© DWDL/Marc Walter
Gespräch mit DWDL-Jobbörsen-Chefin Regine Pfaff

"Nicht alle Stellenanzeigen müssen gleich aussehen"

 

Für unser Karriere-Special "Vitamin D" fragen wir viele externe Experten. Diesmal fragen wir Regine Pfaff, verantwortlich für die DWDL.de-Jobbörse, nach ihren Erfahrungen mit der Branche nach tausenden Stellenanzeigen. Gibt es die Generation Praktikum noch? Wie fallen Stellenanzeigen heutzutage auf?

von Thomas Lückerath
03.04.2018 - 16:30 Uhr

Regine, die DWDL.de-Jobbörse ist nicht automatisiert, sondern wird von Dir persönlich betreut. Warum?

Vier Augen sehen immer mehr als zwei. Viele Kunden wissen es zu schätzen, dass wir auf die Anzeigen noch einmal drauf schauen und es nicht automatisiert online geht.

Wie oft kommt es zu Korrekturen?

Es ist schwierig, da eine Zahl zu nennen. Es geht ja nicht nur um Schreibfehler, sondern oft auch nochmal um eine Optimierung in Inhalt oder Form. Auch im Jahr 2018 gibt es immer noch hin und wieder den Fall, dass Anzeigen nicht geschlechtsneutral formuliert sind. Vor einigen Wochen suchte ein Unternehmen explizit nach jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Da weise ich dann auf die möglichen rechtlichen Probleme hin, Stichwort Altersdiskriminierung. Gerade für kleinere oder junge Firmen, die keine eigene Personalabteilung haben, ist so eine Beratung oft eine willkommene Erleichterung. Das gibt es nicht, wenn man die Anzeige per Online-Formular eingegeben und automatisiert veröffentlicht wird. Und am Ende erzeugt der persönliche Austausch auch Nähe und Vertrautheit.

Gibt es denn Tipps für Unternehmen, wie sich der Rücklauf für Stellenanzeigen verbessern lässt? Du hast ja mehr als 10.000 Anzeigen bearbeitet und sicher Erfahrungen gesammelt.

Manche Firmen, gerade kleinere oder vielleicht nicht jedem Bewerber bekannte Unternehmen, beschreiben die zu besetzende Stelle aber vergessen sich selbst als Arbeitgeber vorzustellen. Selbst der Link zur eigenen Homepage wird überraschend oft vergessen. Noch besser ist die Verlinkung einer gesonderten Seite mit Werbung in eigener Sache. Neulich hatte ich einen Kunden, der in seiner Anzeige ein YouTube-Video verlinkt hat, wo sich dann ein Volontär des Unternehmens vorstellte und von seinen Erfahrungen berichtete. In Bezug auf PDF-Anzeigen ist es empfehlenswert, wenn man die Möglichkeiten eines PDFs dann auch zu einer spielerischen bzw. optisch aufwändigeren Aufbereitung nutzt und nicht einfach nur Text schwarz auf weiß mit Logo drüber anbietet. Wer da kreativ ist, sticht hervor und sammelt sicher Pluspunkte.

Mit anderen Worten: Nicht alle Stellenanzeigen sind gleich?

Sehr viele ähneln sich. Stellenanzeigen sind oft noch eine sehr strikte und sterile Formsache, aber im Detail wird hin und wieder mit Witz gearbeitet. Es gibt beispielsweise bei den Stellenbezeichnungen die ein oder andere amüsante Wortschöpfung. Wir hatten zum Beispiel mal eine Stellenanzeige für einen „Sportschau-Schönmacher“. Ein anderes Beispiel: Ein Unternehmen mit nicht ganz so attraktivem Standort, da beschäftigte sich dann ein Drittel der Anzeige sehr ironisch mit den ungeahnten Vorteilen des Standortes.

Um welchen Standort ging es denn?

Das kann ich doch jetzt nicht sagen. Da kriege ich sonst Stadtverbot. Ein bisschen mehr Spielfreude in der Formulierung und Aufbereitung hier und da wäre sicher schön. Nicht alle Stellenanzeigen müssen gleich aussehen.

Wie lange dauert denn der Rücklauf auf Anzeigen bei der DWDL.de-Jobbörse aus den Erfahrungen, die Du zurückgespielt bekommst?

Bei attraktiven Stellenanzeigen bzw. sehr gefragten Unternehmen kommt es schon mal vor, dass Anzeigen vor Ende der eigentlichen Laufzeit offline genommen werden können. Bei einem Extremfall ging die Anzeige schon einen Tag später wieder offline, weil sich so viele beworben haben. Das ist dann natürlich ein schönes Kompliment für die DWDL.de Jobbörse, wenn der Rücklauf so gut ist. In der Regel laufen die Anzeigen aber vier Wochen und können bei Bedarf auch verlängert werden. Das Gute für Jobsuchende: Alle Anzeigen werden so alle vier Wochen überprüft. Es gibt keine alten Karteileichen.

Welche Berufe werden am häufigsten gesucht?

Den größten Anteil haben die Stellenanzeigen aus dem redaktionellen Bereich. Da gibt es eine sehr große Bandbreite an Positionen.

Hat sich die Bandbreite der Berufe über die Jahre verändert?

Das ist schwierig zu beantworten. (überlegt) Es gibt heute vielleicht eine größere Vielfalt in den Stellenbezeichnungen bei denen ich aber nicht beurteilen kann, ob das nicht hin und wieder eher dem Zeitgeist geschuldet ist oder ob wirklich neue Berufsbilder dahinterstecken. Was es vor zehn Jahren natürlich noch nicht gab und heute durchaus oft: Stellen im Bereich Social Media. Und da ist es auch ganz interessant zu lesen, wie unterschiedlich die Aufgaben definiert werden, was oft ja auch Rückschlüsse darauf zulässt, wie Social Media von den suchenden Unternehmen verstanden bzw. umgesetzt wird.

Alle sprechen von der Generation Praktikum, besonders im Bereich der Medien. Ist das ein Eindruck, den Du von den Erfahrungen mit der DWDL.de Jobbörse teilst?

Aktuell sind weniger als 15 Prozent unserer Anzeigen in der Jobbörse Praktikanten-Anzeigen. Ohne daraus Rückschlüsse auf die Situation der gesamten Branche ziehen zu wollen, kann ich für unsere Jobbörse zumindest sagen: Generation Praktikum ist bei uns Geschichte.

Vielleicht auch ein Charakteristikum unserer Jobbörse?

Die Tatsache, dass die Stellenanzeigen durch die intensive Einbindung im redaktionellen Umfeld des Medienmagazins eher gefunden als gesucht werden, könnte natürlich dazu beitragen, dass sich die DWDL.de-Jobbörse überdurchschnittlich gut für qualifizierte Stellenanzeigen eignet.

Wo wir hingegen auch nichts gegen die Gewohnheiten der Branche ausrichten können: Es gibt viele befristete Positionen…

Ja, die Medienbranche und ganz besonders unser Fokus auf die Fernsehproduktion ist natürlich oft projektbezogen und dementsprechend sind es die Stellenanzeigen der suchenden Unternehmen auch oft. Da können wir uns nicht frei machen von der Branche, mit der wir arbeiten.

Bekommst Du eigentlich auch Feedback von Kunden auf einzelne Anzeigen?

Ja, sowohl positiv als auch negativ. Manchmal bekomme ich schönes Feedback, wenn die Mitarbeitersuche schnell geklappt hat. Der Umstand, dass die DWDL.de Jobbörse inzwischen so erfolgreich und gut gefüllt ist, freut potentielle Bewerberinnen und Bewerber, aber natürlich gibt es hin und wieder einzelne Anzeigen, die dann auch mal drohen, etwas unterzugehen. Da wünschen sich manche Kunden, dass ihre Anzeige nochmal hochgeholt wird. Da ist dann aus dem Gebot der Fairness den anderen Jobbörsen-Kunden gegenüber unsere Premium-Anzeige entstanden, die eine prominentere Platzierung garantiert und übrigens immer noch günstiger ist als die regulären Anzeigen bei vielen anderen Jobportalen.

Wenn man wie Du dabei geholfen hat, tausende Jobs zu vermitteln - hattest Du schon oft mit Menschen zu tun, die über die DWDL.de-Jobbörse ihren Arbeitsplatz gefunden haben?

Wenn man Menschen aus der Branche trifft, was ja in der Medienstadt Köln auch privat passiert, dann ist nicht nur DWDL.de, sondern auch die Jobbörse inzwischen ein Begriff. Bei einem Kundentermin in München war es neulich sogar so, dass drei der vier Mitarbeiter eines TV-Konzerns, die mir gegenüber saßen, ihre Stelle über unsere Jobbörse gefunden haben. Da hatten wir gleich was gemeinsam. Ich habe mich selbst ja auch auf eine Stellenanzeige in der DWDL.de-Jobbörse beworben und bin dann über Praktikum, studentische Hilfskraft und Halbtagsstelle zur Vollzeitstelle gekommen.

Letzte Frage: Die Branche steckt seit Jahren im Umbruch, neue Anbieter drängen in den Markt. Spiegelt sich das auch in der Jobbörse wieder?

Ja, durchaus. Firmen wie Amazon und Netflix haben die DWDL.de-Jobbörse auch schon genutzt. Der indirekte Effekt ist aber sicher größer: Immer neue Plattformen, aber auch die Produktionslust der in den vergangenen Jahren entstandenen und dann gewachsenen kleineren Sender, brauchen auch immer mehr Inhalte. Und die wollen produziert werden. Wir spüren diese spannende Phase der Branche also in erster Linie durch den viel höheren Personalbedarf der deutschen Produktionslandschaft. Wir befinden uns aktuell auf dem Höchststand in der gut zehnjährigen Geschichte mit mehr als 450 Anzeigen von weit mehr als hundert Firmen online - und das Spektrum ist sehr groß von kleinen Firmen bis zu großen Konzernen.

Regine, ich danke Dir für das Gespräch.

Über den Autor

Thomas Lückerath ist Gründer und Chefredakteur des Medienmagazins DWDL.de. Hatte schon viereckige Augen, bevor es Bingewatching gab. Liebt Serien, das Formatgeschäft und das internationale TV-Business. Ist mehr unterwegs als am Schreibtisch.

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