählerischer geworden sind. Bemerken Sie das im Alltag? Wie haben sich die jungen Bewerber im Laufe der Zeit verändert? 

Joachim Breier: Wählerischer nicht unbedingt. Vielmehr treten sie heute selbstbewusster als früher auf und wissen meistens schon genau, was sie wollen – das fordern sie im Gespräch auch konkret ein. Viele pochen nicht mehr verbissen auf eine Position. Wichtiger als die Position ist das Aufgabenfeld geworden, in dem sie künftig agieren möchten. Die meisten Bewerber sind zudem vielseitiger interessiert und damit auch flexibler einsetzbar. Auch Arbeitsweise und -methoden haben sich verändert: Modernes Projektmanagement, Arbeiten in agilen Teams und flexibles Arbeiten im Home Office sind für junge Bewerber heute Standards bei der Berufsausübung.

Was ärgert Sie an vielen Bewerbungen?

Unkreative, oberflächliche Bewerbungen, die nicht auf den Punkt kommen und stattdessen verallgemeinernd formuliert sind, hinterlassen keinen bleibenden Eindruck. Das Gros der bei uns eingehenden Bewerbungen überzeugt allerdings sowohl in der Form als auch im Inhalt. 

Und an den Bewerbern selbst? Was vermissen Sie bei den jungen Menschen, die sich bei Ihnen um einen Job bewerben?

Prinzipiell sollten sich Bewerber im Vorfeld mit uns als Unternehmen auseinandergesetzt haben. Auch mit dem in der Stellenausschreibung beschriebenen Aufgabenprofil sollten sie sich detailliert beschäftigt haben. Denn die Erfahrung lehrt: Ein Gespräch verläuft auf einem viel höheren Niveau, wenn sich der Bewerber bereits Gedanken zu seinem möglichen künftigen Verantwortungs- und Aufgabenbereich und den damit verbundenen Leistungsanforderungen gemacht hat. Bei uns herrscht eine kreative, lockere und trotzdem mit Blick auf die Ziele ambitionierte Arbeitsatmosphäre. Diese versuchen wir als moderner Medienkonzern auch in den Bewerbungsgesprächen zu transportieren. Allerdings sollte stets auch eine professionelle Distanz gewahrt bleiben. Ein simples Beispiel: Duzen ist in der Medienbranche gang und gäbe. Aber es macht sicher keinen guten Eindruck, wenn der Bewerber dem Interviewer zu Beginn des Gesprächs das Du anbietet.

Wissen über das Unternehmen, bei dem man sich bewirbt, ist ja eigentlich eine Grundvoraussetzung. Was erwarten Sie darüber hinaus noch von den Bewerbern? Womit weckt er oder sie Ihr Interesse?

Ein Bewerber weckt bei mir besonderes Interesse, wenn er mir gute Fragen stellt – solche, die auch über die üblichen Standards wie zum Beispiel Weiterbildungsmöglichkeiten, Sozialleistungen etc. hinausgehen. Durch intelligente Fragen – zum Beispiel zur Tätigkeit oder zum Unternehmen – präsentiert sich der Bewerber als interessierter und gleichzeitig anspruchsvoller Gesprächspartner, der mich darüber hinaus mit kreativen, außergewöhnlichen Ideen und einer gesunden Selbsteinschätzung überzeugen kann. Die individuelle Präsentation des Kandidaten ist ausschlaggebend: Ich bin kein Befürworter von ausgiebiger ‚Selbstbeweihräucherung‘. Vielmehr geht es in einem Bewerbungsgespräch um eine authentische Darstellung der eigenen Person und der individuellen Kompetenzen.

Sie suchen immer wieder in vielen unterschiedlichen Bereichen nach neuen Mitarbeitern. Ganz allgemein gefragt: Gibt es Anforderungen an Bewerber, die sich über alle Bereiche hinweg erstrecken und die sich in den vergangenen Jahren grundsätzlich geändert haben?

Jeder Bewerber sollte offen für Entwicklung und Veränderungen sein. In unserer Branche verändern sich angesichts des immensen digitalen Wandels ganze Berufsfelder und mit ihnen die Aufgabenbereiche. Wir erwarten von potentiellen Mitarbeitern, dass sie die Entwicklung des Unternehmens langfristig mittragen und mitgestalten – einfach offen sind für diese Transformation und neue Strukturen auch als Chance begreifen.

Was sind No-Gos in einem ersten Bewerbungsgespräch? Gibt es so etwas überhaupt oder machen sich da die meisten Bewerber viel zu viele Gedanken? 

Ein freundliches und gepflegtes Auftreten, das von gegenseitigem Respekt und offenem Interesse geprägt ist, setzen wir voraus. Glücklicherweise haben wir bisher nur sehr selten erlebt, dass sich Bewerber durch bestimmte No-Gos von Vornherein disqualifiziert haben. Grundsätzlich gibt es aber beim Vorstellungsgespräch keine allgemein gültigen Regeln im Sinne von Best bzw. Worst Practice, die einen Erfolg garantieren können.

Wenn ein junger Bewerber überlegt, sich bei Ihnen oder einem vergleichbaren Unternehmen zu bewerben: Warum sollte er oder sie sich für Constantin Medien entscheiden?

Weil wir die Talentschmiede im Sportmedienbereich sind – wie die vielen prominenten Beispiele zeigen, die bei uns vor oder auch hinter der Kamera ihren Weg gegangen sind: Junge und sportbegeisterte Menschen bekommen bei uns die Chance, die gesamte Bandbreite an Tätigkeiten im Sportmedienbereich zu erleben, ihre Passion auszuleben und mit uns zu teilen. Constantin Medien steht mit seinen Tochterunternehmen im Sportbereich für Kompetenz, Leidenschaft und Emotionen: Sport1 als die 360°-Sportplattform, Sport1 Media als innovativer Multiplattform-Vermarkter und Plazamedia als führender Content-Solution-Provider für sämtliche Medienkanäle – diese Aufstellung bietet im deutschsprachigen Raum einzigartige Möglichkeiten. Bei uns übernehmen Berufsanfänger bereits früh verantwortungsvolle Aufgaben und sind von Anfang an mittendrin: zum Beispiel bei Produktionen großer Events im Studio oder im Stadion, auf Augenhöhe mit unserem On-Air-Team und ganz nah dran an den Protagonisten des Sports. Bei uns gehen für so manchen Kindheitsträume in Erfüllung.

Herr Breier, vielen Dank für das Gespräch.

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