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Meine Woche in Serie

Das lange Warten auf Claire Underwood

 

Die Underwoods sind zurück: In der neuen Staffel von "House of Cards" hat sich unsere Kolumnistin Ulrike Klode vor allem für die Entwicklung der Figur Claire Underwood interessiert. Sie schildert ihre Eindrücke von der fünften Staffel. ACHTUNG, SPOILERWARNUNG.

von Ulrike Klode
17.06.2017 - 12:35 Uhr

Dicke Spoilerwarnung: Wenn Sie Staffel 3 bis 5 von "House of Cards" noch nicht kennen, sollten Sie sich gut überlegen, ob Sie diesen Text wirklich lesen wollen.

Meine Geduld war fast aufgebraucht. (Okay, ich bin ohnehin nicht der geduldigste Mensch.) Seit drei Staffeln von "House of Cards" warte ich auf die Emanzipation von Claire Underwood (Robin Wright). Am Ende von Staffel 3 dachte ich: "Ja, endlich! Sie geht und wird die schärfste Konkurrentin ihres Mannes." Und ich hoffte auf eine Art Rosenkrieg (Kolumnentext über meine Erwartungen an Staffel 4). Doch in Staffel 4 wurde schnell klar: Sie verbündet sich wieder mit ihrem Mann Frank Underwood (Kevin Spacey), was mich - ehrlich gesagt - enttäuscht hat. Aber ich hoffte weiter, weil auch deutlich wurde: Im Verhältnis der beiden zueinander hat sich etwas verändert, sie ist aus Kalkül zu ihm zurückgekehrt und es kann jederzeit passieren, dass sie dieses Zweckbündnis aufkündigt. Doch je weiter die Staffel 4 fortschritt, umso mehr hatte ich den Eindruck: Sie richtet sich ein, er geht hin und wieder auf ihre (Macht-)Wünsche ein. 

Kommen wir zu Staffel 5: Ich muss gestehen, dass es Staffeln von "House of Cards" gab, auf die ich mich mehr gefreut habe. Aber als ich dann endlich anfange, ist es wie immer bei "House of Cards": Ich werde hineingesogen und will möglichst schnell weitergucken. (Obwohl mir manche Entwicklungen doch reichlich absurd und wenig konsistent erscheinen. Aber darum soll es jetzt nicht gehen, sondern um Claire Underwood.) Ich schaue und hoffe, schaue und hoffe - bis endlich in Folge 6 Claire Underwoods Zeit gekommen scheint. Wegen der manipulierten Wahl und des Patts im Repräsentantenhaus wird sie als gewählte Vize-Präsidentin nun Präsidentin der USA, bis es ein eindeutiges Wahlergebnis gibt.

Was mich sehr freut, schließlich scheint nun das zu kommen, worauf ich so lange gewartet habe: Dass die Serie sich stärker Claire zuwendet und damit der Figur, die ich deutlich spannender finde als Frank Underwood. Doch leider: Zu früh gefreut. Auch wenn es Sätze und Gesten gibt, die ich so deute, dass sich Claire von Francis emanzipieren will und dass sie die Situation nun ausnutzen könnte, um ihn auszumanövrieren - sie tut es nicht. Er bleibt, obwohl er kein Amt hat, eng an ihrer Seite, er trifft Entscheidungen mit und nur hin und wieder weist sie ihn zurecht, macht ihm deutlich, dass sie derzeit die Präsidentin ist. Am Ende von Folge 8 dann ist wieder klar: Ihre Zeit als Acting President ist zu Ende, Frank wird in Folge 9 erfolgreich sein. Enttäuschung, aber auch Hoffnung: Claire wirkt, als habe sie Blut geleckt, als würde sie insgeheim mit dem Gedanken spielen, Francis aus dem Weißen Haus zu drängen.

Die Recherchen der Journalisten vom "Washington Herald", die Leaks und die Arroganz von Frank Underwood - der politische Gegner verärgert, weswegen eine Untersuchungskommission erneut ihre Arbeit aufnimmt - scheinen in Claires Richtung zu weisen. Und ich ertappe mich bei dem Gedanken: "Ha! Offensichtlich haben die Macher doch endlich erkannt, dass es nur mit Claire weitergehen kann, weil die Figur Frank auserzählt ist." Und sehe schon vor meinem inneren Auge, wie Frank sich endlich wegen der zwei Morde, die er begangen hat, verantworten muss. Am Ende von Folge 12 dann: Frank kündigt seinen Rücktritt an. Ich jubele innerlich: Claires Triumph ist nah! Und ich freue mich schon auf die nächste Staffel - obwohl noch gar nicht feststeht, dass es eine geben wird. Trotzdem freue ich mich darauf.

Doch halt! Zu früh gefreut. Natürlich. Denn es gibt ja noch eine 13. Folge. Und die hat es in sich. Ich traue meinen Augen und Ohren fast nicht, als ich Frank sagen höre, dass er das alles von vorne bis hinten eingefädelt habe. Dass sein Ziel schon immer gewesen sei, Claire als Präsidentin zu installieren, damit sie gemeinsam - er in der Privatwirtschaft, sie im Weißen Haus - wahre Macht ausüben könnten. Wut steigt in mir hoch. Ja, tatsächlich, da ist Wut, schließlich kenne ich die Charaktere schon eine ganze Weile. Und hatte alles erwartet, aber nicht das. Ich fühle mich betrogen, fühle Claire betrogen. Finde es gemein, dass hier einer vielversprechenden Frauenfigur mit einem einzigen Dialog am Ende einer Staffel, in der sich der Charakter interessant entwickelt hat, der Boden unter den Füßen weggezogen wurde von den Drehbuchautoren. Claire wurde zur Marionette degradiert. 

Und dann macht mir Folge 13 auch Jane Davis kaputt! Dass sie von Frank Underwood engagiert wurde, dass auch sie seine Marionette ist, das enttäuscht mich, damit hatte ich nicht gerechnet. Dabei gefiel mir dieser mysteriöse Charakter von Anfang an, sie erinnerte mich ein bisschen an Elsbeth Tascioni aus "The Good Wife" in ihrer Art, in Gesprächen plötzlich auf eine scheinbar unwichtige persönliche und nette Ebene zu springen. Die aber damit immer etwas bezweckte, was oft erst viel später klar wurde. Eigentlich eine tolle Figur, wunderbar gespielt von Patricia Clarkson.

Was bleibt? Immer noch ein klein bisschen Hoffnung meinerseits. Dass Claire Franks Spiel in einer möglichen sechsten Staffel nicht mehr bedingungslos mitspielt und alles daran setzt, selbst die Fäden in der Hand zu haben. Erste Anzeichen gab es dafür in der letzten Folge - kann aber auch Wunschdenken meinerseits sein.   

Und zum Schluss noch ein Hörtipp und drei Gucktipps: 

Im DWDL.de-Podcast "Seriendialoge" geht es dieses Mal um einen Charaktertyp, der seit einiger Zeit in den Mittelpunkt gerückt ist: den Nerd. Gemeinsam mit Christian Stöcker, Experte für Nerdkultur, habe ich unterschiedliche Nerd-Figuren aus den vergangenen Jahren unter die Lupe genommen. Klicken Sie auf folgenden Audio-Player, um die Folge anzuhören:

Eine Bombe aus einer Sicherheitsnadel, ein funktionierendes Flugzeug aus Duct-Tape - das kann natürlich nur der gute alte MacGyver, Serienheld der 80er-Jahre. In den USA ist im Herbst ein Revival der Serie gestartet, das überraschend gut ankam. In Deutschland kann man die neuen "MacGyver"-Folgen künftig auch sehen und zwar montags ab 19. Juni ab 20.15 Uhr im Doppelpack bei Sat.1.

Sehr sehenswerte Polit-Comedy: Die sechste Staffel von "Veep" läuft mittwochs ab 21. Juni, 20.15 Uhr, beim Bezahlsender Sky Atlantic HD. Selina Meyer (Julia Louis-Dreyfus) hasst ihre Wähler, umgibt sich mit einem äußerst inkompetenten Team - und ist trotzdem eine der mächtigsten Politikerinnen in den USA. Die sechste Staffel verspricht besonders spannend zu werden. Und lustig sowieso, Julia Louis-Dreyfus ist großartig.

Ebenfalls am 21. Juni startet die vierte Staffel von "Silicon Valley" beim Bezahlsender Sky Atlantic HD, zu sehen ab 21.50 Uhr, also direkt nach "Veep". In der Comedy geht's um ein paar Computer-Genies, die ein Start-up gründen. Aber von einem Fettnäpfchen ins nächste treten. Hier wird das echte Silicon Valley sehr unterhaltsam und phasenweise schön bissig auf die Schippe genommen. 

Jetzt zum wirklich Wichtigen: Wo kann man das gucken, über das ich schreibe?

"House of Cards", Staffel 5: Die neueste Staffel ist vorerst nur bei Sky zu sehen: dienstags ab 20.15 Uhr in Doppelfolgen bei Sky Atlantic HD, alle Folgen zum Abrufen in den Sky-Streamingangeboten. Erst in einigen Monaten wird die Staffel auch bei Netflix verfügbar sein.

Wer mir auf Twitter folgen möchte, kann das hier tun: @FrauClodette.

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